Governance von Zukunftstechnologien

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Technische Universität Berlin
Veranstalter
Arbeitskreis "Politik und Technik" der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW); Organisation: Petra Schaper-Rinkel, Jan-Peter Voß
Datum
22.05.2009 - 23.05.2009
Bewerbungsschluss
05.01.2009
Von
Schaper-Rinkel, Petra

In der Formierung von Zukunftstechnologien stellen sich Weichen für die gesellschaftliche Entwicklung. Teilweise sind damit tiefgreifende Strukturveränderungen verbunden – so wie z.B. Kunststoffe und Informationstechnologie in der Vergangenheit als Zukunftstechnologien galten und heute untrennbar mit gesellschaftlichen Strukturen und Lebensformen verbunden sind. Gegenwärtig werden technologische Visionen und konkrete Entwicklungsarbeiten im breiten Feld von Nanotechnologie, Biotechnologie, Informationstechnik, Kognitionswissen-schaften („NBIC“) als Zukunftstechnologien verstanden. Erwartungen bedeutender zukünftiger Transformationspotentiale verbinden sich insbesondere mit der Vision von „Converging technologies“, d.h. der Verknüpfung und wechselseitigen Bestärkung von verschiedenen technologischen Entwicklungen aus diesem Feld.

Wie mit den Innovationspotentialen sowie Chancen und Risiken von zukünftigen Technologien umgegangen wird, entscheidet sich in komplexen Governance-Prozessen. In der Regel sind dabei verschiedene Akteure involviert, aus der staatlichen Forschungspolitik, aus Natur- und Ingenieurwissenschaft, Industrie, Finanzinvestitionen, Verbänden, aber auch aus Zivilgesellschaft, Medien und Sozialwissenschaften.

Diese Prozesse sind ein ertragreiches Forschungsfeld für politikwissenschaftliche Forschung. Dazu gehören u.a. die Analyse der Strukturen und Prozesse, in denen die gesellschaftliche Gestaltung dieser Technologiefelder stattfindet, der öffentlichen Debatte um diese Technologien, der Interessen- und Machtkonstellationen, die in Konflikten zum Tragen kommen sowie der weiteren Auswirkungen auf politische Kultur und Institutionen, die mit diesen Entwicklungen einher gehen. Zunehmend sind dabei sozial- und politikwissenschaftliche Forschung selbst in Prozesse der Technikgestaltung eingebunden.

Auf der Frühjahrstagung werden folgende Themenfelder behandelt:

Technikfolgenforschung – Konstituierung von Technologiefeldern
- Über verschiedene Verfahren wird sozialwissenschaftliche respektive politikwissenschaftliche Expertise in einem frühen Stadium integriert: Dazu gehören Technology Assessment, Technologiefrüherkennung, Public Engagement in Science and Technology und die frühe Berücksichtigung von ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten der Technikentwicklung (ELSA – Ethical, Legal and Social Aspects). Begleiten solche Diskurse und Maßnahmen die Entwicklung von Zukunftstechnologien nur oder konstituieren sie die Felder mit, die sie begleiten und analysieren? Welchen Einfluss auf Technologiepolitik und die Entwicklung von Zukunftstechnologien haben partizipative Verfahren?

Begleitende Akzeptanzforschung – Technikkritik als Herrschaftskritik
- Im Rahmen einer zunehmenden Drittmittelfinanzierung bieten die Forschungsfelder der Emerging Technologies vielfältige Möglichkeiten der Projektfinanzierung. Damit ergeben sich neue Chancen anwendungs- und gestaltungsorientierter sozial- und ins-besondere politikwissenschaftlicher Technikforschung, allerdings auch eine Orientie-rung an vorgegebenen Zielen: Die Forschung soll einen Beitrag zur Durchsetzung und Akzeptanz von Emerging Technologies leisten, und gefördert wird primär Forschung, die sich an Zukunftsmärkten orientiert. Geraten damit Technikkritik und grundsätzliche Fragen des Zusammenhangs von Technik und Herrschaftsverhältnissen in den Hintergrund?

Demokratisierung der Technologiepolitik – Technologische Herrschaft
- PolitikwissenschaftlerInnen entwickeln partizipatorische Prozesse mit, engagieren sich für ganz bestimmte Formen von Technikgestaltung, kritisieren partizipative Prozesse entweder immanent als unzureichend oder auch aus einer kritischen Außensicht als neue Formen von Sozialtechnologien. Mit den Vorstellungen von Technikgestaltung und den Grenzen von Gestaltung bzw. Steuerung sind Auffassungen von Demokratie und Demokratisierung sowie von Macht und Herrschaft verbunden, die selten expli-ziert werden. In welche Richtung entwickeln sich die politischen Prozesse der Technikgestaltung?

Technologische Zukunftsgestaltung – Politische Technikgestaltung
- Die Erwartungen, die mit vielen Zukunftstechnologien geweckt werden (Überwindung von Ressourcenknappheit, Heilung von Krankheiten), sind spekulativ, und sie basieren auf bestimmten Szenarien zukünftiger Gesellschaftsentwicklung, die in politischen Prozessen konstruiert werden. Politikfeldanalysen, die Fragen der Steuerung, Regulie-rung und Förderung von Zukunftstechnologien untersuchen, setzen diese Technologien bereits voraus. Demgegenüber analysieren Science and Technology Studies die Entstehung von Technologien und Zukunftserwartungen als soziale Prozesse. Wie werden aus Forschungsfeldern und neuen interdisziplinären Wissenschaftsgebieten politisch forcierte Zukunftstechnologien? Welchen Einfluss hat Technologiepolitik auf die Entwicklungspfade von Zukunftstechnologien?

Auf der Tagung wird die Governance von Zukunftstechnologien, d.h. die Prozessformen, in denen die Entwicklung von „Converging Technologies“ ‚regiert’ wird, aus Sicht verschiedener konzeptioneller Perspektiven aus Politikwissenschaft, Soziologie, feministischer Technikforschung, und Science and Technology Studies analysiert. Erwünscht sind theoretisch und empirisch orientierte Beiträge, die diese Fragen aufnehmen.

Kontakt

Petra.Schaper-Rinkel@tu-berlin.de

Zitation
Governance von Zukunftstechnologien, 22.05.2009 – 23.05.2009 Berlin, in: H-Soz-Kult, 15.11.2008, <www.hsozkult.de/event/id/termine-10440>.
Redaktion
Veröffentlicht am
15.11.2008
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