Politikerinnen in Weimar – Mehr als eine Spurensuche (?)

Politikerinnen in Weimar – Mehr als eine Spurensuche (?)

Organizer
FES; KGParl; AddF
ZIP
34124
Location
Kassel
Country
Germany
From - Until
20.05.2021 - 18.06.2021
Deadline
18.06.2021
By
Kerstin Wolff, AddF - Archiv der der deutschen Frauenbewegung Forschungsinstitut und Dokumentationszentrum

2018/19 wurde an die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland erinnert. Wieder einmal gerieten die ersten Politikerinnen in den Fokus, die sich auf allen politischen Ebenen aufmachten, die Geschicke der Gesellschaft mitzugestalten. Im Jubiläumsjahr wurde allerdings deutlich, dass außer den Galionsfiguren im Reichstag die diversen Landespolitikerinnen, vor allem aber die Kommunalpolitikerinnen oder die weiblichen Abgeordneten der Provinziallandtage fast vollständig unbekannt sind.

Politikerinnen in Weimar – Mehr als eine Spurensuche (?)

2018/19 wurde an die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland erinnert. Damit gerieten (wieder einmal) die ersten Politikerinnen in den Fokus, die sich auf allen politischen Ebenen aufmachten, diesmal als Gewählte, die Geschicke der Gesellschaft mitzugestalten. Im Jubiläumsjahr wurde allerdings deutlich, dass außer den Galionsfiguren im Reichstag die diversen Landespolitikerinnen, vor allem aber die Kommunalpolitikerinnen oder die weiblichen Abgeordneten der Provinziallandtage fast vollständig unbekannt sind. Dabei ist gerade die alle politischen Ebenen umfassende „Vergeschlechtlichung der Politik“ eines der spannenden Experimente der Weimarer Republik. Auf diesen Umstand haben auch Gabriele Metzler und Dirk Schumann hingewiesen, für die die „Verschiebungen der Geschlechterverhältnisse [...] und die Versuche der Neudefinition von Männlichkeit und Weiblichkeit“ in der Weimarer Republik Anlass sein sollte, nach diesen Veränderungen zu fragen. [1]
Um diesen Verschiebungen nachzuspüren, bieten sich u.a. kulturgeschichtliche Fragestellungen an. Denn wie sich die Etablierung und Praxis der Demokratie nach 1918 im Übergang vom Kaiserreich zur Republik genau ausgestaltete, wie sich Frauen in diesem Prozess der praktischen Demokratiegeschichte verorten lassen und welche Verfahren der Demokratie – auch auf Männerseite – wie angepasst werden mussten, dies alles ist nach wie vor sehr gering erforscht.
Deshalb halten wir es für notwendig, diesem Umbruch in der deutschen Demokratiegeschichte noch einmal neu nachzuspüren. Dabei geht es uns sowohl um das Entdecken von neuen, bisher unbekannten Politikerinnen als auch darum, wie diese Frauen ihre Politik verstanden und durchsetzten. Wie waren sie innerhalb der Parteien organisiert? Auf welche Netzwerke vertrauten sie und gab es Verbindungen zu der nach wie vor aktiven Frauenbewegung oder zu anderen Netzwerken innerhalb und außerhalb von Parteien und Regierung. Daneben stehen Fragen wie die nach den Argumentationsstrategien und -praktiken, nach der politischen Sprache und nach dem reflektierten Selbstverständnis als politische Akteurinnen.
Von Interesse sind aber auch Perspektiven, die auf die zeitgenössische und historische Bewertung der geschlechterinklusiven Demokratie, z.B. auf das Diktum, die Einbeziehung von Frauen habe im Politikbetrieb wenig bewirkt, zielen. Dazu zählt auch die Frage nach den policies, der Rolle(nzuweisung) der Frauen zu bestimmten Politikfeldern und den dort zustandegekommenen Gesetzesiniativen und -änderungen, an denen die wenigen Politikerinnen ihren Anteil hatten. Ist hier von einem Modernisierungsschub des Wohlfahrtsstaates auszugehen?
Einen Zugang zu diesen Perspektiven bietet die Frage nach den konkreten Formen des politischen Handelns innerhalb der Demokratie. Gibt es ein weibliches „doing democracy“? Verändert sich die konkrete Wahlhandlung (oder die Sicht darauf) dadurch, dass Frauen nun in diese integriert waren? Was passierte vor Ort? Wie veränderte sich der Raum von Wahlen? Wurde überhaupt darüber gesprochen und debattiert, was es bedeutete, dass Frauen nun auch Mitglieder in Wahlkommissionen sein konnten? Wie wurden weibliche Kandidierende für die Wahllisten aufgestellt? Wie wurden Frauenquoten und möglicherweise Parität diskutiert und wie begründet?

Mit diesem Call laden wir alle ein, die zu geschlechtergeschichtlichen Perspektiven des Politischen in der Weimarer Republik forschen. Ziel ist es, einen Überblick über diese Forschung zu erhalten. Dabei sind wir an Werkstattberichten ebenso interessiert wie an der Vorstellung von Promotionsarbeiten, Habilitationen oder anderen Forschungsarbeiten.
Wir möchten aber auch Desiderate diskutieren und zusammentragen, was von wem mit welchen Quellen geforscht wird, inklusive der Frage, wo welche Quellen überhaupt liegen und wie diese genutzt werden können.

Bitte bewerben Sie sich bis zum 18. Juni 2021 mit einem Exposé (höchsten 1 ½ Seiten). Die Tagung wird online am 11. und 12.11.2021 stattfinden. Organisiert wird diese Tagung von

Dr. Anja Kruke, Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Anja.kruke@fes.de

Dr. Barbara von Hindenburg, Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Berlin (KGParl) Hindenburg@kgparl.de

Dr. Kerstin Wolff, Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) wolff@addf-kassel.de

in Kooperation mit dem AKHFG

Nachfragen und Einreichungen bis zum 18.6. bitte an:
Dr. Kerstin Wolff, wolff@addf-kassel.de

[1] Geschlechter(un)ordnung und Politik in der Weimarer Republik, Bonn 2016, S. 7.

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Published on
21.05.2021
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