Spuren des Sklavenhandels im Heiligen Römischen Reich und seinen Nachfolgestaaten: Diskurse, Praktiken und Objekte, 1500-1850

Spuren des Sklavenhandels im Heiligen Römischen Reich und seinen Nachfolgestaaten: Diskurse, Praktiken und Objekte, 1500-1850

Veranstalter
Prof. Rebekka v. Mallinckrodt / Dr. Josef Köstlbauer / Dr. Sarah Lentz, Universität Bremen
Veranstaltungsort
Haus der Wissenschaft, Sandstr. 4/5, 28195 Bremen
Ort
Bremen
Land
Deutschland
Vom - Bis
30.11.2018 - 02.12.2018
Deadline
20.11.2018
Von
Rebekka von Mallinckrodt

Forschungen der letzten Jahre haben zunehmend die ökonomische und personelle Verstrickung deutscher Akteure und Akteurinnen in den frühneuzeitlichen Sklavenhandel aufgezeigt. Kaufleute, Reeder, Seeleute und Ärzte aus dem Heiligen Römischen Reich und seinen Nachfolgestaaten besorgten den Kauf und Transport versklavter Menschen in den Kolonialzonen anderer Mächte. Textil- , Metall- und Glasindustrie produzierten Waren für den Menschenhandel. Gleichzeitig setzten aristokratische Hofhaltungen im Reich sogenannte „Hofmohren“ als Dienstboten und zur repräsentativen Inszenierung ein. Die finanziellen, materiellen und menschlichen Auswirkungen des Sklavenhandels reichten somit aus den Zonen kolonialer Herrschaft tief hinein in die Territorien des Reichs (vgl. z. B. Weber 2009, Kuhlmann-Smirnov 2013, Rosenhaft/ Brahm 2016).

In Fortsetzung und Weiterentwicklung dieser Forschungen fragt die geplante Konferenz nach den Diskursen, Praktiken und materiellen Objekten, die von Sklaverei und Sklavenhandel im Alten Reich zeugen. Dies betrifft die Verschleppung von Menschen, die von ihren BesitzerInnen auch noch im Reich teils als SklavInnen angesehen und explizit so bezeichnet wurden (Mallinckrodt 2016 und 2017). Es betrifft aber auch die diskursive Auseinandersetzung mit Sklaverei und Sklavenhandel, die aus den oben genannten Gründen nicht nur in ihrer Funktion als Stellvertreterdiskurs, d.h. als Kritik an anderen Formen der Unfreiheit zu sehen ist (Lentz 2016). Und drittens geht es um jene materiellen Güter, die für SklavInnen getauscht wurden bzw. aus Sklavenarbeit hervorgingen. Bezüglich dieser drei Forschungsfelder ist ein wesentliches Ziel der Tagung, die bislang größtenteils lokalen Studien stärker zu bündeln und den systematischen Charakter der Verstrickung des HRRDN in das atlantische, aber auch andere Sklavereisysteme deutlich zu machen. Durch den Fokus auf Sklaverei und Sklavenhandel soll der Blick außerdem bewusst nicht auf mögliche repräsentative Zwecke (und damit die Perspektive der EigentümerInnen) gerichtet werden, sondern auf den Weg von verschleppten Menschen ins Reich bzw. die ökonomische Seite des Menschenhandels und – wann immer quellenmäßig fassbar – auf die Erfahrungen der Betroffenen selber.

Die Tagung wird im Rahmen des ERC Projekts „The Holy Roman Empire of the German Nation and its Slaves“ (grant agreement n° 641110) organisiert und finanziert.
https://www.frueheneuzeit.uni-bremen.de/index.php/de/forschung/german-slavery

Gäste sind herzlich willkommen!
Anmeldung erbeten unter german-slavery@uni-bremen.de bis 20.11.2018.

Programm

Freitag, 30.11.2018

14:30
Ankunft

15:00
Begrüßung (Josef Köstlbauer/ Sarah Lentz/ Rebekka v. Mallinckrodt)

15:30-16:15
keynote lecture Klaus Weber (Frankfurt/ O.): Es kommt darauf an, welche Fragen man stellt: Die atlantischen Plantagenökonomien und das Alte Reich

16:15-16:30
Pause

16:30-18:00
Sektion I: Das Sagbare und das Unsagbare – Diskurse, Chair & Kommentar: Heike Raphael-Hernandez (Würzburg)

16:30-17:15
Craig Koslofsky (Illinois): Scholars, Slaves, and Epidermalization in the Holy Roman Empire, 1600-1750

17:15-18:00
Mark Häberlein (Bamberg): Afrikaner, Sklavenhandel und Sklaverei in Gottlieb Tobias Wilhelms ‚Unterhaltungen über den Menschen’ (1804)

Samstag, 01.12.2018

09:30-12:15
Sektion II: Versklavungspraktiken & Protestpraktiken Chair & Kommentar: Eve Rosenhaft (Liverpool)

09:30-10:15
Arne Spohr (Bowling Green): Violence against Black Bodies in Early Modern Germany: The Case of Black Trumpeter Christian Real (ca. 1643-after 1674)

10:15-11:00
Walter Sauer (Wien): Vom Sklavenkauf zur Kinderredemption. Aristokratische und bürgerliche Rekrutierungspraktiken exotischen Personals im habsburgischen Österreich im Vergleich

11:00-11:30
Kaffeepause

11:30-12:15
Sarah Lentz (Bremen): „Kein Hamburger, kein deutsches Schiff treibt Sklavenhandel.“ Die öffentliche Kontroverse um die Aufbringung deutscher Schiffe unter dem Vorwurf des Sklavenhandels in den 1840er Jahren

12:30-14:00
Mittagspause

14:00-16:45
Sektion III: Schreiben als Praxis – die Herrnhuter, Chair & Kommentar: Gisela Mettele (Jena)

14:00-14:45
Josef Köstlbauer (Bremen): Geschwister, SklavInnen, RepräsentationsarbeiterInnen: Gesagtes und Ungesagtes in Herrnhuter Quellen des 18. Jahrhunderts

14:45-15:30
Jessica Cronshagen (Oldenburg): „Hier brauchen wir
keine Sklaven, sondern man hat Ochsen und Pferde ...“ - Briefe aus Schulen der Herrnhuter Brüdergemeine an die Kinder der Sklavenmission in Paramaribo (1829)

15:30-16:00
Kaffeepause

16:00-16:45
Jan Hüsgen (Dresden): The Moravian Mission and Continental Anti-Slavery Sentiments

Sonntag, 02.12.2018

09:30-12:15
Sektion IV: Das Sichtbare und das Unsichtbare - Güter, Objekte, Repräsentationen, Chair & Kommentar: Roberto Zaugg (Bern)

09:30-10:15
Jutta Wimmler (Frankfurt/ O.): Amerikanische Drogen und Farbstoffe in Zentraleuropa – „Unsichtbare“ Produkte von Sklaverei?

10:15-11:00
Carolin Alff (Hamburg): Kings as “Slaves” or Warriors as “Slaves”? Emergence and Reception of Images depicting “Slaves” in Early Modern Germany

11:00-11:30
Kaffeepause

11:30-12:15
Rebekka v. Mallinckrodt (Bremen): Sklavenhalsbänder im Alten Reich – Ikonographie und Recht

12:30-14:00
Mittagspause

14:00-15:00
Schlussdiskussion & Informationen zur Publikation

Kontakt

Rebekka von Mallinckrodt

Universität Bremen, Institut für Geschichtswissenschaft, Universitäts-Boulevard 13, 28359 Bremen

german-slavery@uni-bremen.de

https://www.frueheneuzeit.uni-bremen.de/index.php/de/forschung/german-slavery