„Fremd(e) in der Heimat – Heimat in der Fremde. Migration und ihre Folgen für Brandenburg“. Eine Tagung im Rahmen des Themenjahres „KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg – Kulturland Brandenburg 2020“

Von
Dr. Marc Banditt

Brandenburg ist und war schon immer ein von der Zuwanderung geprägtes Land. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges führten jedoch zu Migrationsströmen, die alles Bisherige übertrafen. Im Rahmen des Themenjahres „Krieg und Frieden. 1945 und die Folgen in Brandenburg – Kulturland Brandenburg 2020“ nimmt der Urania-Verein „Wilhelm Foerster“ Potsdam diese gravierenden Ereignisse und Folgen mit der Tagung „Fremd(e) in der Heimat – Heimat in der Fremde“ in den Fokus.

Rückblickend bildeten Individuen und Bevölkerungsgruppen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen ihren Wohnort in Brandenburg nahmen, einen festen Bestandteil innerhalb der Landesgeschichte. Die Wechselwirkungen zwischen den Ankommenden und der ansässigen Bevölkerung, etwa in Form von Integrations- oder Abgrenzungsprozessen, blieben zu keiner Zeit folgenlos für das gesellschaftliche Miteinander und führten zu einem breiten Spektrum an singulären und kollektiven Verhaltensformen und Wahrnehmungsmustern. Mit dem Ausgang des Zweiten Weltkrieges nahm die Migration in Brandenburg nicht nur von der Personenzahl eine bisweilen ungeahnte Größenordnung an, auch die Begleitumstände erwiesen sich als außerordentlich komplex: Denn aufgrund seiner geografischen Lage war Brandenburg um das Jahr 1945 einerseits Ankunftsraum, andererseits aktives Kampfgebiet und schließlich ein unmittelbar betroffener Ort der deutschen Teilung.

Vor diesem Hintergrund werden Beobachtungen zur Bevölkerungsentwicklung in Brandenburg präsentiert, debattiert und in einen größeren historischen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Kontext gesetzt. Als Leitfaden dienen Fragen wie: Was bedeutete konkret die Identifikation mit den Begrifflichkeiten „Vaterland“, „Fremde“ und „Heimat“ angesichts eines verlorenen Krieges und der damit verbundenen ideologischen wie geografischen Entwurzelung? Wie erlebten und empfanden die Menschen Flucht und Vertreibung, wie gestaltete sich das Ankommen und das neue Miteinander in fremder Umgebung bzw. mit den Ankömmlingen? Auf welchen Grundlagen gelang es – oder gelang es nicht –, gemeinsam Wurzeln zu schlagen? Und welche Traumata wirken im privaten und öffentlichen Raum bis heute nach?

Obgleich der Schwerpunkt die Ereignisse in Brandenburg rund um das symbolträchtige Jahr 1945 zum Gegenstand hat, werden Aspekte der Migration sowohl aus früheren Jahrhunderten als auch aus nachfolgenden Jahrzehnten bis in die Gegenwart miteinbezogen, um nicht zuletzt zäsur- und epochenübergreifende Entwicklungslinien, Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieses Phänomens darstellbar zu machen. Dabei sollen ausdrücklich beide Perspektiven – die der Einheimischen und die der Ankommenden – Berücksichtigung finden.

Vorträge (30 min.) können zu nachfolgenden Themenkomplexen eingereicht werden:
- die Geschichte Brandenburgs als ein Einwanderungsland (u. a. die Rolle von Glaubensflüchtlingen)
- Flucht und Vertreibung während des Zweiten Weltkrieges und nach 1945 (u. a. Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten, die Bedeutung von Auffangorten, Kriegsheimkehrer, Wolfskinder)
- Gesellschaftliche, soziale und psychologische Auswirkungen von Zu- und Abwanderung (u. a. Integration und Anpassung, erfahrene Traumata, rassistisch motivierte Verhaltensmuster, die Rolle und Situationen der Frauen nach 1945, Besatzerkinder, Nachwirkungen und Erinnerungstransfers bis in die Gegenwart)
- Bevölkerungsdynamik während der SBZ/DDR-Zeit (u.a. Flucht nach West-Berlin und in die BRD, innerstaatliche Migrationsströme, Vertragsarbeiter aus anderen sozialistischen Ländern)
- Migration in Brandenburg nach 1989/90 (u. a. Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, Bevölkerungsentwicklungen entlang der Oder, Flüchtlingsbewegungen) und Prognosen für die Zukunft

Themenvorschläge im Umfang von ca. 2.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) werden im pdf-Format bis spätestens 31. März 2020 erbeten an m.banditt@urania-potsdam.de. Bitte teilen Sie auch einige kurze Angaben zu Ihrer Person (Funktion, Wirkungsstätte) mit. Die Rückmeldung über die Annahme oder Ablehnung Ihres Vorschlags erfolgt bis zum 30. April 2020.
Die Tagungssprache ist Deutsch. Tagungsort sind die Räumlichkeiten des Urania-Vereins „Wilhelm Foerster“ Potsdam. Ein kulturelles Begleitprogramm ist geplant.

Fahrt- und Übernachtungskosten können übernommen werden. Die Beiträge werden anschließend in einer Publikation veröffentlicht.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite:
https://www.urania-potsdam.de/seite/436837/projekte.html

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Marc Banditt

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