Arbeit/Zeit. Globale Perspektiven

Arbeit/Zeit. Globale Perspektiven

Veranstalter
Vorbereitungsgruppe GLHA-Konferenz 2022 in Kooperation mit dem Museum der Arbeit, Hamburg
PLZ
20355
Ort
Hamburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
03.03.2022 - 05.03.2022
Von
Nina Kleinöder, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Philipps-Universität Marburg

Im Mittelpunkt der zweiten Konferenz der German Labour History Association (GLHA) stehen historische und sozialwissenschaftliche Zugänge zum Verhältnis von Arbeit und Zeit in verschiedenen Perioden und Weltregionen. Adressiert sind Beiträge aus dem gesamten empirischen, theoretischen und methodischen Spektrum der Geschichtswissenschaft sowie der Sozial- und Kulturwissenschaften. Der zeitliche Schwerpunkt der Beiträge sollte vorrangig in der Neueren Geschichte (19. bis 21. Jahrhundert) liegen.

Arbeit/Zeit. Globale Perspektiven

Um das Verhältnis von Arbeit und Zeit wurde (vor allem) in kapitalistischen Gesellschaften von jeher gerungen. Die Aushandlungen und Konflikte um die Ausgestaltung und Regulierung von Erwerbs- wie Reproduktionsarbeit wie auch um Lohnstandards oder Arbeitsgestaltungsfragen sind dabei keine singulären Konflikte, sondern finden vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und historisch entstandener Zeitregime statt. Entsprechend war und ist die Aushandlung von (Arbeits-)Zeit eines der Kernthemen der ArbeiterInnen-Bewegung weltweit. Seit einigen Jahren gewinnt „Arbeitszeit, die zum Leben passt“ nicht nur als Gegenstand tariflicher Regulierung, sondern auch als Thema sozialwissenschaftlicher Forschung an Bedeutung. Zugleich ist das Verhältnis von Arbeit und Zeit zu einem Gegenstand lebhafter historischer Debatten geworden. Im zeitlichen Bogen von disziplinierender Zeitregulierung seit 1800 und der Flexibilisierung von Zeitregimen seit Ende des 20. Jahrhunderts gewinnen dabei u. a. praxeologische Perspektiven an Bedeutung. Wie gestalteten sich Zeitpraktiken im Spannungsfeld von Lohnarbeit, Reproduktionsarbeit und Freizeit – und wie veränderten sie sich im Zeitverlauf? Wer profitierte von der zunehmenden Regulierung von Arbeit und Zeit, wer zählte zu den Verlierer/innen, und welche Konflikte um Zeit entzünde(te)n sich in Betrieben, Haushalten und auf gesellschaftlicher Ebene?

Im Mittelpunkt dieser Konferenz stehen historische und sozialwissenschaftliche Zugänge zum komplexen Verhältnis von Arbeit und Zeit in verschiedenen Perioden und in verschiedenen Weltregionen. Diskutiert werden sollen empirische Einzelfallstudien, zeitlich und räumlich vergleichende Ansätze sowie Beiträge, die sich mit der Vermittlung des Spannungsfeldes von Arbeit und Zeit in Museen oder der Public History befassen. Wir begrüßen Beiträge, die den Blick über den Nationalstaat und auch über den Globalen Norden hinaus erweitern, etwa durch eine transnationale/globalhistorische Perspektive auf das Verhältnis von Arbeit und Zeit.

Die Beitragsvorschläge sollten folgende Perspektiven adressieren: Arbeitszeit im Lohnverhältnis; Reproduktionszeit (einschließlich Zeiten für Care-Arbeit oder des Verhältnisses der Zeiten von Nicht-Arbeit zur Arbeitszeit); Zeitregime (in Hinblick auf die Wechselwirkungen zwischen der Arbeitswelt und den gesellschaftlichen Standards der Zeitverwendung in anderen Bereichen). Im Fokus der Beiträge können etwa die Auseinandersetzungen um die zeitlichen Grenzen der Nutzung von Arbeitszeit durch Unternehmen stehen: Wie wurden und werden Arbeitszeiten vereinbart und kontrolliert? Wie legen Beschäftigte, Unternehmen und andere Akteure diese Regulierungen aus und unterlaufen sie dabei mitunter? Wie unterscheiden sich (regional-geografische) Vorstellungen, Normen und Praktiken von Arbeitszeit, welche Gemeinsamkeiten gibt es aber auch? Die Gestaltung und Kontrolle von Arbeitszeit steht in direkter Wechselwirkung mit der Regulierung jener Zeiten, die der (Wieder-)Herstellung von menschlicher Arbeitskraft gewidmet sind und Zeiten, die der Care- und Sorgearbeit für Dritte dienen. Diese Reproduktionsarbeit erfolgt alltäglich, aber auch im Verlauf einer Erwerbsbiographie oder im Verhältnis zwischen den Generationen. Hier können etwa Fragen nach der Ausgestaltung des Verhältnisses von Arbeits- und Reproduktionszeit und insbesondere des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern aufgeworfen werden. Ein weiterer Fokus kann auf Fragen der „Freizeit“ als einer neuen, mit der Industrialisierung entstandenen Zeitkategorie gelegt werden. Auf der übergeordneten Betrachtungsebene ist das Verhältnis von Arbeit und Zeit Gegenstand von (gesellschafts-)politischen Aushandlungen, in deren Ergebnis sich unterschiedliche Zeitregime mit eigenen Logiken und Dynamiken entwickeln. Insofern begrüßen wir Beiträge, die die Entstehung solcher Zeitregime und deren Veränderungen thematisieren.

Für die Tagung „Arbeit/Zeit. Globale Perspektiven“ sind Beiträge aus dem gesamten empirischen, theoretischen und methodischen Spektrum der Geschichtswissenschaft sowie der Sozial- und Kulturwissenschaften willkommen. Der zeitliche Schwerpunkt der Beiträge sollte vorrangig in der Neueren Geschichte (19. bis 21. Jahrhundert) liegen. Die Konferenzsprache ist Deutsch, englischsprachige Beiträge sind möglich.

Reisekosten und Unterkunft werden vorbehaltlich der Mitteleinwerbung erstattet.

Ein Abstract mit etwa 400 Worten und ein kurzes akademisches CV sind bis zum 1. Mai 2021 zu senden an Knud Andresen (andresen@zeitgeschichte-hamburg.de) und Nina Kleinöder (nina.kleinoeder@staff.uni-marburg.de). Rückmeldungen werden bis zum 30.06.2021 versandt.

https://www.germanlabourhistory.de/
Redaktion
Veröffentlicht am
13.01.2021