150 Jahre Conrad Matschoß – Technikgeschichte für die Gegenwart

150 Jahre Conrad Matschoß – Technikgeschichte für die Gegenwart

Veranstalter
VDI Ausschuss Technikgeschichte in Kooperation mit dem Fachgebiet Technikgeschichte, TU Berlin, und dem Deutschen Technikmuseum Berlin
PLZ
10623
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
04.10.2020 - 15.11.2020
Deadline
15.11.2020
Von
Heike Weber, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte, TU Berlin

Jahrestagung des VDI Ausschusses Technikgeschichte in Kooperation mit dem Fachgebiet Technikgeschichte, TU Berlin, und dem Deutschen Technikmuseum Berlin

150 Jahre Conrad Matschoß – Technikgeschichte für die Gegenwart

Die Ursprünge einer deutschsprachigen „Geschichte der Technik“ sind, ebenso wie die Geschichte des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. (VDI), eng mit der Person Conrad Matschoß (1871-1942) verbunden. Als Maschinenbauingenieur und Ingenieurhistoriker gründete er eine erste technikhistorische Publikationsreihe (Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie, seit 1909), lehrte an der TH Charlottenburg zur „Geschichte der Maschinentechnik“ und setzte sich für den Erhalt von „technischen Kulturdenkmalen“ ein; über viele Jahre hinweg fungierte er außerdem als Direktor des VDI. Seither hat sich gewandelt, was Technikgeschichte als wissenschaftliche Disziplin meint, macht und auszeichnet. Zudem haben sich die Akteure und Institutionen ausgeweitet, die sich mit Technikgeschichte beschäftigen, wobei dem technikhistorischen Artefakt (weiterhin) eine prominente Rolle zukommt.

Das Jubiläum „150 Jahre Conrad Matschoß“ nehmen wir zum Anlass, nicht nur erneut die Person zu beleuchten, sondern danach zu fragen, wo Technikgeschichte inzwischen steht und was ihr Selbstverständnis ausmacht: Was sind Kernfragen und -themen, denen in der Forschung, musealen Arbeit, Denkmalpflege oder Industriearchäologie nachgegangen wird bzw. nachgegangen werden sollte und welchen Herausforderungen hat sich Technikgeschichte dort zu stellen? Wie haben sich die Themen, Ansätze und Erzählungen der Disziplin gewandelt und wo liegen ihre blinden Flecken? Zudem soll das weit darüber hinausreichende Wissens- und Betätigungsfeld der Auseinandersetzung mit vergangener Technik auf den Prüfstand gestellt werden. Ziel ist es auszuleuchten, was eine zeitgemäße „Technikgeschichte für die Gegenwart“ leisten kann und soll.

Im Rahmen der Tagung findet außerdem eine Podiumsdiskussion mit Vertreter/innen aus VDI, Universität, Technikgeschichte sowie angehenden Ingenieur/innen statt, welche die mögliche Rolle von Technikgeschichte in der Ingenieursausbildung debattieren wird.

Die Tagung wird derzeit als Hybridformat angedacht (Präsenz bei der Podiumsdiskussion und, soweit gewünscht und möglich, der Vortragenden und Zuhörer; Online-Übertragung und Online-Teilnahme möglich); das endgültige Tagungsformat soll spätestens Anfang Januar festgelegt werden. Vortragende sollten daher bereit sein, ihre Beiträge auch online zu präsentieren, und der Aufzeichnung der Beiträge einwilligen.

Wir möchten insbesondere zu folgenden Themenblöcken zu Vortragseinreichungen einladen:
Conrad Matschoß revisited: Werk und Wirken von Conrad Matschoß und die heutige Rolle von Technikgeschichte in Wirtschaft und Ingenieurwesen

Willkommen sind Beiträge, die Conrad Matschoß kritisch würdigen und nach seiner Bedeutung für die heutige Technikgeschichtsschreibung fragen.

Ausgehend von Matschoß‘ Werk und Wirken soll außerdem nach der gegenwärtigen Rolle von Technikgeschichte in Wirtschaft und Ingenieurwesen gefragt werden. Welche Vorstellungen technikhistorischer Entwicklung sind im Bereich der Technikgestaltung anzutreffen? Welche technikhistorischen Einsichten sollte die Disziplin möglicherweise stärker in Richtung Wirtschaft und Innovationspolitik kommunizieren? Und wie hat sich insbesondere auch das Zusammenwirken von VDI und Technikgeschichte über die Zeit verändert?

Technikgeschichte als wissenschaftliche Disziplin: Desiderate und Herausforderungen eines „Brückenfachs“

Insbesondere seit sich Technikgeschichte als historische Teildisziplin versteht, hat sie immer wieder neue Perspektiven und Methoden (mit)entwickelt, aufgegriffen und umgesetzt. Technikgeschichte ist jedoch ein „Kleines Fach“ mit einigen Besonderheiten wie der Objektbezogenheit, der vorrangigen Ansiedlung an Technischen Universitäten und dem damit verbundenen Anspruch, als „Brückenfach“ zwischen den Ingenieur- und den Geisteswissen-schaften vermitteln zu können.

Kritische Bestandsaufnahmen zum Fach fanden zuletzt in mehreren Publikationen sowie auf der GTG-Tagung 2008 („Wo steht die Technikgeschichte? Chancen und Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“) statt. Die VDI-Tagung möchte daher anregen, vorrangig nach den Desideraten und Herausforderungen eines „kleinen Fachs“ mit „großem Auftrag“ zu fragen: Welche Vorteile oder Hindernisse birgt die spezifische institutionelle Anbindung für die technikhistorische Lehre und Forschung? Welches technische Wissen benötigt Technikgeschichte und welche Rolle könnte Technikgeschichte (wieder) in der Ingenieursausbildung einnehmen? Kann und sollte Technikgeschichte im Sinne einer gegenwartsorientierten Geschichtsschreibung zu laufenden Technikdebatten beitragen? Oder wären im Sinne einer kritischen Technikreflexion stärkere Allianzen mit Feldern wie der Techniksoziologie oder der Technikfolgenabschätzung anzustreben? Welche (wissenschafts)politische Vereinnahmung gilt es aber auch abzuwehren?

Technikgeschichte in Museen, Erinnerungskultur und Öffentlichkeit

Technikgeschichte ist seit Langem dadurch gekennzeichnet, dass auch abseits des universitären Umfelds eine Auseinandersetzung mit der Technik der Vergangenheit stattfindet und technikhistorische Inhalte an verschiedensten Orten vermittelt werden. Objekte der Technikgeschichte sind Gegenstand der Denkmalpflege sowie der Sammlungstätigkeit von Museen. Neben den öffentlichen Einrichtungen sind hier zahlreiche private Vereine, Initiativen und Einzelpersonen aktiv, deren Potential im Sinne einer „Citizen Science“ kaum ausgeschöpft sein dürfte. Sie tragen wesentlichen Anteil am Erhalt historischer Technikobjekte, reparieren sie oder setzen sie in Stand; sie engagieren sich für die Industriekultur oder vermitteln als Zeitzeug/innen und einstige Techniknutzer/innen oder -entwickler/innen technisches und technikhistorisches Wissen.

Vortragseinreichungen sollten die aktuellen Herausforderungen auf diesem Wirkungsfeld thematisieren, innovative Aktivitäten vorstellen sowie nach Potentialen und Problemen fragen, welche diese Vielfalt der Beteiligungsformen mit sich bringt. Von Interesse sind zudem Beiträge, die sich mit dem Zusammenwirken von universitärer Technikgeschichte, Denkmalpflege, Museen sowie privaten Akteuren befassen und ausgehend vom gemeinsamen Interesse an technischen Objekten und materieller Kultur Möglichkeiten und Hindernisse für eine weitergehende Wissensvernetzung untersuchen.

Vorschläge für Vorträge (20 Min.; Abstract von max. 500 Worten und max. 1 Seite CV) senden Sie bitte bis zum 15. Nov. 2020 an:
technikgeschichte@vdi.de

Die Reise- und Übernachtungskosten der Referent/innen können im Falle von Präsenz vom VDI im Rahmen der üblichen Konditionen (Bahnfahrt, 2. Klasse) übernommen werden.
Sie erhalten bis Ende November eine Benachrichtigung, ob der VDI-Ausschuss Technikgeschichte Ihren Vortragsvorschlag berücksichtigen kann.

Kontakt

Prof. Dr. Heike Weber