Writing Together. Kollaboratives Schreiben mit Personen aus dem Feld

Beiträge für den Sammelband "Writing Together. Kollaboratives Forschen mit Personen aus dem Feld"

Veranstalter
Martina Blank, Goethe-Universität Frankfurt am Main; Sarah Nimführ, Kunstuniversität Linz
PLZ
4010
Ort
Linz
Land
Austria
Vom - Bis
15.08.2021 -
Deadline
15.07.2021
Von
Sarah Nimführ, Abteilung für Kulturwissenschaft, Kunstuniversität Linz

In den letzten Jahrzehnten erlebte das kollaborative Forschen disziplinübergreifend einen deutlichen Aufschwung und führte zu transformativen und dekolonialen Wissenspraxen, die ‘Beforschte’ miteinbeziehen. Gemeinsame Schreibprozesse mit Personen aus dem Feld wurden aber bisher kaum thematisiert. Für einen Sammelband freuen wir uns über Beitragsvorschläge von kritisch-engagiert Forschenden und Interessierten, die kollaborative Schreibprozesse mit Personen aus dem Feld verfolgen oder anstreben.

Beiträge für den Sammelband "Writing Together. Kollaboratives Forschen mit Personen aus dem Feld"

Quer zu den Disziplinen sind Forschungs- und Publikationsprojekte zunehmend von einer kritischen Auseinandersetzung mit Repräsentation, Positionalität und Machtungleichheiten geprägt. Verschiedene Interventionen aus marxistischen, feministischen, antirassistischen, postkolonialen und anderen kritischen Perspektiven haben in den vergangenen Jahrzehnten transformative Wissenspraxen und die Dekolonisierung bestehender Wissenssysteme auf die Agenda aller sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen gesetzt (z.B. Chakrabarty 2000; Escobar 1995; Haraway 1988; Mignolo 2009; Spivak 1988).

In Zuge dessen erleben insbesondere Kollaborationen mit Akteur:innen im Feld einen Aufschwung in der kritischen Wissensproduktion. Mehr und mehr engagierte Forscher:innen bemühen sich, ihre Forschung partizipativ zu gestalten und die ‘Beforschten’ im Sinne einer transformativen und dekolonialen Wissenspraxis miteinzubeziehen (Bejarano et al. 2019; Bendix et al. 2021; Faust und Hauer 2021; Nimführ 2020; Vorbrugg et al. 2021).

Eine Bestandsaufnahme zeigt jedoch, dass sich solche Kollaborationen vor allem auf die Phase der Feldforschung bzw. Datenerhebung konzentrieren (Brenssell und Lutz-Kluge 2020; Kindon et al. 2007; Reason und Bradbury 2012). An den “Rändern” der Forschungsprozesse, i.e. bei der Projektgenerierung und der Ergebnispräsentation, finden sich deutlich weniger partizipative Ansätze. Dies betrifft insbesondere die Zusammenarbeit von Forscher:innen und Forschungssubjekten in Schreibprozessen, die bisher auch kaum methodisch reflektiert wurde.

Im Fokus des geplanten Sammelbandes steht deshalb das kollaborative Schreiben mit Personen aus dem Feld. Ziel des Bandes ist, diese Form der Zusammenarbeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu kontextualisieren und theoretische, konzeptionelle wie auch praxismethodologische Aspekte der Schreibzugänge, -verläufe und -beziehungen zu reflektieren. Der Band soll aus interdisziplinärer Perspektive Wissenschaftler:innen und ihren Forschungspartner:innen einen vielfältigen Einblick in eine gemeinsame Schreibpraxis geben, die zu einer dekolonialen Wissensproduktion beiträgt.

Für dieses Projekt suchen wir kritisch-engagierte Mitautor:innen aus unterschiedlichen thematischen Kontexten mit Erfahrungen im kollaborativen Schreiben in verschiedenen Formaten (Buch, Sammelband, Buchkapitel, Artikel, Blog, Forschungsantrag etc.). Wir laden ein zu Beiträgen über das gemeinsame Schreiben mit Personen aus dem Feld, die sich theoretisch-methodologisch, als auch mit praktischer oder empirischer Ausrichtung mit folgenden Themenblöcken oder zusätzlichen Perspektiven befassen, die hier unerwähnt sind:

1. Kollaboratives Schreiben als Teil dekolonialer Wissensproduktion
- Umgestaltung universitärer Wissenspraktiken und Wissenskulturen
- engagierte, politisch motivierte und partizipative Wissensproduktion
- Ausgleich ungleich verteilter Definitions- und Repräsentationsmacht
- ...

2. Ethische Implikationen
- Positionalität und Machtasymmetrien
- Forschung mit vulnerabilisierten Forschungspartner:innen
- Konsequenzen kollaborativen Schreibens (Do no harm)
- ...

3. Herausforderungen
- Mit wem kollaborativ schreiben?
- unterschiedliche Hintergründe, Herangehensweisen, Ressourcen und Ziele
- Externe Anforderungen an den Text und Verwertbarkeit
- institutionelle und disziplinäre Hierarchien und Barrieren
- ...

4. Gestaltung des Schreibprozesses
- Modalitäten; Settings
- Praktiken der Koordination; Arbeitsteilungen/Rollenverteilung; Abstimmungsmechanismen
- Aushandeln eines gemeinsamen Begriffs- und Schreibapparats
- ...

Die Entstehung des Bandes wird durch einen gemeinsamen Redaktionsprozess unterstützt, der peer reviews sowie eine gemeinsame Denkwerkstatt umfassen soll. Dazu möchten wir uns mit allen Autor:innen für einen ein- bis zweitägigen Workshop treffen, in dem die Manuskripte vor ihrer finalen Ausarbeitung miteinander in Diskussion gesetzt und die gemeinsamen Erkenntnisse herausgearbeitet werden.

Wir bitten um kurze Abstracts für mögliche Beiträge von max. 1 Seite bis zum 15. Juli 2021 an mblank@em.uni-frankfurt.de und sarah.nimfuehr@ufg.at

Programm

Zeitplan des Buchprojekts:

Einreichung Abstract (450 Wörter): 15. Juli 2021
Rückmeldung/Zusage: 15. August 2021
Erster Entwurf (35.000 Zeichen): 1. Dezember 2021
Denkwerkstatt: Ende Januar/Anfang Februar 2022
Aussendung Beitragsfeedback: März 2022
Fertige Beiträge (bis zu 50.000 Zeichen): 1. Juni 2022
ggf. 2. Überarbeitungsschleife: Ende Juli 2022
Druckfahne: Sommer/Herbst 2022
Publikation: Winter 2022

Kontakt

Dr. Martina Blank
Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt
mblank@em.uni-frankfurt.de

Dr. Sarah Nimführ
Abteilung Kulturwissenschaft, Kunstuniversität Linz
sarah.nimfuehr@ufg.at

https://www.ufg.at/Newsdetail.2018+M5b655860c8a.0.html
Redaktion
Veröffentlicht am
11.06.2021
Beiträger
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Weitere Informationen

Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung