Antisemitismus als Phänomen. Kulturelle Codes des Judenhasses vom Mittelalter bis heute

Antisemitismus als Phänomen. Kulturelle Codes des Judenhasses vom Mittelalter bis heute. CfP für die 30. Internationale Sommerakademie

Organizer
Institut für jüdische Geschichte Österreichs
ZIP
3100
Location
St. Pölten
Country
Austria
From - Until
07.07.2021 - 09.07.2021
Deadline
30.11.2020
By
Sabine Hödl, Institut für jüdische Geschichte Österreichs

Die lange historische Kontinuität von judenfeindlichen Codes ist der breiten Öffentlichkeit nicht bewusst. Doch da ihre Inhalte längst in das kollektive Gedächtnis und Wissen eingegangen sind, erzeugen sie unbewusst Wiedererkennung, Vertrautheit und damit eine Bereitwilligkeit zur Rezeption bis hin zur Anerkennung der Faktizität. Die Tagung versucht nach Phänomenen vonn Judenhass sowie nach Kontinuitäten von Judenfeindschaft bzw. Antisemitismus und deren Rezeptionsgeschichte zu fragen.

Antisemitismus als Phänomen. Kulturelle Codes des Judenhasses vom Mittelalter bis heute. CfP für die 30. Internationale Sommerakademie

Am 12. März 1421 wurden mehr als 200 Jüdinnen und Juden auf der „Gänseweide“ in Wien-Erdberg verbrannt, alle weiteren etwa 800 jüdischen Bewohner/innen des Herzogtums Österreich wurden vertrieben. Der nachgelieferte Grund war eine angebliche Hostienschändung. Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs nimmt dieses selbst für das Mittelalter extreme Ereignis zum Anlass, um 600 Jahre später nach den Phänomenen und Kontinuitäten von Judenhass zu fragen.

Sämtliche Beobachtungsstellen sowie auch Gerichte und betroffene Communities verzeichnen einen stetigen Anstieg von antisemitischen Angriffen, seien sie tätlich, verbal oder medial. Längst sind nicht mehr nur Rechtsextreme die Täter/innen; auch als Israel-Kritik getarnter Antisemitismus der politischen Linken ist zu beobachten. Muslimischer bzw. arabischer Judenhass teils aus politischen, teils aus religiösen Motiven wird zunehmend durch Migration in die europäischen Staaten importiert und in Umkehr wiederum fremdenfeindlich instrumentalisiert. Diesen Bedrohungen und schlussendlich demokratiegefährdenden Tendenzen muss nicht nur durch Maßnahmen der Legislative und Exekutive, sondern auch durch zielgruppengerechte Bildungsprogramme bereits für Kinder begegnet werden. Die Methodenversuche sind vielfältig, die Wirksamkeit schwer zu evaluieren.

Einen „kulturellen Code“ nannte im Jahr 1990 die israelische Historikerin Shulamit Volkov ihre Definition von Antisemitismus, der in unterschiedlichen Ausformungen Identitäten und Zugehörigkeiten von nichtjüdischen Gesellschaften prägte und prägt. Seither haben sich zahlreiche Forschungen und Publikationen mit den Anwendungen dieses Konzepts beschäf-tigt. Die Tagung soll in einem epochenübergreifenden Vergleich Phänomene vorstellen und diskutieren, die sich in verschiedenen kommunikativen Anwendungsformen als kulturelle Muster, Zeichen und Systeme durch die Jahrhunderte ziehen und bis heute wirksam sind.

Die lange historische Kontinuität von judenfeindlichen Codes ist der breiten Öffentlichkeit zwar nicht bewusst. Doch da ihre Inhalte längst in das kollektive Gedächtnis und Wissen eingegangen sind, erzeugen sie unbewusst Wiedererkennung, Vertrautheit und damit eine Bereitwilligkeit zur Rezeption bis hin zur Anerkennung der Faktizität. Diese Thesen werden einerseits auf wissenschaftlicher Ebene vorgestellt und diskutiert, andererseits dienen sie aber als Ansatz für didaktische Programme in unterschiedlichen Gruppen, von Schulen, Jugendlichen bis zur Erwachsenenbildung. Die entsprechenden Panels werden in Kooperation mit den Experten und Expertinnen von erinnern.at vorbereitet.

Die Kontinuitäten von Judenfeindschaft bzw. Antisemitismus und deren Rezeptionsgeschichte werden in mehreren thematischen Feldern – hier anhand einiger ausgewählter Beispiele – diskutiert:
- Methodik: Antisemitismus als kultureller Code, Stereotype, Zuschreibungen und Verschwörungstheorien vom Mittelalter bis heute, Antisemitismus und Gender
- Medien: Diskursanalyse von Bildern und Szenen, von mittelalterlichen Darstellungen bis zu aktuellen Comics; das Web als Raum für Vorurteile
- Konstruktionen von Biologie: Die „Reinheit des Blutes“ im spätmittelalterlichen Spanien bis zum Rassenantisemitismus; Antisemitismus und Gender
- Aktuelle Politik: Neue Rechte; Israel-Kritik und ihr Missbrauch; Propaganda arabischer Staaten; antisemitischer Vorwurf der Kollaboration
- Rezeptionsgeschichten judenfeindlicher Literatur wie der „Protokolle der Weisen von Zion“
- Antisemitismus in muslimischen Gemeinschaften, in differenzierter Darstellung „von innen“
- Perspektive der Betroffenen: Auswirkungen auf jüdische Gemeinden und als „jüdisch“ konnotierte Individuen, ihre gesellschaftlichen „Funktionen“ und Rollen
- Bildungsarbeit: Programme und Konzepte für alle Schulstufen sowie spezifische Erwachsenenbildung

Wir freuen uns auf Ihre Abstracts (max. 300 Wörter) und Kurzbiografie incl. Publikationen (max. 300 Wörter) und bitten Sie, diese bis 30. November 2020 per E-Mail an Dr. Sabine Hödl (sabine.hoedl@injoest.ac.at) zu senden. Den Referentinnen und Referenten steht eine halbe Stunde Rede- und 15 Minuten Diskussionszeit zur Verfügung. Die Tagungsorganisation übernimmt für Vortragende die Reise- und Hotelkosten.

Programm

Die Tagung findet von 7.–9. Juli 2021 im Volkskunde Museum Wien statt.

Contact (announcement)

sabine.hoedl@injoest.ac.at

http://www.injoest.ac.at
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Published on
05.11.2020
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