Heimat(en) - Diskurse und Perspektiven aus geschichtsdidaktischer Sicht

Heimat(en) - Diskurse und Perspektiven aus geschichtsdidaktischer Sicht

Veranstalter
Zeitschrift für Geschichtsdidaktik
PLZ
37085
Ort
Göttingen
Land
Deutschland
Vom - Bis
27.05.2021 -
Deadline
11.06.2021
Von
Juliane Brauer

Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 20 (2021): Themenschwerpunkt: Heimat(en) - Diskurse und Perspektiven aus geschichtsdidaktischer Sicht

Heimat(en) - Diskurse und Perspektiven aus geschichtsdidaktischer Sicht

Die Zeitschrift für Didaktik der Geschichte widmet sich mit dem Themenschwerpunkt „Heimat(en) – Diskurse und Perspektiven aus geschichtsdidaktischer Sicht“ einem historisch und gesellschaftlich aktuellen wie relevanten Themenkomplex.

Heimat ist in aller Munde, ob in Presse oder in (populär)wissenschaftlichen Publikationen. Heimat ist vor drei Jahren mit dem „Ministerium des Innern für Bau und Heimat“ gar zu einer staatlich administrativen Angelegenheit geworden. Damit ist Heimat nicht nur ein Emotionsgenerator, als der das Konzept seit spätestens Mitte des 19. Jahrhundert galt, sondern auch gesellschaftlicher Diskussionsraum und Gegenstand politischen Handelns. Besondere Brisanz erhält diese Debatte durch die konsequente Besetzung des Begriffs durch rechtsorientierte Populisten. Heimat ist nicht nur „Politik“, sondern gerade auch „Praxis“. Vorstellungen von und Einstellungen zu Heimat und somit Erzählungen über Heimat sind eng mit gesellschaftlichen Fragen von Zugehörigkeit und Partizipation verknüpft. Heimat eröffnet vor allem historische Diskursräume und stellt auf diese Weise eine Herausforderung für die historisch-politische Bildung dar. Heimat ist ein Aushandlungsgegenstand der Geschichtskultur, und als Schlüsselbegriff geschichtsdidaktischer Arbeitsfelder wie Identität, Nation, Migration, Diversität und Emotionen ist Heimat nicht wegzudenken. Insbesondere in der Migrationsgesellschaft (Mecheril) bzw. der postmigrantischen Gesellschaft ist der Heimatbegriff keinesfalls obsolet geworden, sondern lädt zu Projektionen und Aneignungen ein.

Das Themenheft soll Anstoß für eine neue wissenschaftliche Diskussion und eine kritische Standortreflexion zu Heimat in der Geschichtsdidaktik geben. Was waren Konzepte von Heimat in der Vergangenheit, wie verliefen Konjunkturen, aber v.a. was bedeuten diese für unseren heutigen Gebrauch von Heimat? Wie kann oder sollte ein wissenschaftlicher Diskurs über Heimat geführt werden, um der aktuellen Brisanz zu begegnen? In Hinblick auf die Bedeutung von Heimat für menschliche Erfahrungen und der Präsenz des Begriffes in der gegenwärtigen Geschichtskultur bietet es sich für die ZfGD besonders an, Potenziale und Herausforderungen von Heimat für das historische Denken und Lernen in und außerhalb des Geschichtsunterrichtes auszuloten.

Primäres Interesse einer geschichtsdidaktischen Perspektivierung von Heimat ist daher zum einen die Bestandsaufnahme bestehender geschichtskultureller Praktiken und didaktischer
Thematisierungen sowie die Formulierung von Perspektiven für geschichtsdidaktische Forschung und Pragmatik. Besonders gewinnbringend erscheint hierbei eine inter- bzw. transdisziplinäre, aber geschichtsdidaktisch verankerte Annäherung an Migrationsforschung, Sozial- und Politik- sowie Kulturwissenschaften.

Mit dem Begriff Heimat lassen sich Wahrnehmungs- und Deutungshorizonte vergangener Zeiten rekonstruieren und gegenwärtige Orientierungsbedürfnisse aufzeigen, um eine Zukunftsperspektive für Gesellschaft und Disziplin zu diskutieren. Daher geht es uns auf der Ebene der Theorie um Beiträge, die eine theoretische und empirisch evidente Rahmung von Heimat hinsichtlich Fragen der Narration, Identität, Zugehörigkeit, Emotionen und Partizipation an Geschichtskultur in unserer pluralen und digitalen Gesellschaft diskutieren.

Auf der Ebene der Empirie möchte das Themenheft verschiedene Überlegungen anregen: Wie lässt sich Heimat im Kontext von Geschichtsunterricht in einer pluralen Gesellschaft verorten, die sich in einem epochalen Wandel zu einer digitalen Gesellschaft befindet? Welche Erzählungen von Heimat lassen sich in Geschichtsbüchern oder Open-Educational-Resources finden? Wie werden in Vergangenheit und Gegenwart Inklusion und Exklusion über Heimat begründet und konstruiert? Denkbar wären z.B. ein kritisch-analytischer Blick in Schulbücher zum Umgang mit „Heimatnarrationen“, empirische Studien zum Umgang mit Heimat inner- und außerhalb des Geschichtsunterrichts oder in der Verhandlung von Identität, Zugehörigkeit und Partizipation in der Geschichtskultur.

Auf der Ebene der Pragmatik sollen Konzeptionen von Heimat- und Migrationsmuseen beziehungsweise didaktische Angebote zur Darstellung und Deutung von Flucht und Vertreibung diskutiert werden. Ebenso möglich ist eine kritische Analyse und Vorstellung von Praxisbeispielen aus geschichtsdidaktischer Perspektive, die in der Praxis mit Heimat operieren oder diese für Geschichts(um)deutungen nutzen.

Das Spektrum möglicher Themen und Fragestellungen ist breit an geschichtsdidaktische Forschung sowie inter- bzw. transdisziplinäre, aber geschichtsdidaktisch verankerte disziplinäre Perspektiven der Migrationsforschung, Sozial- und Politik- sowie Kulturwissenschaften adressiert.
- „Recht auf Heimat“ und Menschen- bzw. Bürgerrechte in der Geschichte und ihr Widerhall z.B. in Menschenrechtsbildung
- Praktiken von „Beheimatung“ in Geschichte und Gegenwart und die damit verbundene Funktion von Geschichtskultur
- Heimat(en) erzählt, visualisiert oder vertont (Medien des Heimatdiskurses als geschichtskulturelle Objektivationen)
- Heimat als Gegenstand schulischer Bildung in Geschichte und Gegenwart
- „Heimat(en)“, Nation, Religion und Identität(en)
- Heimat in Museen und Gedenkorten und der Bezug von museumspädagogischen Konzepten zu historischem Lernen.
- „Heimat(en)“ digital. Digitale Medien und digitales historisches Lernen
- „Heimat(e)“, Identität(en) und Zugehörigkeit(en) im historischen Lernen
- Heimat als Raumerfahrung
- Das Themenfeld Heimat im Fächerverbund der Gesellschaftswissenschaften
- Heimat als Aushandlungsraum von Partizipation und Emanzipation in der pluralen Gesellschaft
- Heimat aus postkolonialer Perspektive

Das geschichtsdidaktische Potenzial zeigt sich an der Perspektivenvielfalt und -spanne im Umgang mit dem Begriff Heimat, dessen Verständnis und Praktiken um Aneignung von Heimat. Historische und historisch-politische Argumentationen, die sich nicht nur auf Heimat als geografische Angabe beziehen, vollziehen sich durch die Narrative und Deutungen von Heimat. Sie spiegeln nicht nur Geschichtsbewusstsein, sondern auch die praktisch wirksame Artikulation im Leben einer pluralen Gesellschaft.

Auch die kommende Jahresausgabe der ZfGD wird wie gewohnt ein „Forum“ enthalten, in dem nicht-themengebundene Beiträge publiziert werden können.

Organisatorisches und Rezensionsteil
Interessent:innen für die Übernahme eines Beitrages werden gebeten, Kurzexposés im Umfang von ca. einer Seite mit kurzen biografischen Angaben bis zum 11. Juni 2021 bei den Gastherausgeber:innen einzureichen. Nach zeitnaher Prüfung der Exposés erfolgt die Rückmeldung und Anforderung der Beiträge gegen Mitte Juli. Die finalen Manuskripte müssen bis zum 30.11.2021 vorliegen. Danach werden die Beiträge in einem double blind peer review-Verfahren begutachtet. Im März 2022 erfolgt die Information über die Ergebnisse der Begutachtung. Der Beitragsumfang ist auf max. 45.000 Zeichen (inkl. Fußnoten und Leerzeichen) begrenzt.

Die Redaktionsrichtlinien können Sie unter https://www.historicum.net/kgd/publikationen/zeitschrift-fuer-geschichtsdidaktik abrufen (ein CITAVI-Zitationsstil "Zeitschrift für Geschichtsdidaktik" ist im Rahmen von CITAVI verfügbar). Die eingereichten Beiträge werden in einem doppelt anonymisierten Peer-Review-Verfahren begutachtet. Aufgrund dieser Redaktionsabläufe (nebst Rückmeldung an die Autor:innen) können nicht fristgerecht eingereichte Manuskripte keine Berücksichtigung finden.

Zudem wird ebenfalls bis zum 11. Juni 2021 um Angebote für Rezensionen zu Neuerscheinungen in den Publikationsjahren 2020 und 2021 gebeten. Der Umfang der Rezensionen ist auf 5.000 Zeichen (incl. Leerzeichen) begrenzt.

Bitte senden Sie Ihr Beitragsexposé bzw. Ihr Rezensionsangebot an:
Prof.‘in Dr. Juliane Brauer brauer@uni-hildesheim.de
Jun.-Prof.’in Dr. Lale Yildirim lale.yildirim@uni-osnabrueck.de

Kontakt

Prof.‘in Dr. Juliane Brauer brauer@uni-hildesheim.de; Jun.-Prof.’in Dr. Lale Yildirim lale.yildirim@uni-osnabrueck.de

Redaktion
Veröffentlicht am
16.04.2021
Beiträger
Klassifikation
Weitere Informationen

Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung