Sozialkreditsysteme in China und dem Westen

Sozialkredit-System in China und Datenkapitalismus im Westen

Organizer
GI, Fachgruppe „Internet und Gesellschaft“ Institute for Advanced Study "Medienkulturen der Computersimulation" (MECS) an der Leuphana Universität Lüneburg Deutsche China-Gesellschaft (Leuphana Universität Lüneburg/MECS)
Host
Leuphana Universität Lüneburg/MECS
Venue
Leuphana Universität Lüneburg
Funded by
DFG, GI e. V.
ZIP
21335
Location
Lüneburg
Country
Germany
From - Until
18.06.2021 - 19.06.2021
By
Martin Warnke, MECS, Universität Lüneburg

Sozialkredit-System in China und Datenkapitalismus im Westen –
Herrschaft durch Scoring und datengestützte Simulation von Gesellschaft: Konferenz und Buchvorstellung, 18.06.2021, 09:00 - 19.06.2021, 18:00

Sozialkredit-System in China und Datenkapitalismus im Westen

Wir alle nutzen soziale Medien im Internet, lassen uns durch Karten-, Spiele- oder Wetter-Apps orten, mit Wearables vermessen und befragen Suchmaschinen nach allem, was wir wissen wollen. Wie weit sind wir bereits abhängig, werden manipuliert und kontrolliert? Welche Konzerne und politischen Interessengruppen nutzen die Einfluss-Möglichkeiten des Internets für kommerzielle oder politische Zwecke in liberalen Gesellschaften? Wie nutzen autoritäre Regierungen diese Einfluss-Möglichkeiten zum Machterhalt gegenüber ihren Bürger:innen? In welcher Art von Gesellschaft wollen wir leben? Wie ist das enorme Machtgefälle zwischen betroffenen Usern und datenverarbeitenden Organisationen zu bewerten, vielleicht sogar zu ändern, zumal die städtische Lebensumgebung in Form von Smart Cities komplett datafiziert werden wird? Wie unterscheiden sich fernöstliche Indoktrination mittels ubiquitärer Überwachung und Steuerung vom datenbasierten Manipulationskapitalismus im Westen?

Chinas Sozialkredit-System erscheint als Realisierung dystopischer Simulationen, Prognosen oder als moderne staatliche Kybernetik. Wir untersuchen, was Kredit-Scoring, Schufa, Creditreform, Facebook, Bonussystemen von Krankenkassen, Payback-Systemen, Videoüberwachung, staatlichen und privaten Datensammlungen in Europa voneinander unterscheidet und wie der Zusammenhang zwischen dem Internet als Kommunikations-Infrastruktur und als rezenter Herrschaftstechnik zu beschreiben ist. Die Tagung erörtert, welches Gewicht digitalisierte Systeme erlangen, wenn sie etwa in automatisierter Rechtsprechung eingesetzt werden.

Auf der Konferenz erörtern Sinologen, Informatikerinnen, Kommunikations-, Medien-, Politik- und Kulturwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen diese Fragen anhand von Beispielen innerhalb und außerhalb Chinas. Die Wissenschaftlerinnen bieten vielfältige Perspektiven auf ein globales Phänomen an, sie diskutieren auch Fragen um die sogenannte Smart-City als Ziel von (Alb-)Träumen digitalisierter Kontrolle.

Original-Texte der Konzeption und Ausgestaltung des Sozialkredit-Systems liegen jetzt in deutscher Übersetzung vor und werden in Buchform auf der Konferenz vorgestellt: M. Woesler und M. Warnke (Hg.) Sozialkybernetik in statu nascendi - Die Entstehungsgeschichte des chinesischen Sozialkreditsystems. Berlin: Matthes & Seitz 2021.

Zur Tagung wird ein Reader mit den Beiträgen der Vortragenden bereit gestellt. Konferenz-Sprache ist Deutsch.

Die Tagung wird in Abhängigkeit vom weiteren Verlauf der COVID-19-Pandemie online, in Hybridform oder als Präsenzveranstaltung stattfinden. Alle Teilnehmerinnen und Interessenten werden weit im Voraus über die Planung informiert, sobald eine Entscheidung getroffen worden ist.

Zu dieser Veranstaltung können Sie sich bei

https://fg-internet.gi.de/veranstaltung/sks21

anmelden.
Die Teilnahme ist kostenfrei.

Kontakt: Martin Warnke <warnke@leuphana.de>

Programm

Vorläufiges Programm

Freitag, 18.06.2021

I Zum Stand der Kreditsysteme in der VR China
Martin Warnke: Sozialkybernetik in statu nascendi. Die Entstehungsgeschichte des chinesischen Sozialkreditsystems – Quellentexte zum chinesischen SCS
Antonia Hmaidi: „Das“ chinesische Sozialkreditsystem – Kann es Ressourcen fairer verteilen und Vertrauen wieder herstellen?
II Aspekte des Datenkapitalismus im Westen
Andreas Bernard: Komplizen des Erkennungsdienstes: Das Selbst in der digitalen Kultur
Wolfgang Coy: ›Wir schaffen Vertrauen!‹ Bewertung von Schuldfähigkeit durch die SCHUFA und ähnliche Einrichtungen
Andrea Knaut: Ich stimme zu & weiter – Probleme der „freiwilligen“ und „informierten" Zustimmung zu den Terms of Use der GAFAM
Thomas Winklmeier: California über allem. Die Smart City als kybernetisches Projekt
Linus Neumann (angefragt)

Samstag, 19.06.2021

III SCS-Alltag in Wirtschaft und Recht
Doris Fischer: SCS für Unternehmen – Macht das Sinn?
Marianne v. Blomberg: Regulierung durch Shaming – Das Sozialkreditsystem als Pranger für Umweltsünder, Steuerschuldner, Lockdown-Ignoranten und andere Gesetzesbrecher
IV Die Zukunft unter dem SCS
Martin Woesler: ‚Vermessene’ Menschen – An der Schwelle zur Kommunikationsepoche 5.0 und einer Smart Society zwischen Utopie und Dystopie
Katika Kühnreich: Social Credit, Sicherheit und Freiheit SCS, Kybernetik und Propaganda – Die Datafizierung von Menschen und Systemen
Rainer Rehak: Hongkong. Von der „City of Convenience“ zur „City of Control“

Contact (announcement)

warnke@leuphana.de

https://www.leuphana.de/dfg-programme/mecs/veranstaltungen/sozialkredit-system-in-china-und-datenkapitalismus-im-westen-herrschaft-durch-scoring-und-datengeschuetzte-simulation-von-gesellschaft.html
Editors Information
Published on
04.05.2021
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