Klio & Hermes: Post - Geschichte - Kommunikation 2018

Klio & Hermes: Post - Geschichte - Kommunikation 2018

Veranstalter
Prof.Dr. Reinhard Krüger; in Zusammenarbeit mit Museum für Kommunikation (Berlin), Bund Deutscher Philatelisten e.V.
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.11.2018 - 18.11.2018
Deadline
31.10.2018
Von
Prof.Dr. Reinhard Krüger

1. Keine Kategorie von Artefakten, die von menschlichen Gesellschaften erzeugt und verwendet wurden, kann von der historischen Betrachtung ausgeschlossen werden. War es alte historiographische Tradition, nur schriftliche Artefakte zu analysieren, so hat sich dies im Zuge der Herausbildung der histoire des mentalités massiv verändert:
Alle Spuren menschlicher Aktivität, die sich aufgrund ihres repetitiven Charakters als Indikatoren für die Herausbildung bestimmter kultureller Praktiken erwiesen haben, können Gegenstand historiographischer Forschung werden und gestatten die Entwicklung von Aussagen darüber, wie Menschen ihre Lebensverhältnisse unter bestimmten Bedingungen dachten, mit welchen Modellen sie ihr Leben organisiert haben und welches schließlich die sichtbar verbliebenen Spuren ihrer sozialen Interaktionen geworden sind.

2. Keine Lebensform kann ohne den Austausch mit der natürlichen wie mit der sozialen Umwelt existieren. Dabei wurden die verschiedensten, teilweise hochkomplexen Systeme der Kommunikation entwickelt, eine Leistung, die nicht nur auf die Säugetiere und unter ihnen auf die Primaten beschränkt ist. Allerdings ist, nach all dem, was wir bisher erkennen können und uns die Primatologie an Erkenntnissen gebracht hat, die menschliche Gesellschaft jene, die unter den Primaten wahrscheinlich die komplexesten Systeme der Kommunikation entwickelt hat. Zu diesen gehört auch die Herausbildung von frühen Systemen der Fernkommunikation. Zu ihren ersten Erscheinungen gehören neben der Markierung der Landschaft für nachfolgende nomadisierende Gruppen, nach der Seßhaftwerdung im Zuge der neolithischen Revolution der Transport von mündlichen oder schriftlichen bzw. schriftförmigen Nachrichten zu anderen Individuen der Populationen über größere Distanzen hinweg.

3. Dies ist die kulturanthropologische Grundlage der Entwicklung postalischer Kommunikationssysteme, deren Erforschung immer noch viel zu wenig Gegenstand der Geschichtsschreibung geworden ist.
Im Sinne einer historischen Reflektion über die Medien der Alltagskultur in der Geschichte könnten also Postwertzeichen, Ganzsachen, Poststempel, Klebezettel, Briefe, verschiedene Techniken der postalischen Kommunikation, die Entwicklung postalischer Verkehrswege, Telegraphie, Schiffspost, Bahnpost, Kraftpost, Luftpost und vieles andere mehr der Gegenstand historischer Studien werden, die uns vor allen Dingen zeigen, welche technischen Möglichkeiten und Artefakte menschliche Gesellschaften in der Geschichte erfunden haben, um unter den konkreten historischen Bedingungen, unter denen sie gelebt haben, ihren Austausch zu bewerkstelligen.
Da es sich bei Prozessen der Kommunikation grundsätzlich um sinnfällige Ereignisse handelt, spielt die Ästhetik der Kommunikation, ihrer Technologien und Artefakte eine nicht zu unterschätzende Rolle.

4. Auf der anderen Seite liegen in Form der Forschungsleistungen der Philatelie, die sich um die Geschichte der postalischen Verfahren sowie der Interdependenz der Entwicklung postalischer Kommunikation mit den allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnissen bemüht hat, wichtige Arbeiten vor, die einen Beitrag zu einer Vertiefung der Studien zur Geschichte der Kommunikation liefern können.
Dem Bedürfnis folgend, die Postgeschichte als einen Gegenstandsbereich historiographischer Forschung zu erschließen, ist es das Ziel des Kolloquiums „Post – Geschichte – Kommunikation“, auf der Basis der Betrachtung postgeschichtlicher Quellen zu theoretisch und methodisch begründeten Aussagen über den Beitrag der Postgeschichte zu einer komplexen Erfassung der Kommunikationsgeschichte des Menschen zu gelangen.

Programm

Programm Stand 30.8.2018

Das Programm der Konferenz „Klio & Hermes: Post – Geschichte – Kommunikation“, die von Prof. Dr. Reinhard Krüger organisiert worden ist, ist nach dessen unerwarteten Tod im Juni 2018 noch einmal gekürzt und gestrafft worden. Die weitere Organisation und Vorbereitung haben Reinhard Küchler (Bonn) und René Smolarski (Erfurt) übernommen.

Freitag, 16.11.2018
(Moderation: Franz-Josef Pütz, Berlin)
Ab 12:00: Registration
12:30–14:00: Begrüßung Eröffnungsvortrag
12:30–13:00: Begrüßung
13:00–14:00: Keynote: Björn Onken (Essen): Briefmarken als Objektivationen der Geschichtskultur am Beispiel der frühen Bundesrepublik (anfragen)
14:00–14:30 Kaffeepause
14:30–16:30: Session 1: Methodische/Theoretische Vorüberlegungen
14:30–15:00: Joachim Helbig (Aschheim): Neue Methoden postgeschichtlicher Forschung
15:00–15:30: Silke Vetter-Schultheiss (Darmstadt): Walter Benjamins Philatelie als ästhetische Praxis
15:30–16:30: Wolfgang Elsner (Tervuren) / Jan Heijs (Amsterdam): Was ist Postkrieg? Historische Studien und methodische Probleme

Samstag, 17.11.2018
(Moderation: Vormittag: Silke Vetter-Schultheiß, Darmstadt; Nachmittag: Reinhard Küchler, BDPh)
10:00–11:30: Session 2: Kalter Krieg
10:00–10:30: Jasper Trautsch (Regensburg): Die Erfindung des Westens: Welt- und Europakarten auf westeuropäischen Briefmarken im frühen Kalten Krieg
10:30–11:00: Sebastian Liebold (Chemnitz): Dialektischer Symbolismus Nationalismus und proletarischer Internationalismus auf Marken der DDR
11:00–11:30: Anita Krätzner-Ebert (Berlin): Denunziatorische Briefe in der DDR Form, Intention, Kommunikationsstrategien
11:30–12:30: Mittagspause
12:30–14:30: Session 3: Deutsche Geschichte
12:30–13:00: Konstanze Soch (Berlin): Der innerdeutsche Geschenkpaketverkehr als deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte
13:00–13:30: René Smolarski (Erfurt): Der Holocaust im Spiegel der Briefmarken
13:30–14:00: Thomas Richter (Aachen): Interpretationen der Reformation auf deutschen Postwertzeichen
14:00–14:30: Andreas Hahn (Bonn): Nationale Symbole: Germania und ihre Schwestern
14:30–15:00: Kaffeepause
15:00–16:30: Session 4: Internationale Postgeschichte
15:00–15:30: Maksim Victor Fomenko (Moskau): Die sowjetische Feldpost im Großen vaterländischen Krieg
15:30–16:00: Franz-Josef Pütz (Berlin): Afghanistan und die Weltpostunion: Zur Entwicklung der globalen Kommunikation
16:00–16:30: Tilman Frasch (Manchester): Gruß aus der Ferne: Empire, Tourismus und Bildpostkarte, ca. 1890-1930

Sonntag, 18.11.2018
(Moderation: René Smolarski, Erfurt)
10:00–11:30: Session 5: Zentraleuropäische Postgeschichte
10:00–10:30: Martina Hacke (Düsseldorf): Die Boten der Nationen der Universität von Paris und die Entstehung der französischen königlichen Post
10:30–11:00: Hans-Joachim Büll (Berlin): Napoleons „petit chapeau“ von Waterloo – Herrschaft der 100 Tage, Postgeschichte und Historiographie im Kontext
11:00–11:30: Michael Fukarek (Bernau): Interdependenz von urbaner, administrativer und kommunikationstechnologischer Entwicklung am Beispiel des Großraums Wien, insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
11:30–12:00: Mittagspause
12:30–14:00: Session 6: Verschiedenes
12:30–13:00: Stefan Geissler (Zürich): Die Lloyd’s List: Risikominimierung im globalen Seehandel durch postalische Kommunikation
13:00–13:30: Tilmann Walter (Würzburg): Ärztebriefe der Frühen Neuzeit
13:30–14:00: Amelie Dreecke (Berlin): Der Adel und die Ansichtskarte – Motivik im Dienste der Herrscher
14:00–14:30: Kaffeepause
14:30–16:00: Session 7: Ersatzsession (kann u.U. entfallen)
14:30–15:00: Christoph Borbach (Siegen): Uneinsichtige Röhren. Der Ursprung der aktiven Ortungstechnik als Praxis der Post
15:00–15:30: Oliver Benjamin Hemmerle (Grenoble): „Spionagemarken“: Spielerei, Geschäftemacherei, Propagandainstrument und/oder historische Quellen?
15:30–16:00: Jürgen Warmbrunn (Marburg): Die Briefmarken der baltischen Staaten der Zwischenkriegszeit: Zeugnisse nationaler Eigenheit oder baltischer Gemeinsamkeit?
16:00-16:30: Abschlussrunde

Kontakt

Prof.Dr. Reinhard Krüger

prof.dr.krueger.postgeschicht@aol.de