Innere Sicherheit, Kulturkampf, Demokratisierung? Der 'Radikalenerlass' von 1972 und seine Folgen bis in die Gegenwart

Tagung "Innere Sicherheit, Kulturkampf, Demokratisierung? Der 'Radikalenerlass' von 1972 und seine Folgen bis in die Gegenwart"

Veranstalter
Forschungsprojekt "Verfassungsfeinde im Land", Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Veranstaltungsort
Internationales Wissenschaftsforum Heidelberg
Gefördert durch
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
PLZ
69117
Ort
Heidelberg
Land
Deutschland
Vom - Bis
28.09.2020 - 29.09.2020
Von
Mirjam Schnorr

Am 28./29. September 2020 findet im Rahmen des Forschungsprojekts "Verfassungsfeinde im Land" am Historischen Seminar der Universität Heidelberg die Tagung "Innere Sicherheit, Kulturkampf, Demokratisierung? Der 'Radikalenerlass' von 1972 und seine Folgen bis in die Gegenwart" statt. Veranstaltungsort ist das Internationale Wissenschaftsforum Heidelberg (IWH). Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen kann die Tagung nur von ausgewählten Teilnehmern und Teilnehmerinnen besucht werden.

Tagung "Innere Sicherheit, Kulturkampf, Demokratisierung? Der 'Radikalenerlass' von 1972 und seine Folgen bis in die Gegenwart"

Die Tagung wird im Rahmen des seit 2018 unter Leitung von Prof. Dr. Edgar Wolfrum und Dr. Birgit Hofmann am Lehrstuhl für Zeitgeschichte des Historischen Seminars der Universität Heidelberg bestehenden Forschungsprojekts "Verfassungsfeinde im Land? Baden-Württemberg, '68 und der 'Radikalnerlass' (1972-2018)" veranstaltet. Sie dient dem wissenschaftlichen Austausch. Gemeinsam mit renommierten und im Forschungsfeld der 1970er-Jahre ausgewiesenen Historikern und Historikerinnen ebenso wie mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs wollen wir das Thema der "Radikalen-Abwehr" im öffentlichen Dienst untersuchen und kontextualisieren. Der regionale Fall Baden-Württemberg steht dabei an verschiedenen Stellen der Tagung im Fokus des Interesses. Für den Eröffnungsvortrag konnten wir Herr Prof. Dr. Philipp Gassert von der Universität Mannheim gewinnen. Er wird am Montag, 28. September, um 12.45 Uhr unter dem Titel "Ein 'rotes' oder 'schwarzes' Jahrzehnt? Überlegungen zur politischen Kultur der 1970er Jahre" referieren. Bei einem Podiumsgespräch am Montagnachmittag mit dem Titel "Wissenschaft, Erinnerung, Zeitzeugen: Perspektiven auf den 'Radikalenerlass' 1972" sollen außerdem Forschende, Vertreter und Vertreterinnen der politischen Aufarbeitung sowie Betroffene der Maßnahmen im Zuge des "Radikalenerlasses" zusammenkommen und miteinander diskutieren. Das Internationale Wissenschaftsforum Heidelberg (IWH) bietet für die Tagung als Veranstaltungsort mit seiner Lage in der Heidelberger Altstadt die bestmöglichen Voraussetzungen. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen ist die Personenanzahl leider sehr begrenzt und wir dürfen nur ein ausgewähltes Publikum für den Besuch der Tagung zulassen. Im Anschluss an die Tagung wird es zur Sicherung der Ergebnisse und für die Information einer breiteren Öffentlichkeit allerdings einen ausführlichen Tagungsbericht sowie eine umfassende Nachbereitung auf dem projekteigenen Wissenschaftsblog radikalenerlassbawuede.com geben.

Programm

Montag, 28. September 2020

12:00 Beginn der Tagung

EINFÜHRUNG

12:30 Begrüßung durch die Veranstalter

12:45 Prof. Dr. Philipp Gassert (Mannheim): Ein „rotes“ oder „schwarzes“ Jahrzehnt? Überlegungen zur politischen Kultur der 1970er Jahre

PANEL I
MEHR DEMOKRATIE WAGEN? DER „RADIKALENERLASS“ UND DIE AMBIVALENZ DER 1970ER-JAHRE

13:45 Dr. Dominik Rigoll (Potsdam): Sechs Möglichkeiten, die Geschichte des Radikalenerlasses zu erzählen

14:15 Dominik Feldmann, M.A. (Köln): Der „Radikalenerlass“ als Ausdruck „antiextremistischer“ Sicherheitspolitik. Maßnahme des Demokratieschutzes?

14:45 Christopher Kirchberg, M.A. (Bochum): Daten und Demokratie. Die Rolle des Verfassungsschutzcomputers bei der Regelanfrage

15:15 Kaffeepause

15:45 Robert Wolff (Frankfurt a. M.): Die Entstehung der „Revolutionären Zellen“ im Kontext des „Radikalenerlasses“ 1972

16:15 Jonas Brosig (Mannheim): Psycho-pathologisierende Deutungsmuster linker Devianz im Zuge der „68er“-Bewegung als historisch-diskursive Voraussetzungen des „Radikalenerlasses“

PODIUMSGESPRÄCH
„WISSENSCHAFT, ERINNERUNG, ZEITZEUGEN: PERSPEKTIVEN AUF DEN ‚RADIKALENERLASS‘ 1972“

16:45 Kommentar von Lothar Letsche, M.A. (Weinstadt): Was erwarten Betroffene des „Radikalenerlasses“ von der historischen Aufarbeitung?

Die Teilnehmer des Podiumsgesprächs sind:

Klaus und Christina Lipps (Baden-Baden), Betroffene des „Radikalenerlasses“ in Baden-Württemberg und Vertreter der Initiative „40 Jahre Radikalenerlass“

Dr. Sarah Schulz (Kassel), Politikwissenschaftlerin und Verfasserin der Studie „Die freiheitliche demokratische Grundordnung. Ergebnis und Folgen eines historisch-politischen Prozesses“ von 2019

Jutta Rübke (Hannover), Politikerin und bis 2018 „Niedersächsische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der Schicksale im Zusammenhang mit dem sogenannten Radikalenerlass“

Prof. Dr. Edgar Wolfrum (Heidelberg), Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Heidelberg und Leiter des Forschungsprojekts „Verfassungsfeinde im Land?“

18:30 Abendessen

Dienstag, 29. September 2020

PANEL II
BADEN-WÜRTTEMBERG UND DER „RADIKALENERLASS“ IM FÖDERALEN VERGLEICH

9:00 Mirjam Schnorr, M.A. (Heidelberg): Der „Schiess-Erlass“ als „Preis der Freiheit“? Baden-Württemberg und die Beschäftigung von „Radikalen“ im öffentlichen Dienst

9:30 Dr. Erik Lommatzsch (Leipzig): Hans Filbinger: „Ein Wort zur inneren Lage. Unsere Sicherheit ist bedroht“

10:00 Kaffeepause

10:30 Dr. Alexandra Jaeger (Hamburg): Von „Verfassungsfeinden“ zu guten Lehrerinnen und Lehrern. Der Wandel der Hamburger Überprüfungspraxis im Laufe der 1970er-Jahre

11:00 Wilfried Knauer (Hannover): Der „Radikalenerlass“ in Niedersachsen 1972 bis 1990 – Möglichkeiten und Grenzen eines Aufarbeitungsprojektes

11:30 Sarah Kramer (Marburg): „Verfassungsfeinde“ an der Universität? Die „rote Uni“ Marburg im Spannungsfeld von Protestbewegungen, „Radikalenerlass“ und Bedrohungskommunikation

12:00 Mittagessen

PANEL III
DER „RADIKALENERLASS“ ALS „STREITGESCHICHTE“: PROTEST UND REAKTIONEN

13:15 Yvonne Hilges (Heidelberg): „Kampf dem Berufsverbot!“ – Zur Entwicklung des Protests gegen die „Radikalen-Abwehr“

13:45 Dr. Nikolai Wehrs (Konstanz): Domino und Schwarze Listen. Die „NofU“-Professoren und der studentische Radikalismus in West-Berlin in den 1970er Jahren

14:15 Dr. Jan-Henrik Friedrichs (Hildesheim): Die Auseinandersetzungen um den „Radikalenerlass“ im Feld Schule

14:45 Kaffeepause

PANEL IV
SPRACHE(N) DER DEBATTE: DER „RADIKALENERLASS“ IM DISKURS

15:15 Dr. des. Jana Stoklasa (Hannover): Der „Radikalenerlass“ und seine sprachliche Vermittlung im Diskurs um die deutsch-deutsche Teilung

15:45 Dr. Martin G. Maier (Marburg): Ein „Feuerwerk von Dialektik“? Konservative und rechtsextreme Positionierungen zur „wehrhaften Demokratie“ am Beispiel des „Radikalenerlasses“

16:15 Andrée Gerland (Tübingen): Die literarischen Reaktionen auf den „Radikalenerlass“ und ihre Folgen: Böll – Andersch – Schneider

AUSBLICK

16:45 Abschlussdiskussion: Der „Radikalenerlass“ und seine Folgen bis heute

17:15 Ende der Tagung

Kontakt

yvonne.hilges@zegk.uni-heidelberg
mirjam.schnorr@zegk.uni-heidelberg.de

https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/philosophie/zegk/histsem/forschung/verfassungsfeinde.html