Die drei Leben eines Historikers: Robert Vipper (1859-1954) in der russischen, lettischen und sowjetischen Geschichtsschreibung

Die drei Leben eines Historikers: Robert Vipper (1859-1954) in der russischen, lettischen und sowjetischen Geschichtsschreibung

Veranstalter
Universität Lettlands, Riga; Johannes Gutenberg-Universität, Mainz; Deutsches Historisches Institut, Moskau
Ort
Riga
Land
Latvia
Vom - Bis
23.03.2018 - 24.03.2018
Deadline
22.03.2018
Von
Jan Kusber, Maike Sach, Ilgvars Misans

Der russische Historiker Robert Vipper ist heute vor allem im östlichen Europa bekannt, im westlichen Europa und in den USA ist er allenfalls Spezialisten ein Begriff und dies insbesondere durch seine Biographie über Ivan IV.: Diese Arbeit bot insbesondere nach ihrer Überarbeitung in der Stalinzeit Anknüpfungspunkte für den Personenkult, auch der berühmte Regisseur Sergej Eisenstein nutzte Vippers Werk für seine filmische Adaption des Stoffes. Dabei gerät aus dem Blick, dass es sich bei Vipper um einen überaus interessanten Historiker mit einem umfangreichen und thematisch vielgestaltigen Werk handelt. Überdies lebte er in Zeiten großer historischer Umbrüche, die tiefe Spuren in den Biographien der Zeitgenossen hinterließen. Ein Widerhall davon findet sich in der kurzen biographischen Skizze, die Hugh F. Graham unter dem Titel „A Russian Historian in Three Worlds“ verfasst hat.

Graham stellt Vipper knapp als russischen Historiker und Hochschullehrer für Universalgeschichte, mit besonderem Interesse für Kirchengeschichte, Alter Geschichte und Methodologie vor, der sich mit neuen Verhältnissen in der jungen Sowjetunion nicht arrangieren konnte, im fortgeschrittenen Alter in die junge bürgerliche Republik Lettland emigrierte und dort an der neugegründeten Hochschule ein neues Wirkungs- und Themenfeld in Gestalt der lettischen Geschichte fand. Die Rückkehr Vippers in die Sowjetunion nach der Annexion der baltischen Staaten, die ihm im hohen Alter noch die ehrenvolle Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften einbrachte, wird ebenfalls kurz gestreift. Graham ist damit einer der wenigen, die Vippers Leben und Werk zumindest in Form einer knappen Skizze als Einheit in den Blick nimmt. Andere Arbeiten widmen sich allenfalls bestimmten Ab- bzw. Ausschnitten.

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen der geplanten Tagung versucht, zunächst einmal eine Zusammenschau des Lebens und Werks Vippers in einzelnen Vorträgen zu bieten, die seinen spezifischen Beitrag und seine Bedeutung für unterschiedliche wissenschaftliche Milieus und Themenfelder und damit auch für einzelne Phasen seines Lebens herausarbeitet.

Als Konferenzsprachen sind Deutsch und Russisch vorgesehen. Es ist keine Simultanübersetzung der Vorträge geplant, es werden allerdings von jedem Referat Kurzfassungen in der jeweils anderen Sprache vorliegen.

Programm

23. März

9.30-10.00 Eröffnung und Begrüßungen

10.00-11.30 Erste Sektion
Jan Kusber (Mainz): Ein Historiker des 20. Jahrhunderts und seine Zeit: Der Fall von Robert Vipper
Антонина В. Шарова (Москва): „Присоединенный историк“: феномен Р.Ю. Виппера

12.00-13.30 Zweite Sektion
Detlef Henning (Lüneburg): Robert Vipper und die lettische Geschichtswissenschaft in der Zwischenkriegszeit
Maike Sach (Mainz/Emden): Die Geschichte des lettischen Volkes als integraler Bestandteil europäischer Geschichte: R. Ju. Vippers Rigaer Vorlesungen über mittelalterliche Geschichte im Baltikum

15.00-17.00 Besuch der Handschriften-Abteilung der Akademischen Bibliothek Lettlands (Misiņa-Bibliothek), Rūpniecības Str. 10
Aija Taimiņa, die Leiterin der Handschriftenabteilung, zeigt ausgesuchte handschriftliche Quellen zur Tätigkeit von Robert Vipper als Hochschullehrer und Geschichtsforscher in Riga

24. März
9.30-11.00 Dritte Sektion
Gvido Straube (Riga): Robert Vipper als Agrarhistoriker Lettlands
Valda Kļava (Riga): Die Konzeption der Frühen Neuzeit von Robert Vipper: Geschichte in drei Bänden auf Lettisch

11.30-13.00 Vierte Sektion
Ilgvars Misāns (Riga): „Die großen Probleme der Geschichte“: Robert Vipper als Geschichtstheoretiker Lettlands
Наталья С. Алмазова (Москва): „Русский Эдуард Мейер“? Единая концепция истории древности в трудах Р.Ю. Виппера

14.30-16.00 Fünfte Sektion
Дмитрий Д. Володихин (Москва): Сравнение Р.Ю. Виппером трех правителей XV-XVI вв.: Ивана III, Ивана IV и Стефана Батория
Александр В. Гордон (Москва): Р.Ю. Виппер и Е.В. Тарле: нео-имперские модели в советской историографии предвоенного и военного времени

16.30-18.00 Sechste Sektion
Svetlana Bogojavlenska (Mainz): Geschichte als identitätsbildende Komponente in russischen Schulen: Beitrag R. Ju. Vippers zur Diskussion über Narrative der Geschichte Russlands in den Schulbüchern in Lettland der Zwischenkriegszeit
Светлана Н. Ковальчук (Рига): 17 лет в Латвии: итоги научной деятельности отца и сына Роберта и Бориса Випперов

Kontakt

Jan Kusber

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Historisches Seminar

kusber@uni-mainz.de


Redaktion
Veröffentlicht am
18.03.2018
Beiträger
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