Macht. Wissen. Wettbewerb. Deutsche und europäische Wissenschaftspolitik im Technology Race

Macht. Wissen. Wettbewerb. Deutsche und europäische Wissenschaftspolitik im Technology Race

Veranstalter
Prof. Dr. Helmuth Trischler, Deutsches Museum/LMU München; Prof. Dr. Andreas Wirsching, Institut für Zeitgeschichte/LMU München; Dr. Annemone Christians, LMU München; Vanessa Osganian, M.A., Deutsches Museum
Ort
München
Land
Deutschland
Vom - Bis
23.05.2019 - 24.05.2019
Deadline
15.01.2019
Von
Christians, Annemone

Konkurrenz gilt nahezu unhinterfragt als treibende Kraft des Wissenschaftssystems. Drittmittel, Publikationen in einschlägigen Zeitschriften oder Spitzenplätze in Rankings – um diese und andere Prämien konkurrieren WissenschaftlerInnen und wissenschaftliche Einrichtungen. Entsprechend wird der Wissenschaftsbetrieb oft als Wettkampf aller gegen alle beschrieben. Übersehen wird dabei häufig, dass sich ForscherInnen auf vielfältige Weise kooperativer Strukturen bedienen.
Dieses Wechselverhältnis von Kooperation und Konkurrenz richtet sich nach spezifischen Regeln, die – zumal in Europa – seit den 1960er Jahren von politischen Akteuren mitgestaltet und verändert werden. So durchlief das deutsche und europäische Wissenschaftssystem in diesen Dekaden eine Phase des Umbruchs. Die treibende Kraft hierfür war nicht zuletzt die Krisenwahrnehmung europäischer Akteure, im globalen Technology Race gegenüber der amerikanischen und japanischen Konkurrenz aussichtslos zurückzufallen. Mit gezielten Programmen zur Forschungsförderung sollten dezidiert kooperative, d. h. länder- und institutionenübergreifende Strukturen geschaffen werden. Daraus resultierte ein gewaltiger Anstieg der Forschungsaufwendungen in Europa, und besonders die Europäische Kommission förderte zunehmend supra- und transnationale Kooperationen. Eine wachsende Anzahl von Akteuren konkurrierte nun um Fördergelder; allerdings unter den Bedingungen einer system- und programmimmanent geforderten Kooperation.
In dieser Entwicklung nahmen wirtschaftliche Interessen von Anfang an eine zentrale Rolle ein: So war „der Markt“ ein entscheidender Bezugsrahmen und Adressat der Wissenschaftspolitik und Forschungsförderung. In der wissenschaftssoziologischen Forschung ist die enge Verflechtung von Wissenschaft, Politik und Ökonomie bereits betont worden, die Bedingungen der wechselseitigen Einfluss- und Durchdringungsprozesse jedoch harren noch der Historisierung.
Der Workshop thematisiert das europäische bzw. bundesdeutsche Wissenschafts- und Innovationssystem seit den 1970er Jahren und geht den verschiedenen Modi der Verflechtung von Kooperation und Konkurrenz nach.

Auf systematischer Ebene interessieren uns vor allem folgende Aspekte:
1. Regeln: Durch den Einfluss welcher Faktoren wurden kooperative bzw. kompetitive Konfigurationen stabilisiert oder auch destabilisiert? Welche (wissenschaftspolitischen) Mechanismen lagen diesen Situationen zugrunde?
2. Akteure: Wer waren (und sind) die politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte der skizzierten Verflechtung und welche spezifischen Interessen verfolgten sie in ihren Kooperationsbemühungen bzw. im Wettbewerb?
3. Transnationale Netzwerke: Wie wirkte sich die Globalisierung technologischer Märkte auf die europäische und die bundesdeutsche Wissenschaftspolitik aus? Welche Rolle spielte sie für die Herausbildung kooperativer Strukturen in der Forschung und industriellen Entwicklung?

4. Ökonomisierung: Welche Folgen hatten ökonomische Orientierungen und Gewinnstreben für die Produktion wissenschaftlichen Wissens und technologischer Innovation? Welchen Einfluss nahmen wirtschaftliche Lobbyorganisationen auf wissenschaftspolitische Entscheidungen?
5. Governance: Nach welchen Steuerungskonzepten funktionierten die neuen Forschungsstrukturen? (Wie) Lassen sich politikwissenschaftliche Konzepte, wie beispielsweise das Governance-Konzept, für die zeithistorische Analyse fruchtbar machen?

Dieser Call for Papers richtet sich an ForscherInnen aller Qualifizierungsstufen, deren Arbeit sich in (zeit-)historischer, soziologischer oder politikwissenschaftlicher Perspektive mit Wissenschaftspolitik, technologischem Wettbewerb, (trans-)nationalen Forschungsstrukturen und der Ökonomisierung von Wissenschaft beschäftigt.

Der Workshop wird organisiert von der DFG-Forschungsgruppe „Kooperation und Konkurrenz in den Wissenschaften“. Die Gruppe ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund von Wissenschafts- und ZeithistorikerInnen der LMU München, des Deutschen Museums, des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin sowie der Ruhr-Universität Bochum.

Bitte senden Sie Ihr Abstract von ca. 300 Wörtern (ca. 1/2 Seite) sowie einen kurzen CV bis zum 15.01.2019 an christians@lmu.de und v.osganian@deutsches-museum.de.

Programm

Kontakt

Annemone Christians

Historisches Seminar der LMU, Abteilung Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
089 2180 - 5574

christians@lmu.de

https://www.kooperation-und-konkurrenz.geschichte.uni-muenchen.de/index.html