Provinz postmigrantisch: Aushandlungen und (Neu-)Formierungen

Provinz postmigrantisch: Aushandlungen und (Neu-)Formierungen

Veranstalter
Zentrum für Migrations- und Integrationsstudien, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd
Ort
Schwäbisch Gmünd
Land
Deutschland
Vom - Bis
20.11.2020 - 21.11.2020
Deadline
30.04.2020
Von
Dr. Thomas Hardtke (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd)

Die „Provinz“ und die damit verbundenen Vorstellungen changierten in der Vergangenheit stets zwischen rückständiger Anti-Moderne und idealisiertem Rückzugsort eines naturnahen Lebens. Diese Gleichzeitigkeit der Diagnosen kann auch heute noch festgestellt werden:
Einerseits gilt der ländliche Raum demografisch und kulturell überwiegend als „abgehängt“, von Landflucht statt Landlust ist die Rede: Immer mehr Menschen wohnen in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern, auf dem Land sind daher zunehmend Schulen und kulturelle Einrichtungen von Schließungen oder Umstrukturierungen betroffen. Zudem taucht die Provinz im öffentlichen Diskurs stets in Abgrenzung zur multikulturell und kosmopolitisch inszenierten Großstadt auf.
Andererseits aber lassen steigende Mieten in Großstädten und eine gentrifizierte Verdichtung des urbanen Raums die „Provinz“ (wieder) als Sehnsuchtsort erscheinen. Der ländliche Raum wird als authentisch vermarktet und in neuen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Projekten gefördert.

Abseits des schematischen Stadt-Land-Gefälles ist der ländliche Raum jedoch von denselben gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozessen betroffen, darunter vor allem von einer zunehmenden Diversifizierung der gesellschaftlichen Milieus als Folge von Globalisierung und den verschiedenen Formen der Migration. Viele ländliche und kleinstädtische Räume werden somit zu heterogenen Begegnungs- und Interaktionsräumen. Zugleich findet eine Diversifizierung zwischen strukturschwachen, abgehängten und strukturstarken, von Urbanisierung und Strukturwandel profitierenden Regionen statt, die einer pauschalen Zuordnung des ländlichen Raums ebenfalls entgegensteht.

Während Stadtgesellschaften – vor allem vor dem Hintergrund migrationsbedingter Veränderungen, Diversifizierungen und Aushandlungsprozesse – als Gegenstand der Wissenschaften als etabliert gelten, bleibt die Frage nach der „Provinz“ als Gestaltungsort postmigrantischer Realität noch weitestgehend unbeantwortet. Eine postmigrantische (Forschung-)Perspektive auf die „Provinz“ richtet den Blick auf den migrationsbedingten gesellschaftlichen Wandel im ländlichen Raum. Sie legt den Fokus auf gesellschaftliche Überlappungen, Überschneidungen und Verflechtungen und untersucht gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, die sich nicht zuletzt als Folge und Begleiterscheinung von Migration ergeben. Sie denkt gesellschaftliche Phänomene zusammen, die gewöhnlich isoliert betrachtet werden, und stellt – gegen den methodologischen Nationalismus – transnationale Verflechtungen und Interdependenzen von u.a. „class“, „race“, „gender“ in den Mittelpunkt der Analyse.

Die geplante interdisziplinäre Tagung setzt hier an, indem sie aktuelle und neue Formierungen im ländlichen Raum in den Blick nimmt und danach fragt, wie sich der ländliche Raum und die Vorstellungen zur „Provinz“ durch (räumliche, aber auch soziale) Mobilität verändern und neu-formieren – und wo dies konkret geschieht:
- in Institutionen der Bildung, der Kultur und der Politik,
- in der Literatur sowie
- in alltäglichen Räumen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Willkommen sind besonders Beiträge, die die klassische Stadt-Land-Dichotomie auf ihre Aktualität hin prüfen und neu entstehende Zwischenräume thematisieren.

Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge (maximal 300 Wörter) mit kurzen biografischen Angaben und Ihren Kontaktdaten bis zum 30. April 2020 an migs@ph-gmuend.de.
Die Tagung findet vom 20. bis 21. November 2020 in Schwäbisch Gmünd statt. Es werden keine Tagungsgebühren erhoben. Eine Tagungspublikation mit ausgewählten Beiträgen ist angedacht.

Veranstalter der Tagung ist das Zentrum für Migrations- und Integrationsstudien „Migration – Gesellschaft – Schule“ (MiGS) der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Das MiGS greift gesellschaftlich und bildungsinstitutionell relevante Aspekte, Felder, Entwicklungen und Bedürfnisse im Umfeld von Migration und Flucht auf und stößt neue Forschungen praxisnah an.

Verantwortliche:
Dr. Thomas Hardtke (Deutsche Literatur und ihre Didaktik)
Prof. Dr. Nazli Hodaie (Deutsche Literatur und ihre Didaktik)
Prof. Dr. Stefan Immerfall (Soziologie)
AOR’in Dr. Margarete Menz (Allgemeine Pädagogik)
Luise Schimmel, M.A. (Cultural Studies)
Juniorprof. Dr. Miriam Stock (Cultural Studies)

Programm

Kontakt

Thomas Hardtke

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

migs@ph-gmuend.de


Redaktion
Veröffentlicht am
09.03.2020
Beiträger
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