Otto Piper und die frühe Burgenforschung in Mitteleuropa

Otto Piper und die frühe Burgenforschung in Mitteleuropa

Veranstalter
Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern e.V.
PLZ
99817
Ort
Eisenach
Land
Deutschland
Vom - Bis
18.06.2021 -
Deadline
15.03.2021
Von
Guido v. Büren, Bibliothek, Museum Zitadelle Jülich

Am 18. Juni 2021 wird die Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern e.V. in Kooperation mit dem Deutschen Burgenmuseum eine virtuelle Tagung zur frühen Burgenforschung in Mitteleuropa veranstalten. Anlass ist der 100. Todestag von Otto Piper (1841–1921).

Otto Piper und die frühe Burgenforschung in Mitteleuropa

Otto Piper ist heute vor allem als Autor der „Burgenkunde“ und Erfinder dieses Begriffs bekannt, außerdem durch seinen jahrelangen Konflikt mit dem Architekten und Burgenforscher Bodo Ebhardt. Um 1900 war Piper jedoch der bedeutendste mitteleuropäische Burgenforscher überhaupt. Doch was wissen wir wirklich über Otto Piper und die Voraussetzungen für die Burgenforschung in seiner Zeit? Mit wem hat Piper sich ausgetauscht, worauf hat er seine Forschungen begründet, wie hat er sich öffentlich Gehör verschafft? Und wie kam es zu der schnellen internationalen Bekanntheit Pipers nach Erscheinen der „Burgenkunde“ 1895? Was wissen wir über Otto Piper als Journalist und als Politiker? Welche Perspektiven ergeben sich daraus für die Forschungsgeschichte von Burgen und Wissenschaftsgeschichte der Burgenforschung einerseits und für die zukünftige Forschung in Geschichte, Kunstgeschichte und Baugeschichte andererseits?

Unabhängig von Vorläufern der modernen Burgenforschung im 17. und 18. Jahrhundert will das eintägige Zoom-Symposium die Wissenschaftsgeschichte der Burgenforschung im letzten Drittel des 19. und ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in den Blick nehmen.

Die Referate sollten eine Länge von 10 bis 15 Minuten haben.

Die Tagung umfasst folgende Sektionen und Themenbereiche:

Otto Piper – Biographie, journalistische und politische Arbeit
Der promovierte Jurist wirkte zunächst als Journalist und anschließend für zehn Jahre als Bürgermeister. Über beide Tätigkeiten ist bisher wenig bekannt. Um seine Arbeit als Journalist in Straßburg, Trier und Düsseldorf vorzustellen, ist ein Blick in die betreffenden Zeitungen nötig (Niederrheinischen Courier Straßburg (ab Sommer 1873), Saar- und Mosel-Zeitung, Trier (1875-77), Düsseldorfer Morgenzeitung (Hrsg. Otto Piper, kurz im Jahr 1877) und Düsseldorfer Zeitung (1877-79; einige Artikel als „Rheinische Spaziergänge in Buchform veröffentlicht). Als Bürgermeister wirkte er in Penzlin/Mecklenburg.

Otto Piper und die Burgendenkmalpflege zwischen 1890 und 1920
Otto Pipers Position zum Wiederaufbau von Burgen wird bestimmt durch Äußerungen auf den Denkmalpflege-Tagungen, in den offiziellen Zeitschriften und in den Gutachten zu den Schlössern Tirol und Vaduz, besonders aber durch den Streit um den Wiederaufbau der Hohkönigsburg. Der Konflikt zwischen Piper und Ebhardt wird zwar immer wieder thematisiert, nicht aber die konkrete Kritik Pipers im Einzelnen, auch nicht die Reaktion in den regionalen Zeitungen. Interessant sind im Vergleich dazu die Haltung von Georg Dehio und die Position auf den „Denkmalpflegetagen“, insbesondere zwischen 1898 und 1905, aber auch Dehios Reaktion auf den Wiederaufbau der Hohkönigsburg.

Otto Piper und die Alpenländer
Als 1899 einziger überregional bekannter Burgenfachmann wurde Piper um Mitwirkung an der Restaurierung der Burg Tirol gebeten. Daraus entwickelte sich die Bekanntschaft mit Graf Wilczek und Fürst Liechtenstein. Piper konnte anfänglich in zwei Baukommissionen mitwirken (Tirol und Vaduz) und eine Burg erwerben (Branzoll über Klausen), vor allem aber ein achtbändiges Werk über Burgen in der Donaumonarchie („Österreichische Burgen“) schreiben. Mögliche Themen hier wären: Pipers Forschung an ausgewählten Österreichischen Burgen – Vorgehensweise, Erkenntnisse und (ggf.) Irrtümer; Burg Branzoll bei Klausen als Sonderfall – 15 Jahre im Besitz von Otto Piper; Vorschläge Pipers zu den Baumaßnahmen in Vaduz und Schloss Tirol

Vorläufer und Zeitgenossen Pipers
Auch wenn Piper für kurze Zeit zwischen 1895 und 1900 der einzige namhafte aktive deutsche Burgenforscher war, sind Debatten mit Kollegen und Konkurrenten, vor allem aber der kritische Umgang mit der älteren Literatur wesentlich. Welche Rolle spielten Forschungsansätze und Publikationen insbesondere der Jahre zwischen 1880 und 1920, namentlich Bodo Ebhardt und C. August v. Cohaussen? Ein Beispiel könnte die Burg Wertheim sein, ein weiteres die Kommentierung älteren Literatur in der „Burgenkunde“. Am Rand wollen wir im Hinblick auf die Frühgeschichte der Burgenforschung auch nach der Rolle der Frauen in der Burgenforschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts fragen.

Einzelne Aspekte
Derzeit sind zwei Skizzenbücher Pipers bekannt, eines davon zu seinen Italienreisen. Sollten weitere Skizzenbücher bekannt werden (es muss wenigstens 15 gegeben haben), ergäbe sich hieraus ein Referatsthema. Ein weiteres Thema könnte ein Vergleich in der Methodik zwischen der Burgenkunde und seinem Spätwerk „Der Spuk“ sein. Für weitere Vorschläge sind wir selbstverständlich offen.

Ausgewählte Vorträge sollen veröffentlicht werden (peer-reviewed).
Für eine Kurzinformation zu Otto Piper verweisen wir auf den Rundbrief 75 der Wartburg-Gesellschaft (im Internet verfügbar, http://www.wartburggesellschaft.de/files/WBG_Rundbrief_75_Sept_2020.pdf).

Kontakt

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann
g.u.grossmann@gnm.de

Redaktion
Veröffentlicht am
13.01.2021
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