Perspektiven der italienischen Religionsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert

Perspektiven der italienischen Religionsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert

Veranstalter
Arbeitsgemeinschaft für die Neueste Geschichte Italiens; Deutsches Historisches Institut Rom
Veranstaltungsort
Villa Lessing
PLZ
66121
Ort
Saarbrücken
Land
Deutschland
Vom - Bis
03.06.2021 - 04.06.2021
Von
Jens Späth, Historisches Institut, Universität des Saarlandes

21. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für die Neueste Geschichte Italiens in Zusammenarbeit mit dem DHI Rom

Perspektiven der italienischen Religionsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert

Religion spielt in den immer individualisierteren modernen und oft allzu pauschal als säkularisierten Gesellschaften nach wie vor eine große Rolle. Auch wenn die Bedeutung der großen christlichen Kirchen in Europa seit dem 18. Jahrhundert abnahm und die Kirchen sich heute einem Mitgliederschwund auf Rekordniveau gegenübersehen, sind viele Menschen religiös geblieben und haben lediglich der Institution Kirche zunehmend ihr Vertrauen entzogen. Dies gilt auch und gerade für Italien als ursprünglicher Raum der katholischen Weltkirche mit Rom als Hauptstadt und dem Papst als Oberhaupt. Trotz der Tatsache, dass heute noch rund 80% der italienischen Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche angehören, ist Italien natürlich nie ein rein katholisches Land gewesen. Neben protestantischen und jüdischen Minderheiten prägten und prägen stets auch andere Glaubensgemeinschaften wie Muslime, Buddhisten, Hinduisten, Freikirchen und viele weitere mehr Geschichte und Gesellschaft der Apenninen-Halbinsel. Wegen seiner geographischen Lage und Geschichte trafen in Italien protestantisch-reformierte Einflüsse aus Mittel- und Nordeuropa und solche aus dem muslimischen Mittelmeerraum kontinuierlich auf die römisch-katholische Mehrheit. Wer selbst Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen in Rom miterlebt hat, weiß, wieviel interreligiöser Dialog dort möglich ist – wohingegen die römisch-katholische Weltkirche in der Vergangenheit bestrebt war, sich möglichst von anderen Konfessionen abzugrenzen.

Diese Überlegungen will die geplante Tagung aufgreifen und dabei folgende Fragen für das 19. und 20. Jahrhundert in den Mittelpunkt stellen: Wie ging die italienische Gesellschaft mit Religion um? Welche Rolle spielten Religion und Religiosität in Politik und Kommunikation? Welche Verflechtungen und Beziehungen der Apenninenhalbinsel mit dem deutschsprachigen Raum lassen sich aufzeigen? Welche Veränderungen und Kontinuitäten lassen sich im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Konfessionen und Glaubensgemeinschaften beobachten? Welche Rückwirkungen hatten sie auf das eigene religiöse Selbstverständnis? Wie wurde religiöse Diversität wahrgenommen? Wie ging die italienische Gesellschaft mit antireligiösen Stereotypen und ihrer politischen, sozialen sowie kulturellen Dimension um? Welche Akteure waren an solchen Aushandlungsprozessen beteiligt und wer setzte dabei Impulse? Welche Phasen und Umgangsweisen mit Religion lassen sich in der italienischen Geschichte der neueren und neuesten Zeit unterscheiden? Welche Mechanismen fanden die beteiligten Personen, um Bilder und Mythen in Glaubensfragen zu überwinden?

Wichtiger Hinweis:
Die Tagung wird hybrid in Präsenz und über MS Teams stattfinden. Nicht-Referentinnen und –Referenten können ausschließlich digital teilnehmen. Anmeldungen bitte per E-Mail an markus.lay@uni-saarland.de. Sie erhalten dann einen Link zur Videokonferenz.

Programm

Donnerstag, 03. Juni 2021

15:00 Uhr Gabriele B. Clemens (Saarbrücken): Begrüßung und Einführung/Introduzione
Martin Baumeister (Rom): Begrüßung/Saluti

Panel 1: Religiöse Minderheiten und Nonkonformismus um die Zeit der Nationalstaatsgründung
Sektionsleitung/Moderazione: Gabriele B. Clemens (Saarbrücken)

15:15 Uhr Davide Artico (Wroclaw): “Educatore Israelita”: emuli della Wissenschaft des Judentums nell’Italia unita

15:40 Uhr Laura Popa (Gießen): La vita e le attività di Giuseppina Pusterla, la prima maestra elementare del progetto nazionale valdese di evangelizzazione dell’Italia (1863-1871)

16:05 Uhr Costanza D‘Elia (Cassino): Una storia rimossa: l’Anticoncilio di Napoli (1869)

16:30 Uhr Diskussion/Dibattito

18:00 Uhr Abendvortrag Andrea Ciampani (Rom): Storia religiosa e storia politica. La S. Sede, la Chiesa e i cattolici nel Regno d'Italia: attraversando Porta Pia e Porta San Paolo

Freitag, 04. Juni 2021

Panel 2: Katholizismus im kolonialen und imperialen Kontext
Sektionsleitung/Moderazione: Amerigo Caruso (Bonn)

9:00 Uhr Katharina Pieper (Mainz): Annäherung im imperialen Kontext – die Associazione Nazionale per Soccorrere i Missionari Cattolici Italiani (ANSMCI) und die „chinesischen Entschädigungen“

9:25 Uhr Péter Techet (Freiburg/Br.): Italienischsprachiger Katholizismus als nationale Indifferenz? Intra-ethnische Konflikte im habsburgischen Istrien im frühen 20. Jahrhundert

9:50 Uhr Diskussion/Dibattito

Panel 3: Religion, Kirche und Konfession während des Faschismus
Sektionsleitung/Moderazione: Amerigo Caruso (Bonn)

10:45 Uhr Andreas Stegmann (Berlin): Italienische Kirchen im totalitären Staat. Römischer Katholizismus und freikirchlicher Protestantismus zwischen 1922 und 1945

11:10 Uhr Ruth Nattermann (München): Gegen den „Mythos der katholischen Nation“. Religion, Transnationalismus und Zionismus des jüdischen Frauenbunds im faschistischen Italien

11:35 Mirjam Spandri (München): Juden in Italien während Ausgrenzung, Verfolgung und Holocaust (1938-1945): Subjektive Wahrnehmungen und Verhaltensweisen

12:00 Uhr Diskussion/Dibattito

14:00 Uhr Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft/Assemblea dell’Associazione

Panel 4: (Religiöse) Handlungsspielräume zwischen Faschismus, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit
Sektionsleitung/Moderazione: Jens Späth (Saarbrücken)

15:00 Uhr Laura Di Fabio (Trento): Pastorale e assistenza religiosa mentre tutto crolla. Storie di gesuiti, popolazione civile e truppe militari nell’Italia occupata (1943-1945)

15:25 Uhr Pascal Oswald (Saarbrücken): Eine „breite Grauzone“? Das Verhalten der Italiener zwischen Resistenza und Republik von Salò 1943–45

15:50 Uhr Luigi Cicchini (Cassino): Il Movimento Laureati di Azione Cattolica nel secondo dopoguerra (1945 – 1958)

16:15 Uhr Diskussion/Dibattito

Ca. 17:00 Uhr Ende der Tagung/fine convegno

Kontakt

markus.lay@uni-saarland.de