Neue Zugänge zur Geschichte der Deutschen in der Slowakei. Kulturelle Vielfalt - Migration - Zentrum und Peripherie

Neue Zugänge zur Geschichte der Deutschen in der Slowakei. Kulturelle Vielfalt - Migration - Zentrum und Peripherie

Veranstalter
Historisches Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und Collegium Carolinum, Forschungsinstitut für die Geschichte Tschechiens und der Slowakei Kooperationspartner: Botschaft der Slowakischen Republik in Berlin, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Karpatendeutsches Kulturwerk
Veranstaltungsort
Botschaft der Slowakischen Republik, Berlin
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
17.04.2015 - 18.04.2015
Von
Collegium Carolinum

Die Frage nach der Bedeutung ethnischer Vielfalt ist bis in die Gegenwart hinein eine der zentralen Leitlinien bei Forschungen zur Geschichte Ostmitteleuropas. Die vor allem für die Phase der Entwicklung moderner Nationen bedeutsame Frage nach Mehrheiten und Minderheiten oder Nationalisierungsprozessen strahlte dabei als Motiv auch auf die Beschäftigung mit früheren Epochen aus. Vor diesem Hintergrund wurde auch nach der historischen Bedeutung der „Deutschen“ im östlichen Europa gefragt. Gängige Erzählstränge führten dabei nicht selten zu einem Dilemma. Entweder erfolgte ein meist isolierter Blick auf die „Deutschen“, der Kontexte und Wechselwirkungen vernachlässigte. Oder aber es entstanden Länderstudien, in denen ethnische Gruppen meist nur in separaten Abschnitten thematisiert werden. Eine Analyse, die nach Gruppenentwürfen sowie nach kulturellen, sozialen oder wirtschaftlichen Besonderheiten der deutschen Bevölkerungsgruppen in Ostmitteleuropa fragt, diese jedoch zugleich in die Geschichte der jeweiligen historischen Region mit ihren interethnischen Beziehungen und übergeordneten Entwicklungen einbindet, stellt weiterhin eine Herausforderung für die Geschichtswissenschaften und ihre Nachbardisziplinen dar. Besonders deutlich wird dies bei einem Blick auf die Deutschen in der heutigen Slowakei. Viele Studien behandeln deren Geschichte im Rahmen der ungarischen Geschichte. Der wichtige Ansatz, die tausendjährige Zugehörigkeit der heutigen Slowakei zum Herrschaftsgebiet des ungarischen Königreichs zu integrieren, führt freilich dazu, dass es kaum einen eigenständigen Erzählstrang zur slowakeideutschen Geschichte gibt. Wird diese Geschichte mit Blick auf die Auswirkungen moderner Staatlichkeit dagegen in die tschechoslowakische Geschichte eingebunden, reduziert sich die slowakeideutsche Darstellung vor dem Hintergrund des deutsch-tschechischen Verhältnisses meist auf einen Appendix. Alternativentwürfe, die jenseits staatlicher Prägungen etwa geografische Zusammenhänge betonten (z.B. die Idee der „Karpatendeutschen“ des Volkskundlers Raimund Friedrich Kaindl zu Beginn des 20. Jahrhunderts), konnten sich dagegen nicht durchsetzen.

Das Problem der theoretischen und methodischen Zugänge vorliegender Studien und das Fehlen neuerer Gesamtdarstellungen jenseits von Überblicken zur ungarischen und tschechoslowakischen Geschichte verdeutlichen, dass neuere Ansätze zur slowakeideutschen Geschichte ein Desiderat sind. Die geplante Tagung möchte daher neue Zugänge exemplarisch erproben. Diese sollen in den Kontext der slowakischen Geschichte eingebettet werden. Bewusst werden hierfür geschichtswissenschaftliche Ansätze mit solchen der Europäischen Ethnologie und der kulturwissenschaftlich orientierten Linguistik in Verbindung gebracht.

Auf der Tagung sollen anhand der drei thematischen Zugänge – Kulturelle Vielfalt, Migration sowie Zentrum und Peripherie – exemplarisch Querschnittthemen vorgestellt werden. Dadurch sollen historische Zusammenhänge ohne vorangestellte ethnische Zuschreibungen oder inhaltliche Engführungen analysiert werden.

Anmeldung und Kontakt:
Martin Zückert (martin.zueckert@collegium-carolinum.de)

Programm

Freitag, 17. April 2015

9.00 Uhr Begrüßung und Einführung
(Moderation: Michal Schvarc)

Begrüßung durch Igor Slobodnik, Botschafter der Slowakischen Republik

Begrüßung durch die Organisatoren der Tagung

Martin Zückert (Collegium Carolinum, München):
Jenseits der Nation: Überlegungen zu einer Geschichte der Deutschen in der Slowakei

10.15 Kaffeepause

10.45 Uhr Themenfeld Kulturelle Vielfalt
(Moderation: Michal Schvarc)

Jörg Meier (Institut für Germanistik/Alpen-Adria Universität Klagenfurt):
Die deutsche Sprache im Kontext der slowakischen Geschichte

Jozef Tancer (Lehrstuhl für Germanistik/Comenius-Universität Bratislava):
Was alles bedeutet ‚Deutsch‘? Zu den Sprachbiographien der Bewohner Bratislavas in der Zwischenkriegszeit

Gabriela Kiliánová (Ethnologisches Institut/Slowakische Akademie der Wissenschaften, Bratislava):
Kulturelle Interferenzen: Deutsche und Slowaken nach 1945

13.30 Uhr Themenfeld Zentrum und Peripherie
(Moderation: Jörg Meier)

Juraj Šedivý (Lehrstuhl für Archivwesen und Historische Hilfswissenschaften/Comenius-Universität Bratislava):
An der „Sprachperipherie“? Mittelalterliche deutsche Texte in öffentlichen Räumen des historischen Oberungarn (14.-16. Jh.).

Karl Schwarz (Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien/Institut für Kirchengeschichte des Donau- und Karpatenraumes Bratislava):
Die Reformation in Oberungarn zwischen europäischen Kontexten und regionalen Besonderheiten

Peter Šoltés (Historisches Institut/Slowakische Akademie der Wissenschaften, Bratislava):
„Ohnstreitig ist nirgends der wohltätige Einfluß deutscher Cultur so auffalend sichtbar, als an diesen Karpatehen-Bewohner.“ Charakter der Zipser in der statistischen und topographischen Literatur des 19. Jahrhunderts"

Dušan Kováč (Historisches Institut/Slowakische Akademie der Wissenschaften, Bratislava):
Zwischen Staatsbewusstsein, regionaler und ethnischer Identität. Die Deutschen im Oberungarn des 19. Jahrhunderts

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr Themenfeld Migration I
(Moderation: Peter Šoltés)

Vladimir Rábik (Lehrstuhl für Geschichte/Philosophische Fakultät der Universität Trnava):
Die deutsche Besiedlung der Slowakei im Kontext der mittelalterlichen Migrationen

Dušan Segeš (Historisches Institut/Slowakische Akademie der Wissenschaften, Bratislava):
Die Auswanderung aus der Slowakei im 19. und frühen 20. Jahrhundert – Ethnische Zusammensetzung und wirtschaftlich-soziale Hintergründe

Samstag, 18. April 2015

9.00 Uhr Themenfeld Migration II
(Moderation: Martin Zückert)

Michal Schvarc (Historisches Institut/Slowakische Akademie der Wissenschaften, Bratislava):
Die Evakuierung der Deutschen aus der Slowakei im Kontext der sogenannten Umsiedlungsaktion 1939 und der „Südostevakuierung“ 1944/45

Klaas-Hinrich Ehlers (Collegium Carolinum/Freie Universität Berlin):
„Unsere Leut'“. Akkulturation und Abgrenzung einer karpatendeutschen Migrantengruppe in Mecklenburg.

10.15 Uhr Kaffeepause

10.45 Uhr Abschlussvortrag und Zusammenfassung
(Moderation: Martin Zückert)

Konrad Gündisch (Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, München):
Die Deutschen im historischen Oberungarn während des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Abschlussdiskussion

Kontakt

Martin Zückert

Collegium Carolinum e.V.

089-552606-0
089-552606-44
martin.zueckert@collegium-carolinum.de

www.Collegium-Carolinum.de
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