Vermittlungsprozesse in Migrantenfamilien / Familien mit Migrationshintergrund. Gekreuzte Blicke in den Staaten der Europäischen Union

Vermittlungsprozesse in Migrantenfamilien / Familien mit Migrationshintergrund. Gekreuzte Blicke in den Staaten der Europäischen Union

Veranstalter
Prof. Dr. Gwénola Sebaux
Veranstaltungsort
Université catholique de l'Ouest
Ort
Angers
Land
France
Vom - Bis
15.10.2015 - 16.10.2015
Deadline
13.03.2015
Von
Prof. Dr. Gwénola Sebaux

CALL FOR PAPERS
« Vermittlungsprozesse in Migrantenfamilien / Familien mit Migrationshintergrund.
Gekreuzte Blicke in den Staaten der Europäischen Union »
Internationale und pluridisziplinäre Tagung : 15.-16. Oktober 2015
an der Université catholique de l’Ouest1, Angers (Frankreich).
LÉMIC (Littérature, Étrangéité, Mutations, Identités Culturelles)
Mit Blick auf das „Vermittlungs“-Konzept im Forschungsfeld der Soziologie und der Migrationsgeschichte kann folgende Beobachtung von Max Weber aufgegriffen werden: „Alle Unterschiede in den „Sitten“ können ein besonderes Gefühl der „Ehre“ und der „Würde“ bei denjenigen hervorbringen, die diese praktizieren. Dabei werden die Urgründe vergessen, welche die verschiedenen Lebensgewohnheiten und Gegensätze hervorgebracht haben, die fortan als „Normen“ fortgeführt werden.“ (Economie et Société, Bd. 2, Pocket 1995, S. 128).
Gilt diese Feststellung immer noch, nach nahezu einem Jahrhundert? Dies soll diese Tagung zu klären versuchen, indem sie die verschiedenen Disziplinfelder der Migrationsforschung zur Ergründung des Begriffes der „Vermittlungsprozesse“ einlädt.
Diese Tagung setzt die 2013 begonnenen wissenschaftlichen, transdisziplinären Überlegungen fort. Im ersten Teil wurden die sich in Migrationen und transnationalen Mobilitäten des 19. und 20. Jahrhunderts herausbildenden identitären Faktoren beleuchtet. Nachdem der deutschsprachige Raum (mit Blick auf Mittel-und Osteuropa) aus einer vorerst transnationalen Perspektive betrachtet wurde, soll nun der Blick aus einer klar komparatistischen, internationalen Perspektive heraus auf den ganzen EU-Raum erweitert werden. Ziel ist es, die Überlegung über die identitären Dynamiken zu vertiefen, und dabei das Augenmerk sowohl auf die Staaten West- als auch (Süd)Ost-Europas zu richten. Aufgrund ihrer besonderen Stellung im Herzen Europas können dabei Frankreich und Deutschland als „Artikulationspunkt“ für eine breiter angelegte, differenziertere Analyse auf europäischer Ebene gelten.
In erster Linie wird es aus theoretischer Perspektive interessant sein, die (mehr oder weniger) neuen, im wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Diskurs benutzten Konzepte einer kritischen Analyse zu unterwerfen: So werden zum Beispiel Bezeichnungen wie „mit Migrationshintergrund“, „Migranten“, „erste, zweite bzw. dritte Generation“ auf ihre Brauchbarkeit untersucht, und deren Analyserahmen geklärt werden können. Weiterhin wird empirisch zu prüfen sein, inwieweit solche Konzepte einsetzbar sind, um Erscheinungen von Kulturvermittlung wie sie in den EU-Staaten zu beobachten sind, zu ergründen.
So wird man beispielsweise die möglichen Auswirkungen der kulturellen Herkunft der Eltern auf die Vermittlung von gewissen „Werten“ oder kulturellen Bezügen von einer Generation an die nächste
1 UCO : Mitglied der Forschungsgemeinschaft L’UNAM, l’Université Nantes Angers Le Mans
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hinterfragen können (transgenerationale Vermittlung). Analysiert werden könnten somit, anhand von aktuellen oder neuesten Fallstudien:
- religiöse oder ethnische Identifikationen
- Wertesysteme
- Genderpositionen
- Trenn- bzw. Konvergenzlinien zwischen Eltern und Kindern.
Auch die Rolle der Institutionen in Vermittlungsstrategien und -praktiken kann untersucht werden. So wird die institutionelle Wirkung hinterfragt, sei es im Prozess des kulturellen „Erbes“, oder auch des Erwerbs von neuen kulturellen Bezügen. In dieser Hinsicht soll somit geklärt werden, ob die Vermittlung eher zur Aufgabe oder zum Aufbewahren tendiert – wobei die sodann ins Spiel kommenden Prozesse und Hybridisierungsformen analysiert werden sollen.
Zu den wissenschaftlichen Überlegungen sind WissenschaftlerInnen der Disziplinen europäische Ethnologie, Kulturanthropologie, Geschichte oder Mikro-Geschichte, Migrationsgeschichte, Politologie, Demographie, Human- und Sozialgeographie eingeladen.
Letztendlich zielt die Tagung darauf ab, die vielen, in der Migrationsforschung eröffneten Perspektiven zu kreuzen und dank Erforschung folgender Bereiche in einen Dialog zu bringen:
- den ländlichen und städtischen Raum
- die private und die öffentliche Sphäre
- das Individuelle und das Kollektive
- das Männliche und das Weibliche,
um die in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts in den europäischen Gesellschaften stattfindenden Vermittlungsprozesse zu identifizieren und zu analysieren.
Tagungssprachen werden Französisch, Deutsch und Englisch sein.
Vorgesehen sind Vorträge von maximal 20 Minuten mit anschlieβender Diskussion von 5-10 Minuten. Die Publikation eines Tagungsbandes ist vorgesehen.
Vortragsvorschläge (Abstract + kurze biographische Skizze) bitte Gwénola SEBAUX bis 13. März 2015 einreichen!
Kontakt : gwenola.sebaux@wanadoo.fr
Die vom wissenschaftlichen Beirat begutachteten, ausgewählten Vorschläge werden vor dem 31. März bekanntgegeben.
Wissenschaftlicher Beirat :
Pr Philippe ALEXANDRE (Université de Lorraine, Nancy)
Pr émérite Jean-Paul CAHN (Université Paris 4)
Pr émérite Brigitte LESTRADE (Université de Cergy-Pontoise)
Pr Patrice NEAU (Université de Nantes)
Pr Jochen OLTMER (Universität Osnabrück – Allemagne)
Pr Dirk RUPNOW (Universität Innsbruck – Autriche)
Pr émérite Anne SAINT SAUVEUR (Université Sorbonne nouvelle – Paris 3)
Pr Gwénola SEBAUX (Université catholique de l’Ouest, Angers)
Pr Anton STERBLING (Rothenburg/Oberlausitz – Allemagne)
Pr émérite Jérôme VAILLANT (Université de Lille 3)
Dr Zaïhia ZEROULOU (Université de Lille 1)

Programm

Kontakt

Gwénola Sebaux

3 Place André-Leroy - BP 10808
49 008 Angers Cedex 01
02 41 81 66 37

gwenola.sebaux@wanadoo.fr

http://www.historikerkomitee.de/
Redaktion
Veröffentlicht am
09.03.2015