Rituale, Symbole und Willensbildung. Funktionen und Herrschaftspraxis im Spiegel mittelalterlichen Schriftwesens. Kulturhistorische Vergleiche zwischen Europa und Japan

Rituale, Symbole und Willensbildung. Funktionen und Herrschaftspraxis im Spiegel mittelalterlichen Schriftwesens. Kulturhistorische Vergleiche zwischen Europa und Japan

Veranstalter
Grants-in-Aid (Kaken)-Projekt des JSPS „Soziale Ordnungen, Feudalisierung und Forschungsentwicklung Japans und Europas im Vergleich“, Universität Stuttgart, Philosophisch-Historische Fakultät, Historisches Institut, Abteilung Mittlere Geschichte, Universität Tübingen, Philosophische Fakultät, Fachbereich Geschichtswissenschaft, Seminar für Mittelalterliche Geschichte
Ort
Tübingen / Karlsruhe / St. Gallen
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.03.2015 - 19.03.2015
Deadline
13.03.2015
Von
Widder, Ellen

Rituale wie Krönung, zeremonieller Empfang oder Begräbnis des Herrschers werden seit längerem als wesentliche Elemente der Legitimation vormoderner Herrschaft diskutiert. Urkunden und sonstige Zeugnisse der Rechts- und Verwaltungspraxis spielten dabei jedoch bislang kaum eine Rolle. Hier soll die Perspektive ausgeweitet werden, indem ähnliche Ansätze zur japanischen Vormoderne aufgegriffen und mit den europäischen Befunden in Beziehung gesetzt werden.

Dadurch ergibt sich die Chance, nicht nur Bedingtheiten und Perspektiven einer „fremden“ Diplomatik kennenzulernen, sondern im Sinne einer global erweiterten Kulturgeschichte des Politischen zu neuen Antworten auf Grundfragen zu Herrschaft, Verwaltung und deren Mitteln zu gelangen. Ziel dieses methodisch innovativen, multiperspektivischen und interkulturellen Ansatzes ist, sich dem Themenkreis der Rituale, Symbole und Willensbildung und seinem Niederschlag im Schriftwesen Europas wie Japans anzunähern. Dadurch sollen Bausteine für eine neue Sichtweise des Phänomens gewonnen werden, die auf eine teleologische Modernisierungsgeschichte von Herrschaft und Verwaltung verzichtet.

Der Tagung am 16. und 17. März in Tübingen schließt sich ein forschungsorientierter Workshop an zwei zentralen Punkten der europäischen Überlieferung (18. März: Karlsruhe mit den Beständen der Reichenau; 19. März: St. Gallen (CH)) an, der mit einer Exkursion zur Reichenau verbunden wird. Aus Kapazitätsgründen wird hierfür eine gesonderte Anmeldung erbeten.

Programm

Montag, 16. März 2015 (Tübingen)

13.00-14.00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Jürgen Leonhardt, Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen; Prof. em. Dr. Shosuke Kochi, Visiting Researcher of HIJAS, Hosei University, Tokyo; Prof. Dr. Steffen Patzold, Universität Tübingen; Prof. Dr. Ellen Widder, Universität Tübingen

14.00-15.00 Uhr
Urkunden und die mündliche Übermittlung im japanischen Altertum
Prof. Dr. Yasutoshi Sakaue, Kyushu University, Fukuoka

15.00-16.00 Uhr
Aussteller und Empfänger in der Karolingerzeit
Prof. Dr. Mark Mersiowsky, Universität Stuttgart

16.30-17.30 Uhr
Kaiserurkunden und Rituale im Mittelalter
Prof. Dr. Kazuki Takahashi, Musashi University, Tokyo

17.30-18.30 Uhr
Ausstellung – Empfänger – Ritual in ottonischer Zeit
Prof. Dr. Wolfgang Huschner, Universität Leipzig

Moderation: Prof. Dr. Klaus Antoni, Universität Tübingen

Dienstag, 17. März 2015 (Tübingen)

09.00-10.00 Uhr
Die Genealogie privater Briefe im japanischen Altertum
Prof. Dr. Masashi Oguchi, Hosei-University, Tokyo

10.00-11.00 Uhr
Die Briefsammlung des Petrus de Vinea und ihre Bedeutung für die spätmittelalterliche Staatlichkeit
Prof. Dr. Karl Borchardt, Monumenta Germaniae Historica, München

11.30-12.30 Uhr
Dokumente des Kaiserhofs und kaiserliche Privatdokumente
Prof. em. Dr. Shosuke Kochi, Visiting Researcher of HIJAS, Hosei University, Tokyo

14.00-15.00 Uhr
Graphische Symbole in ottonischen und salischen Herrscherurkunden
Prof. Dr. Irmgard Fees, Ludwig-Maximilians-Universität, München

15.30-18.00 Uhr
Round Table Rituale, Symbole und Willensbildung. Funktionen und Herrschaftspraxis im Spiegel mittelalterlichen Schriftwesens
Prof. Dr. Atsushi Okazaki, Kyushu University, Fukuoka; Prof. Dr. Ellen Widder, Universität Tübingen; Associate Prof. Dr. Osamu Kano, Nagoya University; Associate Prof. Dr. habil. Markus Rüttermann, International Research Center for Japanese Studies, Kyōto; Dr. Anja Thaller, Universität Stuttgart

Moderation: Associate Prof. Dr. habil. Markus Rüttermann, International Research Center for Japanese Studies, Kyōto

Mittwoch, 18. März 2015 (Karlsruhe)

09.00-12.30 Uhr
Archivwesen und Urkundenfonds im Generallandesarchiv Karlsruhe
Prof. Dr. Kurt Andermann, GLA Karlsruhe; Prof. Dr. Mark Mersiowsky, Universität Stuttgart

15.00-16.30 Uhr
Mittelalterliche Briefe und anderes Schriftgut aus der Reichenauer Bibliothek, Badische Landesbibliothek Karlsruhe
Dr. Annika Stello, BLB Karlsruhe; Prof. Dr. Mark Mersiowsky, Universität Stuttgart

Donnerstag, 19. März 2015 (St. Gallen)

10.00-12.30 Uhr
Archivwesen und Urkundenfonds im Stiftsarchiv St. Gallen
Dr. Peter Erhart, Stiftsarchiv St. Gallen; Prof. Dr. Mark Mersiowsky, Universität Stuttgart

13.30-14.45 Uhr
Mittelalterliche Briefe aus der Stiftsbibliothek St. Gallen
Dr. Karl Schmuki, Stiftsbibliothek St. Gallen; Prof. Dr. Mark Mersiowsky, Universität Stuttgart

Wissenschaftliche Übersetzung
Dr. Takuro Tsuda, Aichi Prefectural University, Nagakute; Dr. Shigeto Kikuchi, The University of Tokyo

Kontakt

Ellen Widder

Universität Tübingen, FB Geschichtswissenschaft, Seminar für mittelalterliche Geschichte
Wilhelmstr. 36, 72070 Tübingen

Tel: +49 (0) 7071 29-72385
Fax: +49 (0) 7071 29-5905

ellen.widder@uni-tuebingen.de

http://www.mittelalter.uni-tuebingen.de/