Geschichtsjournalismus - zwischen Information und Inszenierung

Ort
Eichstätt, Bayern
Veranstaltungsort
Holzersaal der Sommerresidenz, Ostenstraße 26
Veranstalter
Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Studiengang Journalistik
Datum
15.01.2009 - 16.01.2009
Bewerbungsschluss
05.01.2009
Von
Klaus Arnold

Magazine und Wochenzeitungen machen mit Hitler, SED und Pharaonen auf, an den Kiosken glänzen immer neue Geschichtszeitschriften, das Fernsehen produziert monumentale Großproduktionen und lässt experimentierfreudige Geschichtsfans in Auswandererschiffen, Gutshäusern oder Schwarzwaldhütten leben: Historische Themen sind für die Medien und den Journalismus offensichtlich höchst attraktiv. Die Geschichte liefert Stoff für eine Vielzahl neuer Produkte und Formate.

Eine neue Sparte, ein neues Ressort oder eine neue Form von Journalismus gewinnt hier zunehmend an Konturen –´der Geschichtsjournalismus. Damit wendet sich Journalismus, für den der Aktualitätsbezug konstitutiv ist, paradoxerweise dem Nicht-Aktuellen, der Vergangenheit zu.

Die Vergangenheit mit ihrem großen Reservoir an spannenden, konfliktreichen und leicht zu personalisierenden Geschichten ist als Themenlieferant für den Journalismus so interessant, dass es ausreicht, Aktualitätsbezüge eher formal herzustellen – wie im Gedenktagsjournalismus – oder möglicherweise auch ganz auf solche Bezüge zu verzichten.

Auf der Tagung sollen die verschiedenen Aspekte dieser neuen Journalismusform ausgelotet werden: Was ist Geschichtsjournalismus? Geht es um Informationen, Bildung oder doch eher um Unterhaltung? Welche traditionellen und neuen Formen spielen eine Rolle? Welche
Strukturen haben sich entwickelt? Und darüber hinaus: Welche weiteren Formen der populären Geschichtsvermittlung sind relevant? In welchem Verhältnis stehen sie zum Geschichtsjournalismus?

Programm

Donnerstag, 15. Januar

12:00 Treffen des Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte
Waisenhaus, Ostenstraße 25, Raum WH 211 (2. Stock)

14:00 Begrüßung und Einführungsvorträge
Klaus Arnold/Susanne Kinnebrock
(Sprecher der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte
der DGPuK)

Die Aktualität der Vergangenheit – Geschichte als Medienphänomen
Walter Hömberg, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Qualität und Quellen im Geschichtsjournalismus
Horst Pöttker, Universität Dortmund

Getrennte Sphären? Zum Verhältnis von Geschichtswissenschaft und Geschichtsjournalismus seit 1945.
Frank Bösch, Universität Gießen

15:45 Kaffeepause

16:15 Podiumsdiskussion
Geschichtsjournalismus: Historische Aufklärung oder Histotainment?
Frank Bösch, Universität Gießen
Walter Hömberg, KU Eichstätt-Ingolstadt
Joachim Käppner, Süddeutsche Zeitung
Michael Kloft, Spiegel TV
Horst Pöttker, Universität Dortmund
Moderation:
Jochen Kölsch, Bayerischer Rundfunk

17:45 Fachgruppensitzung

20:00 Abendessen
Gasthof Krone, Domplatz 3

Freitag, 16. Januar

9:00 Geschichtsjournalisten
Moderation: Rudolf Stöber, Universität Bamberg

Konturen des Geschichtsjournalismus. Geschichtsjournalisten über ihre Redaktionen, Arbeitsweisen und ihr Selbstverständnis
Klaus Arnold, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Deutungsmacht des Fernsehens? Das Selbstverständnis von Geschichtsjournalisten zwischen normativen Ansprüchen und Publikumswünschen.
Claudia Riesmeyer/Senta Pfaff-Rüdiger/Michael Meyen, Universität München

Journalismus und Geschichtsschreibung
Jürgen Wilke, Universität Mainz

10:30 Kaffeepause

11:00 Phänomen Gedenktagsjournalismus
Moderation: Susanne Kinnebrock, Universität Wien

Gedenktagsjournalismus – Bedeutung und Funktion in der Erinnerungskultur
Ilona Ammann, Universität München

„Collective-Memory-Setting“ durch Gedenktagsjournalismus?
Eine Untersuchung langfristiger Agenda-Setting-Prozesse am Beispiel der Berichterstattung von 1954 bis 2004 über den Widerstand des 20. Juli 1944.
Martin Krieg, Universität Trier

Journalismus zwischen öffentlichem Erinnern und Vergessen: 9/11 in deutschen und amerikanischen Zeitungen
André Donk/Martin Herbers, Universität Münster

12:30 Mittagspause
Mittagessen in der Eichstätter Mensa

13:30 Populäre Vermittlung von Geschichte
Moderation: Bernd Semrad, Universität Wien

Ausgräber und Entdecker, Abenteurer und Held: Populäre Geschichtsvermittlung in archäologischen Fernsehdokumentationen.
Stefanie Samida, Universität Tübingen

Re-enactments in archäologischen Fernsehdokumentationen und ihr Einfluss auf den Rezeptionsprozess
Manuela Glaser, Institut für Wissensmedien Tübingen

Geschichte für 100 Tage – Kulturhistorische Großausstellungen im Spannungsfeld von musealer Arbeit und populärer Vermittlung.
Alexander Schubert, Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

15:00 Kaffeepause

15:30 Nachwuchsfenster
Moderation: Susanne Kinnebrock, Universität Wien
Österreich im Bild. Eine Analyse der Österreichdarstellungen
in den Spielfilm-Ausstrahlungen des DDR-Fernsehens
Klaus Kienesberger, Universität Wien

16:00 Zur Geschichte des Geschichtsjournalismus
Moderation: Markus Behmer, Universität München

Heinz Huber und Artur Müller (SDR): Pioniere des Geschichtsfernsehens in der Bundesrepublik Deutschland
Edgar Lersch, SWR Stuttgart

Geschichtsspiele im Fernsehen: Information und Inszenierung in fernsehhistorischer Perspektive.
Christian Hißnauer, Universität Göttingen

17:00 Ende der Tagung

Kontakt

Elke Wißmath

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Studiengang Journalistik
08421/93-1698
08421/93-1786
elke.wissmath@ku-eichstaett.de

Zitation
Geschichtsjournalismus - zwischen Information und Inszenierung, 15.01.2009 – 16.01.2009 Eichstätt, Bayern, in: H-Soz-Kult, 07.12.2008, <www.hsozkult.de/event/id/termine-10540>.
Redaktion
Veröffentlicht am
07.12.2008
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