Kommunikationsgeschichte Internationaler Organisationen und NGO’s: Fragestellungen, Forschungsperspektiven, Themen

Kommunikationsgeschichte Internationaler Organisationen und NGO’s: Fragestellungen, Forschungsperspektiven, Themen

Veranstalter
Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung - ZeMKI, Universität Bremen; Fachgruppe Kommunikationsgeschichte, Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft - DGPuK; Institut für Zeitungsforschung, Dortmund; Verein zur Förderung der Zeitungsforschung in Dortmund e.V.
Ort
Bremen
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.04.2021 - 23.04.2021
Deadline
01.09.2020
Von
Erik Koenen

Im Mittelpunkt der Internationalen ZeMKI-Konferenz 2021 steht ein bislang von der Kommunikations- und Mediengeschichte wenig beachtetes Thema: die Kommunikationsgeschichte Internationaler Organisationen. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden für viele und verschiedenste Bereiche des gesellschaftlichen Lebens global agierende, nichtstaatlich wie zwischenstaatlich organisierte Internationale Organisationen unterschiedlichster Institutionalisierungsgrade und Reichweite gegründet, die sich den globalen Herausforderungen der ersten Moderne widmeten – die bekannteste unter ihnen ist sicherlich der 1919 ins Leben gerufene Völkerbund als Vorgängerinstitution der UNO.

Aus einem kommunikations- und medienhistorischen Blickwinkel nehmen Internationale Organisationen eine exponierte Rolle in den transnationalen Verflechtungs- und Verdichtungsprozessen von Journalismus, Kultur, Medien, Politik, Technologie und Öffentlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert ein. Vor dem Hintergrund der insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg vieldiskutierten Grenzen zwischen Geheimdiplomatie und öffentlicher Diplomatie trugen sie zur Ausprägung erster Arenen und Formen von an Global Governance orientierten inter- bzw. transnationalen Öffentlichkeiten bei. Um ihre Anliegen und Ziele global zu verbreiten, nutzten sie für ihre Kommunikation permanent die neuesten Kommunikationstechnologien und die wachsende Vielfalt der Medien, organisierten und professionalisierten ihre Informationsarbeit und entwickelten hierfür spezifische informationspolitische Instrumente und Strategien. Woodrow Wilsons Idee von Öffentlicher Diplomatie (Open Diplomacy) als früher Vorläufer heutiger „Public Diplomacy“ war beispielsweise die Vorstellung, auf der der Völkerbund seine Informationspolitik gründete.

Effekte der Ausdifferenzierung und Organisation der Kommunikation Internationaler Organisationen wie die Entstehung institutionalisierter Öffentlichkeitsarbeit und PR in diesen Kontexten, die Herausbildung eines internationalen Gipfel- und Konferenzjournalismus, die Herstellung von Öffentlichkeit für internationale Politik und parallel wiederum die Genese von Strukturen medial vermittelter inter- und transnationaler Öffentlichkeiten sind Fragestellungen und Themenfelder, die mit diesem aus kommunikations- und medienhistorischer Sicht bislang weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld aufgerufen sind.

Ziel der Tagung ist es, Internationale Organisationen als kommunikations- und medienhistorisch relevantes Forschungsfeld zu entdecken und systematisch zu entwickeln. Die Tagung leistet in dieser Weise ebenso kommunikationshistorische Grundlagenforschung wie sie dem Fach insgesamt eine historische Perspektive für die kommunikationswissenschaftliche Reflexion der Gegenwart Internationaler Organisationen offerieren soll.

Um Fragestellungen, Forschungsperspektiven und das thematische Spektrum der Kommunikationsgeschichte Internationaler Organisationen auszuleuchten und zu diskutieren, erbitten die Organisator_innen Einreichungen, die sich am Beispiel konkreter Internationaler Organisationen einem oder mehreren der nachfolgend skizzierten Problemkreise und thematischen Schwerpunkten widmen:

1. Kommunikation und Kommunikationsmanagement Internationaler Organisationen
Wie gestalteten nichtstaatliche und zwischenstaatliche Internationale Organisationen ihre (medial vermittelte) Kommunikation, um Medien und Öffentlichkeit zu erreichen bzw. zu informieren? Welche Akteur_innen und Akteursgruppen adressierten sie wie? Welche Erwartungen hatte man bezüglich medialer und öffentlicher Aufmerksamkeit? Welche Vorstellungen existierten über das Verhältnis von Medien und Politik? Welche Formen, Infrastrukturen, Instrumente, Konzepte und Strategien wurden für die Herstellung von Öffentlichkeit und medialer Sichtbarkeit Internationaler Organisationen entwickelt? Wie und von wem wurden Informations- und Öffentlichkeitsarbeit institutionalisiert und normiert? Wie wurden die Beziehungen zu einzelnen Medien und ihren Vertretern organisiert und professionalisiert?

2. Internationale Organisationen, Medien und Journalismus
Welchen Einfluss hatten Internationale Organisationen auf Trends der Globalisierung bzw. Inter- und Transnationalisierung von Journalismus und Medienkommunikation? Wie bildeten sich in diesen Kontexten neue Formen des Auslandsjournalismus, bspw. Gipfel- und internationaler Konferenzjournalismus, heraus? Wie waren die journalistische und die Medienpraxis im Umfeld Internationaler Organisationen aufgestellt? Welche internationale medienpolitische Agenda entwickelte sich im Zusammenspiel von Internationalen Organisationen und Medieninstitutionen bspw. in Fragen der Gewährleistung eines freien globalen Nachrichtenverkehrs, tendenziöser Berichterstattung und Verbreitung von Falschmeldungen, ungehinderter Tätigkeit von Korrespondenten, internationalen Standards von Pressefreiheit und Urheberrecht? Welche Internationalen Organisationen gründeten sich insbesondere im Medienkontext?

3. Internationale Organisationen in der Öffentlichkeit und öffentlichen Debatten
Welche Vorstellungen von globaler bzw. inter- und transnationaler Öffentlichkeit generierten sich im Kontext Internationaler Organisationen? Wie wurden Konferenzen Internationaler Organisationen öffentlich inszeniert? Welches öffentliche Image hatten Internationale Organisationen? Für welche Themen und Ziele versuchten Internationale Organisationen Öffentlichkeit anzusprechen und zu erreichen (bspw. Abrüstung, Gendergerechtigkeit, Gesundheit, Natur- und Umweltschutz)? Wie wurden Internationale Organisationen jenseits der Massenmedien wahrgenommen (u.a. in Film, Fotografie, Karikatur, Kunst, Literatur und Plakat)?

4. Theorien, Methoden, Quellen
Wie lassen sich Kommunikationsgeschichten Internationaler Kommunikationen theoretisch und methodologisch einbetten? Welche Quellen kann man heranziehen und welche methodischen Herangehensweisen und Triangulationen sind möglich und notwendig, um mit der üblicherweise immensen Menge und Vielfalt überlieferter Quellen umzugehen?

Optional kann im Rahmen eines „Offenen“ Panels explizit Nachwuchs- und Work-in-Progress-Forschung aus der Kommunikations- und Mediengeschichte vorgestellt werden.

Einreichungen
Als Einreichungen zum Tagungsthema und für das „Offene Panel“ werden aussagekräftige „Extended Abstracts“ (bevorzugt Englisch, Deutsch ist möglich; 4.000 bis 5.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, exklusive Literaturverzeichnis) bis zum 1. September 2020 erbeten. Die Abstracts sind im pdf-Format einzureichen und durch ein abtrennbares Deckblatt und Entfernung aller autoridentifizierenden Angaben aus Dokumenteneinstellungen und Text zu anonymisieren. Einreichungen und Nachfragen zum Call for Papers erfolgen ausschließlich an: ekoenen@uni-bremen.de

Die Einreichungen werden in einem Peer-Review-Verfahren nach den folgenden Kriterien begutachtet: theoretische Fundierung; Relevanz der Fragestellung; Angemessenheit der Methode/Vorgehensweise; Neuigkeitswert/Originalität; Klarheit sowie Prägnanz der Darstellung. Die Ergebnisse des Review-Verfahrens werden bis zum 10. November 2020 bekannt gegeben.

Organisation
Die Tagung findet am 22. und 23. April 2021 in Bremen statt.

Aktuelle Informationen zur Anmeldung und Anreise, zum Programmablauf, zum Veranstaltungsort sowie zu Unterkunftsmöglichkeiten finden Sie auf der Tagungswebsite:
https://www.uni-bremen.de/zemki/veranstaltungen/tagungen/kommunikationsgeschichte-internationaler-organisationen-und-ngos?no_cache=1

Programm

Kontakt

Erik Koenen

ZeMKI, Universität Bremen, Linzer Straße 4, 28359 Bremen

ekoenen@uni-bremen.de