Diversität im Militär: Multikulturelle Streitkräfte von der Antike bis Gegenwart

Diversität im Militär: Multikulturelle Streitkräfte von der Antike bis Gegenwart

Veranstalter
Dr. Tamara Scheer, Prof. Dr. Sönke Neitzel, Prof. em. Dr. Stig Förster; Arbeitskreis Militärgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Historische Sozialwissenschaft, Universität Wien, dem Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam und dem Lehrstuhl für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt der Universität Potsdam
Ort
Potsdam
Land
Deutschland
Vom - Bis
17.11.2016 - 19.11.2016
Deadline
01.11.2016
Von
Wencke Meteling

Die Streitkräfte eines Staates sind stets ein Abbild der Bevölkerung. Häufig aber reichte die Rekrutierungsbasis im eigenen Staat nicht aus, weshalb immer wieder auf „fremde“ Truppen zurückgegriffen wurde. So entstanden im Laufe der Geschichte multikulturelle Streitkräfte aller Art. Die damit verbundene Diversität konnte sich unterschiedlich äußern. Sie umfasste verschiedene Sprachen, Religionsbekenntnisse, soziale Herkunft und politische Ideologien, sowie Frauen und Männer. Die militärischen Führungen standen damit vor erheblichen Integrationsproblemen. Wie konnten sprachliche Verständigungsprobleme, religiöse Praktiken, unterschiedliche politische und ideologische Einstellungen, verschiedenartige militärische Traditionen und Fähigkeiten, sowie divergierende Interessen zu einer schlagkräftigen Truppe zusammengefügt werden? Wie konnte unter diesen Umständen gemeinsames und zielgerichtetes Handeln erreicht werden? Derartige Probleme stellten sich schon in der Antike, etwa in Makedonien oder im Römischen Reich. Sie waren besonders prägnant an der kolonialen Peripherie. Sie stellten ein Dauerthema in multinationalen Staaten und Reichen dar. Selbst sogenannte Nationalstaaten kannten das Problem. Auch in der Gegenwart müssen sich viele Streitkräfte mit dem Phänomen der Diversität auseinandersetzen. Es handelt sich also um einen wesentlichen Aspekt der Militärgeschichte, den wir vergleichend, epochenübergreifend und in geographischer Breite diskutieren wollen.

Die formlose Anmeldung zur Tagung ist verpflichtend. Anmeldeschluss ist der 1. November 2016. Für TeilnehmerInnen, die nicht Mitglied im AKM sind, wird eine Tagungspauschale von 10 € erhoben, die vor Ort bar zu entrichten ist.

Programm

Donnerstag, 17. November

13:30-13:40 Eröffnung

13:40-14:10 Einführung: Diversität im Militär. Zwischen praktikablem Nutzen und zu überbrückender Herausforderung (Dr. Tamara Scheer, Wien)

Sektion I: Vom militärischen Nutzen der Diversität
Chair: Prof. Dr. Christoph Rass, Osnabrück

14:30-14:50 Diversität in den Flotten Philipps V. von Makedonien
(Dr. Michael Kleu, Köln)

14:50-15:10 Diversität und Integration in der römischen Armee
(Dr. Christoph Ebner, Wien)

15:10-15:30 Mercenaries of Various Ethnic Origins in the Byzantine Army during the 11th Century. A Source of Strength or Weakness? (Dr. Marek Mesko, Brünn)

15:30-15:50 Multiethnizität und Dschihadismus in Westafrika
(Dr. Stefanie Zehnle, Kassel)

15:50-16:20 Pause

16:20-17:05 Diskussion

Sektion II: Multiethnische Imperien. Das Osmanische Reich als Beispiel
Chair: Prof. em. Dr. Stig Förster, Bern

17:05-17:25 Diversität versus Integration. Die Osmanischen Streitkräfte vom 15. bis zum 18. Jahrhundert (Dr. Thomas Scheben, Frankfurt)

17:25-17:45 Inklusion und Exklusion in der Osmanischen Armee im 19. Jahrhundert (Dr. Elke Hartmann, München)

17:45-18:05 The Non-Muslim Soldiers and Officers in the Ottoman Army, 1914-1918 (Prof. Ayhan Aktar; Istanbul)

18:05-18:50 Diskussion

(Ab 20:00 Vorstandssitzung des AKM)

Freitag, 18. November

Sektion III: Diversität in den Streitkräften europäischer Staaten
Chair: Prof. Dr. Sönke Neitzel, Potsdam

10:00-10:20 Das niederländische Militär im Spannungsfeld von Ausländern und Andersgläubigen. War das Militär besonders aufnahmefähig für Migranten im Zeitalter der Republik? (Benjamin van der Linde, Innsbruck)

10:20-10:40 National and Ethnic Composition of the Habsburg Officer Corps and Military Migration, 1740-1790 (Tobias Roeder, Cambridge)

10:40-11:10 Pause

11:10-11:30 Fundament und Abbild eines voluntaristischen Staates. Die preußische Armee und ihre nichtdeutschen Anteile, 1740-1919 (Dr. Jens Boysen, Warschau)

11:30-11:50 Die Waffen-SS und die Rekrutierung von „Freiwilligen“ auf dem Balkan (Dr. Franziska Zaugg, Bern)

11:50-12:35 Diskussion

12:35-15:00 Mittagspause

Sektion IV: Militärische Diversität an der imperialen Peripherie
Chair: PD Dr. Nina Leonhard, Potsdam

15:00-15:20 Deutsche Soldaten im Dienst der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande. Zur Erfahrung, Wahrnehmung und Deutung von Gewalt und Alterität im 17. und 18. Jahrhundert (Prof. Dr. Matthias Asche, Tübingen/Potsdam, Marco Kollenberg, Potsdam)

15:20-15:40 Black Jacobins? Die republikanische Revolutionsarmee in den Kleinen Antillen, 1794-1802 (Flavio Eichmann, Bern)

15:40-16:10 Pause

16:10-16:30 Soziale und politische Dimensionen des Einsatzes indigener Hilfstruppen in imperialen Armeen (Yves Schmitz, Marburg)

16:30-16:50 Afrikanische Soldaten in der portugiesischen Armee, 1960-1975 (Nils Schliehe, Hamburg)

16:50-17:35 Diskussion

19:00 Verleihung des Wilhelm-Deist-Preises und Mitgliederversammlung des AKM

Samstag, 19. November

Sektion V: Streitkräfte und kulturelle Integration
Chair: Dr. Tamara Scheer, Wien

10:00-10:20 Kulturelle Diversität in den Heeren der Staufer (Sebastian Schaarschmidt, Chemnitz)

10:20-10:40 Solddienst als Asyl. Die Rekrutierung politischer Flüchtlinge in Söldnertruppen des 20. Jahrhunderts (Prof. Dr. Christian Koller, Zürich)

10:40-11:10 Pause

11:10-11:30 Von „welschen Truppen“ und „Secondo-Soldaten“: Multikulturalität im Schweizer Militär (Dr. Michael Olsansky, Zürich)

11:30-11:50 Zum Umgang mit religiös-kulturellen Differenzerfahrungen in der Bundeswehr. Ein religionspädagogischer Blick aus evangelischer Perspektive (Dr. Sylvia E. Kleeberg-Hörnlein, Jena)

11:50-12:35 Diskussion

13:00 Ende der Tagung

Kontakt

Oliver Krause

Universität Potsdam, Historisches Institut
Am Neuen Palais 10, 144469 Potsdam
(49)–0331/977 4914

okrause@uni-potsdam.de