Klassische Akademische Geschichtsschreibung und Public History - Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Vergleichspraktiken

Klassische Akademische Geschichtsschreibung und Public History - Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Vergleichspraktiken

Veranstalter
Workshop Teilprojekt Öffentlichkeit (Dr. Jürgen Büschenfeld, Prof. Dr. Johannes Grave, Dr. Marina Böddeker, Rebecca Moltmann M.A. im SFB 1288 "Praktiken des Vergleichens" mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geschichte im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (Universität Bielefeld, SFB 1288)
Ausrichter
Universität Bielefeld, SFB 1288
Gefördert durch
DFG
PLZ
33501 Bielefeld
Ort
Postfach 100131
Land
Deutschland
Vom - Bis
28.01.2021 - 29.01.2021
Deadline
30.11.2020
Von
Jürgen Büschenfeld, Arbeitsbereich Geschichtskulturen, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie; SFB 1288 Praktiken des Vergleichens, Universität Bielefeld

Der vom Bielefelder SFB 1288 "Praktiken des Vergleichens - Die Welt ordnen und verändern, Teilprojekt Ö (Öffentlichkeit) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geschichte initiierte Workshop widmet sich den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von akademischer Geschichtsschreibung und Public History und nimmt dabei insbesondere Vergleichspraktiken zwischen den Polen der Geschichtsdarstellung in den Blick.

Klassische Akademische Geschichtsschreibung und Public History - Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Vergleichspraktiken

Geschichte boomt! Neben dem wissenschafts- und bildungspolitisch fest verankerten Umgang mit Geschichte an Schulen und Hochschulen sind bereits seit vielen Jahren mit Nachdruck solche Präsentationsformen von Geschichte getreten, die sich den lange dominanten Vorgaben der Geschichtswissenschaft zu entziehen scheinen. Themen rund um die Public History oder auch ‚Angewandte Geschichte‘ haben Konjunktur.

Eine ganze Reihe von in den letzten Jahren zum Thema erschienenen Büchern handelt von der „Magie der Geschichte“, führt Begriffe wie „Histotainment“ im Titel oder nimmt, wie ein soeben erschienenes Buch, Themen wie Authentizität und Reenactment in den Blick. Auch geht es in Büchern wie „History Sells“ oder „Vergangenheitsbewirtschaftung“ um die Fragen, ob historische Themen als marktfähige Produkte ausbuchstabiert werden sollten. Fragt man nach den wesentlichen Merkmalen von Public History/Angewandter Geschichte, so lässt sie sich treffend als „Geschichte in der Öffentlichkeit und für die Öffentlichkeit“ (Lücke/Zündorf 2018) skizzieren.

Ob Dissertation und Habilitationsschrift, Radio- oder Fernsehbeitrag, populärwissenschaftliches Buch oder Vortragsreihe – historische Forschung kann in unterschiedlichsten Formen vermittelt werden. Ist es ‚nur‘ die Sprache der Vermittlung, die im Anschluss an wissenschaftlich abgesicherte und akademischen Standards genügende Forschungsprozesse jeweils eine andere ist, oder werden die Unterschiede zwischen akademischer Geschichte und Public History bereits im Forschungsprozess selber sichtbar? Gelten für den filmischen Umgang mit dem historischen Fall die gleichen Regeln der Forschung wie für seine akademische Aufbereitung? Welchen wissenschaftlichen Maßstäben können und sollen Reenactments folgen? Wieviel Erlebnisorientierung verträgt die Ausstellung eines historischen Museums? Wie ist die Arbeit von Akteur/innen auf dem Feld der Citizen Science zu beurteilen? Inwieweit sind die interessierten Lai/innen aus akademischen Zusammenhängen heraus zu unterstützen? Kann es eine dem wissenschaftlichen Instrumentarium entsprechende Citizen Science überhaupt geben?

Galten die Themen und Akteure der Public History den einen als positive Beispiele für die breite Weiterentwicklung der Geschichtskultur, erkannten andere in der Vielfalt des Zugangs zur Geschichte eher ein Menetekel für den offenbar unaufhaltsamen Niedergang eines wichtigen Teils der Hochkultur. Ihnen galt der drohende Verlust der Deutungshoheit des akademischen Umgangs mit Geschichte als besonderes Schreckgespenst.

Mit der zunehmenden Verwissenschaftlichung von Public History und ihrer allmählichen Akzeptanz im ‚Kanon‘ historischer Fakultäten und Seminare ist es um die grundlegende Kritik inzwischen stiller geworden.

Aber dennoch ergeben sich im Umgang mit Public History und den von ihr aufgegriffenen Themen mit Blick auf die Qualität der Ergebnisse viele Fragen. Eine noch viel zu selten reflektierte Perspektive ist die Auseinandersetzung mit den vorgelagerten Forschungs- und Vermittlungsprozessen. Unterscheiden sich die Praktiken des Recherchierens, Auswählens, Interpretierens und Vermittelns der jeweiligen Akteur/innen? Gibt es identifizierbare Muster divergierender Vorgehensweisen? Inwiefern werden bei Public History-Projekten bereits in den wissenschaftlichen Vorarbeiten die Vermittlungsabsichten bedacht – und beeinflussen sie den Prozess?

Dieser Fokus auf die spezifischen Praktiken des Prozesses ist abgeleitet aus den Leitmotiven des seit 2017 an der Universität Bielefeld eingerichteten Sonderforschungsbereichs (SFB) 1288 „Praktiken des Vergleichens. Die Welt ordnen und verändern“. In diesem wurde eigens ein Teilprojekt zur Wissenschafts-kommunikation eingerichtet, das sich in einer Art Metafigur unter anderem mit der Reflexion von Praktiken (des Vergleichens) vor und bei der Vermittlung auseinandersetzt. Aus diesem Projekt heraus sind die oben aufgeworfenen Fragen entstanden, die beim geplanten Online-Workshop in ca. acht kurzen Vorträgen diskutiert werden sollen. Das Vergleichen zwischen klassischer Geschichtsforschung und Public History kann hier einen Beitrag dazu leisten, neu über wissenschaftliche Forschung und ihre Ergebnisse sowie ihre Kommunikation nachzudenken.

Die Veranstaltung wird per Zoom stattfinden. Sie dient ferner als Auftakt für ein breiter angelegtes Buchprojekt, das sich aus den Ergebnissen des Workshops entwickeln soll.

Der Call for Papers richtet sich an Historiker/innen an Universitäten, an Museen, in den Medien, in Zusammenhängen der Citizen Science, an Freiberufler/innen und Vertreter/innen von Geschichtsagenturen.
Wir bitten um Skizzen (ca. 500 Wörter) für Vorträge mit einer Länge von max. 20 Minuten. Die Konferenzsprache ist Deutsch.

Kontakt

Dr. Jürgen Büschenfeld
Mail: juergen.bueschenfeld@uni-bielefeld.de

https://www.uni-bielefeld.de/sfb1288/
Redaktion
Veröffentlicht am
29.10.2020
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