Computer und Medizin

Veranstalter
Laura Niebling (Universität Regensburg), David Freis (Universität Münster), Tobias Kussel (Technische Universität Darmstadt)
PLZ
93053
Ort
Regensburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.02.2021 - 01.03.2021
Deadline
01.03.2021
Von
Laura Niebling, Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur, Universität Regensburg

Für eine Sonderausgabe der Peer-Review-Zeitschrift "Curare" zum Thema "Computer und Medizin" lädt das Herausgeber/innen-Team Beiträge ein, mit denen erstmals die Geschichte des Computers in der deutschen Medizin umfassend beleuchtet werden soll. Die Ausgabe versucht das Verhältnis von "Computer und Medizin" aus interdisziplinärer Perspektive kulturell und technisch zu verorten und so die aktuelle Situation einzuordnen und zu rahmen.

Computer und Medizin

Von der Hausarztpraxis bis zum High-Tech-Operationssaal haben sich Computer in den vergangenen Jahrzehnten als ein wichtiges Instrument der medizinischen Tätigkeit etabliert. Computer erfassen, speichern, bearbeiten und übertragen medizinische Daten, sie organisieren und verwalten den ärztlichen Arbeitsalltag und sie fungieren zunehmend als Begleiter, bisweilen sogar schon als Ersatz für Fachleute in der modernen Medizin.

Die Geschichte dieser Computer, ihrer Netzwerke und Datenzentren begann in beiden deutschen Staaten in den 1960er Jahren. Damals wie heute ist sie begleitet von Hoffnungen und Zukunftsvisionen, aber auch von Kontroversen und technischen Dystopien und den Ambivalenzen zwischen Konzepten und der alltäglichen Arbeitspraxis in der Medizin. Debatten zu Bildlichkeit, Datenschutz, ethischer Verantwortlichkeit und dem Verhältnis Arzt, Patient und Maschine prägen den Diskurs um Computer als medizinische Medien, begleiten und gestalten die Computermedizin und die Entwicklung einer digitalen »Medizin 4.0«, also die Verbindung von Informations- und Kommunikationstechnologien für Apparate (Computermedizin), Netzwerke (Internetmedizin) und Datennutzung (Big Data, Künstliche Intelligenz) im Gesundheitssektor.

Trotz der Bedeutung des Computers in der Medizin der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit und der zu erwartenden Entwicklungen der nahen Zukunft erweisen sich die Geschichtsschreibung und die kulturwissenschaftliche Reflexion der Computermedizin in Deutschland als lückenhaft und fragmentarisch. Unser Ziel ist daher, die Geschichte und heutige Rolle der Computer in der Medizin erstmals in einer breiten und systematischen Perspektive zu bearbeiten. Hierfür sollen die Medizin und die in den 1970er Jahren entstandene Medizininformatik als Arbeits- und Entwicklungsfelder der Technologien mit kulturhistorischen Perspektiven auf die Rolle von Medizinmedien verbunden werden.

Ziel ist es, historische und aktuelle Debatten herauszuarbeiten, verschiedene Forschungs- und Arbeitsbereiche in einen Dialog zu bringen und ein umfassenderes Verständnis von Computern in der Medizin zu gewinnen. Hierzu laden wir für eine Special Issue der medizinanthropologischen Zeitschrift Curare Beiträge aus kulturwissenschaftlichen Fächern, insbesondere der Medizingeschichte, Medizinethnologie und Medienwissenschaft, sowie explizit auch der Medizin und Medizininformatik ein.
Erwünscht sind Beiträge, die Aspekte der Computermedizin über einzelne Projekte und Fallstudien hinaus beleuchten und verorten.

Mögliche Themen umfassen:
- Medizinische Computertechnologien und ihr Verhältnis zu Menschen und Kör pern (Bildlichkeit, Interfaces, Gadgets, Daten)
- Computer als Akteure und Instrumente in der Medizin (OP-Roboter, Apparatemedizin, Individualmedizin, technische Obsoleszenz im Klinikalltag)
- Computer als Verwaltungs- und Überwachungsapparate (Governance, Expertensysteme und künstliche medizinische Intelligenz)
- Paradigmen und Debatten von Computernetzwerken (Interoperabilität, Datenschutz, Telematikinfrastruktur, (A-)Synchronität als Motiv in der Telemedizin, Internetmedizin)
- Der Computer als Instrument in einer zunehmend ökonomisierten Medizin seit den 1970er-Jahren (Ausbildung neuer Branchen, Wirtschaftskonflikte, Rückwirkung auf die alltäglichen medikalen Praxen, Krankenkassen und z.B. die Rolle der IGeL-Leistungen)

Die Peer-Review Zeitschrift Curare besteht seit 1978 und ist Deutschlands ältestes Journal für Medizinethnologie. Sie erscheint zweimal jährlich als Doppelheft und bietet eine zweisprachige, internationale und interdisziplinäre Plattform für Diskussionen zum Verhältnis von Gesellschaft, Menschen und Medizin. Weitere Informationen unter http://agem.de/curare/ueber-curare/. Insbesondere für diese Special Issue sind explizit auch Beiträge aus der Medizin, der Medizininformatik und den verwandten Feldern erwünscht.

Die Ausgabe soll im Frühjahr 2022 erscheinen. Deadline für die fertigen Artikel ist der 01.07.2021. Bitte senden Sie Ihre Abstracts (max. 500 Wörter + kurze Vita) bis 01.03.2021 an: david.freis@uni-muenster.de.

Kontakt

david.freis@uni-muenster.de