Erinnerung, Ehrung, Politik. Zum Umgang mit Ehrungen und Erinnerungen nach 1945

Erinnerung, Ehrung, Politik. Zum Umgang mit Ehrungen und Erinnerungen nach 1945

Veranstalter
Dr. Matthias Frese / Dr. Marcus Weidner, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Veranstaltungsort
LWL-Landeshaus, Freiherr-vom-Stein-Platz 1
Ort
Münster
Land
Deutschland
Vom - Bis
21.04.2016 - 22.04.2016
Deadline
04.04.2016
Von
Kathrin Nolte

Erinnerung, Ehrung, Politik beschreiben einen Spannungsbogen, der viele Auseinandersetzungen um Gedenkstätten, Denkmäler, Erinnerungsplätze und Namensgeber von Preisen, Gebäuden oder Straßen kennzeichnet. Diese „Erinnerungsmedien“ verweisen auf die Zeit ihrer Einrichtung und auf die Erinnerungsziele der Gruppen und Institutionen, die eine solche Gedenkstätte, ein Denkmal oder eine Benennung durchsetzen. Zugleich dominieren sie das offizielle Gedächtnis einer Stadt oder einer Organisation. Änderungen und Zusätze, die durch Umwidmungen oder Neuausrichtungen hervorgerufen werden, greifen in dieses offizielle Gedächtnis ein und spiegeln die aktuelle Vergangenheitspolitik wider. Sowohl an der bisherigen Ausgestaltung von Erinnerung als auch an der Neuausrichtung entzünden sich häufig vehemente Konflikte innerhalb der Stadtgesellschaft oder zwischen beteiligten Gruppen.

Die Tagung beschäftigt sich in drei Sektionen mit Beispielen von lokalen und regionalen Vorgängen in Westfalen und im Vergleich mit anderen Städten und Regionen seit 1945. Im Zentrum stehen zunächst Diskussionen um die Gestaltung von Denkmälern und von Gedenkorten. Anschließend werden Auseinandersetzungen um einzelne Personen untersucht, die mit Ehrenbürgerschaften, Skulpturen, Erinnerungstafeln oder Stolpersteinen und als Namensgeber von Preisen und öffentlichen Einrichtungen geehrt wurden oder deren vorliegende Ehrungen aberkannt werden sollen. Schließlich werden die Konflikte um die beabsichtigten und durchgeführten Straßenumbenennungen der jüngsten Zeit am Beispiel von drei Städten behandelt, in denen die Straßennamen einer umfangreichen Überprüfung unterzogen wurden. Dort werden neben den beteiligten Akteuren, Abläufen und Ergebnissen insbesondere die Rolle und der Einfluss der externen, häufig geschichtswissenschaftlichen Beratung thematisiert.

Programm

Donnerstag, 21. April 2016

9:00 Uhr Anreise und Begrüßungskaffee
9:30Uhr Einführung in die Tagung
Matthias Frese / Marcus Weidner

9:45-13:15 Uhr 1. Sektion: Denkmäler und Gedenkorte

Kirsten John-Stucke, Paderborn - Einleitung und Moderation -
Auseinandersetzungen um Denkmäler und Gedenkorte in Westfalen (1945 bis heute)

Christoph Laue, Herford
Vom Täter-, zum Gedenk- und Lernort: der Zellentrakt im Herforder Rathaus

Jens Hahnwald, Arnsberg
Verborgener Ort und unterdrückter Diskurs: Gedenken an Kriegsendverbrechen im Arnsberger Wald

11:15-11:45 Uhr Kaffeepause

Jörg Militzer, Bünde
Denkmallandschaft Porta Westfalica - zwischen Kaiser, Kriegsrüstung und KZ

Stephan Scholz, Oldenburg
Gesten der Anerkennung oder Instrumente der Geschichtspolitik? Vertriebenendenkmäler in Westfalen

Diskussion

13:15-14:15 Uhr Mittagsimbiss im LWL-Landeshaus

14:15-17:30 Uhr 2. Sektion: Personen in der öffentlichen Ehrung

Petra Spona, Hannover - Einleitung und Moderation -
Ehrungen von Personen und kommunale Repräsentation. Schulnamen, Preise, Ehrenbürger

Marcel Oeben, Lemgo
Was tun mit unliebsamen Ehrungen? Das Beispiel Bürgermeister Gräfer in Lemgo

Christoph Spieker, Münster
Paul Wulf und die späte Resonanz eines Außenseiters

16:00-16:30 Uhr Kaffeepause

Franz-Werner Kersting, Münster
Der Psychiater Hermann Simon im erinnerungskulturellen Kontext

Terry Swartzberg, München
Kampf um Stolpersteine?

Diskussion

19:00-20:30 Uhr Öffentlicher Abendvortrag

Wolfram P. Kastner, München
„(un)sichtbare Geschichte.“ Oder: damit kein Gras über die Geschichte wächst…

Freitag, 22. April 2016

9:00-12:15 Uhr 3. Sektion: Revision der Straßennamen

Saskia Handro, Münster - Einleitung und Moderation -
Historisches Identitäts-Management. Thesen zur geschichtskulturellen Funktion von Straßennamensdebatten

Alfons Kenkmann, Münster/Leipzig
„Anstößige Krieger“ unter dem „Diktat des Zeitgeistes“? Widmungsgetümmel in Münster

Dietmar von Reeken, Oldenburg
Heyl, Hinrichs, Hindenburg. Oldenburger Konflikte um Straßennamen zwischen Vergangenheitsdeutung, Wissenschaft und Politik

10:30-11:00 Uhr Kaffeepause

Florian Wenninger, Wien
Kommunalpolitische Handlungsspielräume im Umgang mit belasteten Straßennamen. Erfahrungen aus Österreich Gemeinden

Round-Table-Gespräch und Diskussion

12:15 Uhr Verabschiedung und anschließender Mittagsimbiss

Kontakt

Matthias Frese

Karlstraße 33, 48147 Münster

0251 591-5692

matthias.frese@lwl.org

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WIR/
Redaktion
Veröffentlicht am
26.02.2016
Beiträger
Klassifikation
Epoche(n)
Region(en)
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Sprache Veranstaltung
Sprache Beitrag