Erster Weltkrieg - eine europäische Erfahrung

Erster Weltkrieg - eine europäische Erfahrung

Veranstalter
Evangelische Akademie Tutzing
Veranstaltungsort
Evang. Akademie Tutzing, Schloss-Str. 2+4, 82327 Tutzing
Ort
Tutzing
Land
Deutschland
Vom - Bis
05.12.2014 - 07.12.2014
Deadline
21.11.2014
Von
Dr. Ulrike Haerendel

Vom Willen, zusammen eine gemeinsame Erinnerung zu gestalten, sprach Staatspräsident Francois Hollande bei der deutsch-französischen Gedenkfeier zum Ersten Weltkrieg am Hartmannsweilerkopf Anfang August 2014. Aber geht dieser Wille auch über die offizielle Erinnerungspolitik hinaus und wie weit reichen die Gemeinsamkeiten? Bis zum Jahr 2014 war eher auffällig, dass es in Deutschland so gut wie kein Gedenken an den Ersten Weltkrieg gab, während in Großbritannien und Frankreich etwa mit dem jährlichen „Remembrance" oder "Poppy Day" bzw. „Jour du Souvenir“ (an den Waffenstillstand 11. November 1918) eine ganz andere öffentliche Aufmerksamkeit schon vor dem „Hundertjährigen“ herrschte. Mit diesem Gedenkjahr hat aber auch in Deutschland ein neues Bewusstsein für diesen Krieg als „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts – „the great seminal catastrophe“ hat es George F. Kennan genannt – gegriffen. Erleichtert wurde dieser Zugang zum Ersten Weltkrieg durch neue Veröffentlichungen, insbesondere „Die Schlafwandler“ des australisch-britischen Historikers Christopher Clark. Anders als noch Fritz Fischers „Griff nach der Weltmacht“ in den Sechzigerjahren verteilt Clark die Verantwortlichkeiten und Kausalitäten auf viele Beteiligte und entlastet damit automatisch die deutsche Seite ein Stück weit. Während die Deutschen also den Ersten Weltkrieg vorsichtig in die immer noch wesentlich vom Umgang mit dem Nationalsozialismus geprägte „Erinnerungskultur“ integrieren, sind in Großbritannien heftige Diskussionen um alte Selbstverständlichkeiten, nämlich die Unausweichlichkeit der britischen Kriegserklärung, aufgebrandet. Frankreich hat sich unterdessen bemüht, den „Centenaire“ international und mit breiter Beteiligung zu gestalten. Und in Polen? Dort deuten sich Tendenzen an, den Krieg auch als solchen - über seine Rolle in der Vorgeschichte der Wiedererlangung staatlicher Souveränität hinaus - wahrzunehmen. Die hier nur angedeuteten Entwicklungen in einem Jahr, das mehr noch als von der Erinnerung an vergangene Kriege von der blutigen Realität gegenwärtiger und Europa mittelbar und unmittelbar betreffender Kriege geprägt wird, sind Anlass für uns, Bilanz zu ziehen: Wie wurde in der Vergangenheit der Erste Weltkrieg in den vier Beispielländern gesehen und wie wird er heute gesehen? Gibt es heute anwendbare Lehren aus der Geschichte? Und entwickelt sich aus einer neuen Sicht eine Europäisierung der Gedenkkultur, die auch ein Baustein zur fortschreitenden europäischen Integration sein könnte?

Programm


Freitag, 5.12.2014

19.00 Uhr
Begrüßung
Dr. Ulrike Haerendel
Prof. Dr. Hans-Joachim König

19.15 Uhr
1914 aus der Perspektive von 2014: Der Erste Weltkrieg und seine Folgen
Dr. Detlef Bald

20.15 Uhr
Dokumentarfilm-Angebot zum Beginn des Ersten Weltkriegs

Samstag, 6.12.2014

09.00 Uhr
Die Julikrise 1914 – eine multiperspektivische Sicht
Prof. Dr. Michael Epkenhans

09.45 Uhr
Großbritannien und “der große Krieg”
Prof. Dr. Lothar Kettenacker

10.30 Uhr
Pause

11.00 Uhr
Krieg und Erinnerungskultur in Frankreich
Dr. Arndt Weinrich

11.45 Uhr
Diskussion zu den Beiträgen des Vormittags

12.30 Uhr
Mittagessen

14.30 Uhr
Ein „fremder“ Krieg als nationales Schicksal. Betrachtungen zur Erinnerung an den Weltkrieg im heutigen Polen
Dr. Jens Boysen

15.30 Uhr
Kaffeepause

16.00 Uhr
„Die Ideen von 1914“ – Wegbereitung für den Nationalsozialismus?
Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld

17.00 Uhr
Frauen und Friedensbewegung in Deutschland
Dr. Susanne Hertrampf

18.00 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr
Lesung: Das Sandkorn
Mit Autor Christoph Poschenrieder

Sonntag, 7.12.2014

08.45 Uhr
Morgenandacht

09.30 Uhr
Versailles: Der Frieden, der zum Krieg führte?
Prof. Dr. Bernd-Jürgen Wendt

10.30 Uhr
Pause

10.45 Uhr
Die nationalsozialistische Vereinnahmung des Ersten Weltkriegs
Dr. Gudrun Brockhaus

11.30 Uhr
Auf dem Weg zu einer europäischen Erinnerungskultur? Podiumsdiskussion mit Referentinnen und Referenten der Tagung

12.30 Uhr
Ende der Tagung mit dem Mittagessen

Kontakt

Rita Niedermaier

Evang. Akademie Tutzing
Schloss-Str. 2+4, 82327 Tutzing
08158/251-128

niedermaier@ev-akademie-tutzing.de

http://www.ev-akademie-tutzing.de
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Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
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