Massenhaft Briefe: Strukturen einer Kulturtechnik

Massenhaft Briefe: Strukturen einer Kulturtechnik

Veranstalter
Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL)
Ort
Lübeck
Land
Deutschland
Vom - Bis
13.09.2020 - 17.09.2020
Deadline
30.04.2020
Von
Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL)

Massenhaft Briefe: Strukturen einer Kulturtechnik
Summerschool am Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) vom 13. bis 17. September 2020

Keynotes: Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Frankfurt), Prof. Dr. Henrike Lähnemann (Oxford), Prof. Dr. Renate Stauf (Braunschweig), Dr. Erik Porath (Berlin), Dr. Christian Fieseler (Göttingen)

Der Brief ist tot. Schon vor hundert Jahren diagnostizierte Stefan Zweig das Ende des Briefes, weil die Kunst der Beiläufigkeit verloren gehe, einen Brief „ohne die Prätension eines Geschenks“ zu schreiben. Solcherlei ephemere Kommunikation scheint heute vollständig an digitale Medien delegiert zu sein. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger und Briefe führen heute ein intensives Nachleben in Archiven und Museen. Das ist der Ausgangspunkt der Summerschool des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck. Im Fokus stehen Briefe als materielle Objekte, als Medienformat, als Textgattung oder als serielle Quellen – im Unterschied zum oft überinterpretierten Einzeltext. Dabei soll es um die verwendeten Beschreibstoffe und Schreibutensilien, um Formatierungen durch Papiergrößen und Umlaufzeiten gehen, aber auch um den Brief als Konvolut, um Korrespondenz-Netzwerke, Geschäftsbriefe und Kettenbriefe, um Briefe, die von verschiedenen Personen gelesen werden und nach mehreren Stationen eine neue Karriere als Museumsobjekt beginnen. Weil dieser besondere Blick auf das Medium motiviert ist von den aktuellen Umbruchprozessen, wollen wir auch die erst im Medienwandel zur Digitalisierung hervortretenden Eigenarten für eine Neubesichtigung dieser scheinbar vertrauten Gattung nutzen.

Die fünf Arbeitstage der Summerschool sind jeweils einem Thema gewidmet: Materialität, Digitalisierung, Netzwerke, Zirkulation und Narrativität. Dabei wollen wir unter anderem diesen Fragen nachgehen:
- Welche Rolle spielen die Art und das Format des Briefpapiers, die Handhabung von Schreibgeräten oder der Wechsel von der Handschrift zum Apparat? (Materialität)
- Wie greift Digitalität in die Kulturtechnik Brief ein und welche neuen Einblicke erlaubt die Digitalisierung? (Digitalisierung)
- Wie stiften Briefe Verbindlichkeit, wie stabilisieren sie Netzwerke und welche Eigenschaften lassen sie zu Konvoluten werden? (Netzwerke)
- Welche Wege legen Briefe von der ersten Idee bis zum abgeschickten Stück zurück, welche Passagen durchlaufen sie nach dem Eintreffen beim Empfänger und welche weiteren Schichten eines Nachlebens lassen sich an ihnen sichtbar machen? (Zirkulation)
- Welche Vorentscheidungen sind bereits gefallen, bevor ein konkreter Inhalt zu Papier gebracht wird, und wie schreiben Kontexte sowie paratextuelle Elemente am Inhalt mit? (Narrativät)

Die Vormittage der Summerschool beginnen mit einer Keynote und anschließender Diskussion. Die zweite Hälfte des Vormittags ist thematisch den zugehörigen Projektvorstellungen von Doktorand/innen und Nachwuchswissenschaftler/innen gewidmet. Die Nachmittage finden jeweils in einem der am ZKFL beteiligten Lübecker Museen und Archive statt. Dort wollen wir gemeinsam mit den Keynote-Speaker/innen anhand konkreter Briefe und Sammlungsbestände weiter diskutieren.

Die Summerschool wird von den Stipendiatinnen und Stipendiaten des ZKFL organisiert und richtet sich an interessierte Doktorand/innen und Nachwuchswissenschaftler/innen aller beteiligten Disziplinen. Im Rahmen der Summerschool findet außerdem die Ausstellung „a BRIEF history“ am Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck (MHL) statt, an der sich in einem Gemeinschaftsprojekt die dem ZKFL zugehörigen Museen und Archive beteiligen. Die Ausstellung wird am Sonntag, den 13. September, mit einer Matinée am Brahms-Institut feierlich eröffnet. Die Teilnehmer/innen der Summerschool sind dazu herzlich eingeladen.

Wir bitten um Zusendung eines Abstracts (max. 500 Wörter) für einen Beitrag sowie eines kurzen Lebenslaufes bis zum 30. April 2020 per E-Mail an die Koordinatorin des ZKFL, Dr. Birgit Stammberger: birgit.stammberger@uni-luebeck.de. Aus den eingereichten Bewerbungen können maximal 12 Projekte angenommen werden. Eine Rückantwort erfolgt Ende Mai. Für jede Projektvorstellung sind insgesamt 45 Minuten vorgesehen (15 min. Präsentation + 30 min. Diskussion). Sofern keine andere Möglichkeit der Förderung besteht, kann das ZKFL Reise- und Übernachtungskosten übernehmen.

Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL)
Königstraße 42
23552 Lübeck
+49 451 3101 3431
sekretariat@zkfl.uni-luebeck.de

Programm

Kontakt

Dr. Birgit Stammberger
Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL), 23552 Lübeck, Königstraße 42
birgit.stammberger@uni-luebeck.de