Digital Turn und Historische Bildungsforschung - Bestandsaufnahme und Forschungsperspektiven

Digital Turn und Historische Bildungsforschung - Bestandsaufnahme und Forschungsperspektiven

Veranstalter
Andreas Oberdorf, Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität
PLZ
48143
Ort
Münster
Land
Deutschland
Vom - Bis
18.06.2021 - 18.06.2021
Deadline
01.03.2021
Von
Andreas Oberdorf, Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Digital Turn und Historische Bildungsforschung - Bestandsaufnahme und Forschungsperspektiven

Der Forschungstag soll ein Forum für eine kritisch-konstruktive Bestandsaufnahme bieten, um aus aktuellen Forschungsprojekten aus dem Feld der Historischen Bildungsforschung zu berichten, in denen Arbeitstechniken und Methoden der Digital Humanities angewandt oder entwickelt werden. Davon ausgehend soll zudem die Frage erörtert werden, welche Herausforderungen, Risiken und Chancen sich aus dem wachsenden Einsatz digitaler Verfahren für die Historische Bildungsforschung ergeben.

The Digital Turn and History of Education Research - State of the Field and Perspectives

This workshop is intended to offer a forum for critical-constructive discussions and presentations of current research projects in which digital techniques and methods are explored or innovatively applied. This also raises the question of the challenges, risks, and opportunities emerging from the growing use of digital techniques and methods in history of education research.

Digital Turn und Historische Bildungsforschung - Bestandsaufnahme und Forschungsperspektiven

Historische Bildungsforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Forschungsgebiet entwickelt, das in seinen Themen, Methoden und theoretischen Bezügen vielseitig aufgestellt und interdisziplinär anschlussfähig ist. Arbeitstechniken und Methoden der Digital Humanities, die viele Bereiche der Geistes- und Kulturwissenschaften beeinflussen, finden allerdings noch wenig Anwendung. Obwohl sie innovative und wertvolle Impulse bereithalten, die weit mehr versprechen als einen bloßen Transfer von analog zu digital, gehen entsprechende Initiativen in bildungshistorischen Forschungsprojekten über explorative Ansätze und Erprobungen häufig nicht hinaus. Wichtige Ressourcen der Forschung stellen mittlerweile Archive, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen bereit, die Quellensammlungen zu bildungsgeschichtlichen Themen erschließen und mit Hilfe digitaler Forschungsinfra-strukturen auch langfristig nutzbar machen. Die Reichweite des Digital Turn scheint dennoch begrenzt zu sein, denn für die Analyse und Interpretation digitalisierter Sammlungen bzw. digitaler Quellen werden zumeist noch keine intelligenten, computerbasierten Technologien hinzugezogen. Unter Digital Humanities sind keine spezifischen Methodenkomplexe zu fassen, sondern vor allem neue Arbeitstechniken und ein Reservoir digitaler Werkzeuge, mit denen Forschung rascher und effektiver gestaltet werden kann sowie komplexe Strukturen und Ergebnisse leichter dokumentierbar werden. Wenn auf diese Weise auch neue Ergebnisse ermittelt werden können, die durch analoge bzw. konventionelle Techniken wissenschaftlichen Arbeitens nicht erreichbar wären, werden Digital Humanities auch in forschungsmethodischer Hinsicht bedeutsam.

Vor diesem Hintergrund soll der Forschungstag „Digital Turn und Historische Bildungsforschung“ ein Forum für eine kritisch-konstruktive Bestandsaufnahme bieten, um aus aktuellen Forschungsprojekten zu berichten, in denen Arbeitstechniken und Methoden der Digital Humanities angewandt oder entwickelt werden. Es besteht die Möglichkeit, digitale Werkzeuge und Methoden exemplarisch (im Sinne von Best Practice-Lösungen) vorzustellen und über deren Nutzen und weitere Anwendungsfelder in der Historischen Bildungsforschung ins Gespräch zu kommen. Hierbei kann z. B. verwiesen werden auf digitale Editionen, Wikis, digitale Verfahren der Bild- und Netzwerkanalyse, der Einbindung geographischer Informationssysteme oder weiterer Techniken zur Visualisierung komplexer Zusammenhänge und Strukturen.

Davon ausgehend soll die Frage erörtert werden, welche Herausforderungen, Risiken und Chancen sich aus dem wachsenden Einsatz digitaler Verfahren für die Historische Bildungsforschung ergeben (Van Ruyskensvelde 2014). Welchen Mehrwert können sie bieten? Welche Veränderungen sind zu beobachten? Können perspektivisch Erwartungen eingelöst werden, Historische Bildungsforschung stärker analytisch als deskriptiv zu betreiben, wie es auch Möglichkeiten der Statistik schon seit einiger Zeit versprechen (Tenorth 2016)? Sicher ist, dass mithilfe digitaler Verfahren nicht nur serielle bzw. soziometrische Daten geliefert werden können, sondern eine größere Vielfalt komplexer Informationen, die vorhandenes bildungsgeschichtliches „Wissen“ herausfordern und zugleich einen kreativen Umgang mit möglichen Widersprüchen und Interferenzen einfordern (Priem/Fendler 2019).

Abstracts im Umfang von ca. 300 Wörtern für einen ca. 20-minütigen Beitrag werden neben einer kurzen biographischen Notiz per E-Mail erbeten bis spätestens 1. März 2021 an Andreas Oberdorf (andreas.oberdorf@uni-muenster.de). Eine Rückmeldung wird spätestens Ende März 2021 gegeben. Beiträge aus dem wissenschaftlichen Nachwuchs sind ausdrücklich willkommen, ebenso trans- und interdisziplinäre Impulse. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Im Anschluss an den Forschungstag werden die Beiträge als Sammelband im Verlag Julius Klinkhardt publiziert. Als Einreichungsfrist der vollständigen Beiträge ist der 15. Oktober 2021 vorgesehen.

Auswahlliteratur:

Bachmann-Medick, Doris: Cultural Turns, Version: 2.0. Docupedia-Zeitgeschichte [17.06.2019]. DOI: 10.14765/zzf.dok-1389.
Jannidis, Fotis/Kohle, Hubertus/Rehbein, Malte (eds.): Digital Humanities. Eine Einführung, Stuttgart 2017 (2. Aufl. 2021). DOI: 10.1007/978-3-476-05446-3.
König, Mareike: “Die digitale Transformation als reflexiver ‚turn‘: Einführende Literatur zur digitalen Geschichte im Überblick.” Neue Polit. Lit. [24.11.2020]. DOI: 10.1007/s42520-020-00322-2.
Nieländer, Maret/De Luca, Ernesto William (eds.): Digital Humanities in der internationalen Schulbuchforschung. Forschungsinfrastrukturen und Projekte, Göttingen 2018.
Priem, Karin/Fendler, Lynn: “Shifting Epistemologies for Discipline and Rigor in Educational Research: Challenges and Opportunities from Digital Humanities.” EERJ, 18 (2019), 5, 499–512. DOI: 10.1177/1474904118820433.
Schuch, Jane/Tenorth, Heinz-Elmar/Welter, Nicole: “Historische Bildungsforschung – Innovation und Selbstreflexion.” ZfPäd, 56 (2010), 643–647.
Schwandt, Silke (ed.): Digital Methods in the Humanities. Challenges, Ideas, Perspectives, Bielefeld 2020.
Tenorth, Heinz-Elmar: “Historische Bildungsforschung.” Handbuch Bildungsforschung, eds. Rudolf Tippelt/Bernhard Schmidt-Hertha, Wiesbaden 2016. DOI: 10.1007/978-3-531-20002-6_5-1.
Van Ruyskensvelde, Sarah: “Towards a History of e-Ducation? Exploring the Possibilities of Digital Humanities for the History of Education.” PH, 50 (2014), 6, 861–870. DOI: 10.1080/00309230.2014.955511.

The Digital Turn and History of Education Research: State of the Field and Perspectives

In the last decades, the history of education has become a diverse and interdisciplinary research field in terms of topics, methods, and theoretical approaches. Scholars in this field, however, have so far paid little or no attention to techniques and methods of “Digital Humanities” that have already demonstrated a sustainable effect on the humanities and cultural studies. Despite the promising innovation potential, digital research projects in the field of history of education usually do not go beyond exploratory approaches. Though a number of libraries, archives, and research institutions already provide digital infrastructure allowing scholars to gain easier access to collections of digitalized sources, the effect of the digital turn is still somewhat limited, particularly as computer-based methods and new technologies are applied only rarely for analysis and interpretation in history of education research. The term “Digital Humanities” does not refer to a specific set of methods, but rather to new techniques, skills, and tools that help scholars to make their research more effective, complex structures more visible, and results easier to document. If new or better results are obtained that otherwise could not have been achieved, “Digital Humanities” are also important in terms of methodology.

Against this backdrop, this planned workshop is intended to offer a forum for critical-constructive discussions and presentations of current research projects in which digital techniques and methods are explored or innovatively applied: digital editions, wikis, digital tools for analyzing pictures and texts, GIS applications, and further visualization concepts, etc.

This also raises the question of the challenges, risks, and opportunities emerging from the growing use of digital techniques and methods in history of education research (Van Ruyskensvelde 2014). What is their genuine added value? Which changes can be observed? The crucial question here is whether digital methods will eventually meet the expectations to conduct research more analytically than descriptively, just as approaches from statistics seem to indicate (Tenorth 2016). Certainly, digital techniques “imply more than numerical operations” or sociometric data, but a diversity of complex information that challenges our knowledge and makes it necessary to work “creatively [...] with the contradictions and inconsistencies that have been produced and have accumulated previous configurations of our field” (Priem/Fendler 2019: 620).

The deadline for submitting abstracts (max. 500 words) for a 20-minute presentation and full author details is 1 March 2021. Please send your paper proposals to Andreas Oberdorf (andreas.oberdorf@uni-muenster.de). Presenters will be notified whether they have been accepted by 31 March 2021. Submissions from emerging researchers are welcome, as well as trans- and interdisciplinary approaches. The conference languages will be German and English. The publication of the contributions is planned as an edited volume by the publishing house Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn. The full paper is due on 15 October 2021.

Selected bibliography:

Bachmann-Medick, Doris: “Cultural Turns, Version: 2.0.” Docupedia-Zeitgeschichte [17.06.2019]. DOI: 10.14765/zzf.dok-1389.
Jannidis, Fotis/Kohle, Hubertus/Rehbein, Malte (eds.): Digital Humanities. Eine Einführung, Stuttgart 2017 (2. Aufl. 2021). DOI: 10.1007/978-3-476-05446-3.
König, Mareike: “Die digitale Transformation als reflexiver ‚turn‘: Einführende Literatur zur digitalen Geschichte im Überblick.” Neue Polit. Lit. [24.11.2020]. DOI: 10.1007/s42520-020-00322-2.
Nieländer, Maret/De Luca, Ernesto William (eds.): Digital Humanities in der internationalen Schulbuchforschung. Forschungsinfrastrukturen und Projekte, Göttingen 2018.
Priem, Karin/Fendler, Lynn: “Shifting Epistemologies for Discipline and Rigor in Educational Research: Challenges and Opportunities from Digital Humanities.” EERJ, 18 (2019), 5, 499–512. DOI: 10.1177/1474904118820433.
Schuch, Jane/Tenorth, Heinz-Elmar/Welter, Nicole: “Historische Bildungsforschung – Innovation und Selbstreflexion.” ZfPäd, 56 (2010), 643–647.
Schwandt, Silke (ed.): Digital Methods in the Humanities. Challenges, Ideas, Perspectives, Bielefeld 2020.
Tenorth, Heinz-Elmar: “Historische Bildungsforschung.” Handbuch Bildungsforschung, eds. Rudolf Tippelt/Bernhard Schmidt-Hertha, Wiesbaden 2016. DOI: 10.1007/978-3-531-20002-6_5-1.
Van Ruyskensvelde, Sarah: “Towards a History of e-Ducation? Exploring the Possibilities of Digital Humanities for the History of Education.” PH, 50 (2014), 6, 861–870. DOI: 10.1080/00309230.2014.955511.

Kontakt

Dr. Andreas Oberdorf
Westfälische Wilhelms-Universität
Institut für Erziehungswissenschaft
AG Historische Bildungsforschung
Georgskommende 26, 48143 Münster
E-Mail: andreas.oberdorf@uni-muenster.de
Tel.: +49 251 83-24255