Deutsche Dinge. Design im doppelten Deutschland von 1949 bis 1989 - Jahrestagung der Gesellschaft für Designgeschichte e.V.

Ort
Hannover
Veranstaltungsort
Museum August Kestner, Hannover
Veranstalter
Gesellschaft für Designgeschichte e.V., Prof. Dr. Siegfried Gronert (1. Vorsitzender) und Dr. Wolfgang Schepers (2. Vorsitzender)
Datum
13.03.2009 - 14.03.2009
Bewerbungsschluss
23.02.2009
Von
Elke Beilfuß (Bauhaus Universität Weimar)

In beiden deutschen Staaten blieben die Ideen des Deutschen Werkbundes grundlegend für die gesamtdeutsche Identität des Designs. Trotz der gesellschaftlichen Unterschiede zwischen BRD und DDR kristallisierten sich transnationale Parallelen heraus, die insbesondere in der Gestaltung für industriell hergestellte Produkte wirkten: die technische Rationalität von Entwurf und Produktion (Systemdesign), die Anerkennung neuer Materialien (Plaste, Plastik), die Institutionalisierung der Profession ( Rat für Formgebung, Amt für industrielle Formgestaltung, form und form+zweck). Andererseits entkoppelte die Formalismusdebatte in der DDR die Gestaltung von den Zielen der Moderne und unterliefen staatsdirigistische Maßnahmen die angestrebte Qualität der Produktgestaltung. Im Zentrum der Tagung stehen Verbindungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Design und im Alltag der beiden deutschen Staaten.

Programm

Tagungsprogramm

Freitag, 13. März 2009

13.00 Uhr Anmeldung im Museum August Kestner (MAK), Hannover

14.00 Uhr Begrüßung
- Wolfgang Schepers
Direktor MAK Hannover
- Siegfried Gronert
Vorsitzender GfDg

14.30 Uhr Deutsche Dinge I
Moderation: Petra Eisele (FH Mainz)
- Sterne und Schneewittchen. Audio-Märchen hüben und drüben
Volker Fischer (Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt a. M.)
- Hinsehen, aber nicht abgucken.
Wie Braun-Produkte ihre Schatten auf das Design in der DDR warfen
Günter Höhne (Berlin)
- Die moderne Vase der 50er Jahre in Ost und West
Anne Feuchter-Schawelka (Weimar)

16.00 Uhr Pause

16.30 Uhr Deutsche Dinge II
Moderation: N.N.
- Designlehre und -forschung an der Burg Giebichenstein
Prof. Frithjof Meinel (Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle)
- Innerdeutscher Handel mit industriellem Design:
Die Kölner und Leipziger Messe als handels- und kulturpolitische Orte, 1949-1989
Katrin Schreiter (University of Pennsylvania, Philadelphia)
- Ähnlich oder verschieden?
Gert Selle (München)

18.00 Uhr Deutsche Designer
Moderation: Wolfgang Schepers (MAK Hannover)
- Diskussion mit Herbert Lindinger (Hannover) und Clauss Dietel (Chemnitz)

19.30 Uhr Gemeinsames Abendessen

Samstag, 14. März 2009

9.30 Uhr Deutsche Dinge III
Moderation: N.N.
- Kitsch, Horst Michel und die Geschmacksfrage in Ost und West
Elke Beilfuß (Bauhaus-Universität Weimar)
- Weimar - Darmstadt.
Ein Dialog über den „deutschen Stil“ im Jahre 1957
Siegfried Gronert (Bauhaus-Universität Weimar)
- Cold War Modern
David Crowley (Royal College of Art, London)

11.00 Uhr Pause

11.30 Uhr Deutsche Dinge: Abschlussdiskussion

12.30 Uhr Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Designgeschichte
- Bericht des Vorstandes
- Anträge und Diskussionen
- GfDg Jahrestagung 2010
ca. 13.30 Uhr Ende der Mitgliederversammlung

Jahrestagung der Gesellschaft für Designgeschichte e.V.
13. und 14. März 2009 in Hannover, Museum August Kestner (MAK)

Deutsche Dinge
Design im doppelten Deutschland von 1949 bis 1989

Vorträge / Abstracts

Volker Fischer (Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt a. M.)
Sterne und Schneewittchen. Audio-Märchen hüben und drüben
Die Radio- und TV-Produkte der beiden Teile Deutschlands haben sich einerseits parallel, andererseits aber auch jeweils durchaus eigenwillig entwickelt. Vor allem die Produkte der Braun AG aus Kronberg wirkten diesseits und jenseits der Grenze stilbildend. Heli und Stern-Radio hatten mit „Undine“ und „Berolina“ aber auch Rheingoldiges im Programm, während der modulare Laborstil von Braun, dieses „feurige Mausgrau der Ulmer Schule“, die leise Ordnung der Dinge zelebrierte. Auch die Folgen werden bedacht, die zwischen Minimalismus, Muskulärem und „zuviel Dekolleté“ changieren. Ein Ausblick auf die „I–podia“ beschließt den Vortrag.

Günter Höhne (Berlin)
Hinsehen, aber nicht abgucken.
Wie Braun-Produkte ihre Schatten auf das Design in der DDR warfen
Die funktionalistische junge Garde der DDR-Industrieformgestalter der Fünfziger und Sechzigerjahre orientierte sich – neben Leitbildern des Bauhauses – an den Designleistungen Skandinaviens, in deren dinglichen Ergebnissen sie oftmals ihre eigenen Ideale von einer demokratischen, funktionalen seriellen Produktkultur verwirklicht sah. Daneben wurden aber aufmerksam auch vom gleichen Geist inspirierte Produktentwürfe in der BRD wahr- und zu Vorbildern genommen; neben Arbeiten und Publikationen Braun-Feldwegs sowie Entwürfen der HfG Ulm vor allem Entwicklungen aus dem Hause Braun insgesamt und von Dieter Rams im besonderen. Der gestalterische Einfluss des Braun-Designs auf DDRErzeugnisentwicklungen schlug sich sowohl in bewussten Anlehnungen, in einzelnen Fällen auch in Kopien Braun’scher Vorbilder nieder, vielmehr aber im eigenschöpferischen Aufgreifen der Designphilosophie vom „Weniger ist mehr“, wofür vor allem industrielle Serienentwürfe des Gestalter-Duos Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph für den mitteldeutschen Rundfunkgerätehersteller HELIRADIO stehen.

Anne Feuchter-Schawelka (Weimar)
Die moderne Vase der 50er Jahre in Ost und West
Thematisiert wird ein alltäglicher Ziergegenstand der Manufaktur- und Handwerksproduktion. Zentral beleuchtet werden dabei „Vorzeigemodelle“ für „moderne Vasen“, die in verblüffend divergierender Formenvielfalt nach 1950 von ehemaligen Bauhäuslern, wie Theodor Bogler, Wilhelm Wagenfeld, Otto Lindig oder Hanns Hoffmann-Lederer entworfen und produziert wurden. Ihre organischen, asymmetrischen oder formalstrengen Modelle, vielfach kopiert und phantasievoll dekoriert, gaben Anlass zu Streitgesprächen über die „gute Form“ resp. den Kitsch im Osten wie im Westen Deutschlands.

Prof. Frithjof Meinel (Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle)
Designlehre und -forschung an der Burg Giebichenstein
Vor 50 Jahren wurde aus der bereits 1915 gegründeten Lehranstalt die „Hochschule für industrielle Formgestaltung“. Die Entwicklung verschiedener Designstudiengänge, die Gestaltung von Konsum und Investitionsgütern für die Industrie sowie der Forschungsansatz sind zunächst ein Abschnitt der DDRGeschichte. Nach der politischen Wende musste die Burg ihre Identität in der Vielfalt deutscher Kunst- und Gestaltungshochschulen finden sowie ihren Anschluss an internationale Netzwerke organisieren. Das ist ein Prozess, der fortdauert. Dabei fokussiert dieser Beitrag ein für die Burg spezifisches Moment: den Umgang mit Ressourcen im ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext.

Katrin Schreiter (University of Pennsylvania, Philadelphia)
Innerdeutscher Handel mit industriellem Design: Die Kölner und Leipziger Messe als handels- und kulturpolitische Orte, 1949-1989
Dieser Beitrag untersucht Handelsmessen als Orte der Begegnung ost- und westdeutschen Designs. Entgegen der landläufigen Annahme, dass sich die materielle Alltagskultur in der politischen Abgrenzung voneinander unabhängig entwickelt hat, werden hier Faktoren der gegenseitigen stilistischen Beeinflussung vor allem auf ökonomischer und politischer Ebene analysiert. Dabei wird die These vertreten, dass beide deutsche Staaten die Messen nutzten, um ihre politische Legitimität und soziale Fortschritte durch technisch und stilistisch moderne Alltagsobjekte zu bewerben.

Gert Selle (München)
Ähnlich oder verschieden?
Über formalästhetische Verwandtschaften von Design-Objekten und deren hintergrundbestimmte Wahrnehmung in Ost- und Westdeutschland vor 1989.

Elke Beilfuß (Bauhaus-Universität Weimar)
Kitsch, Horst Michel und die Geschmacksfrage in Ost und West
Horst Michel (1904-1989) sah in der modernen Massenproduktion seit der Industrialisierung die Entstehung des Kitsch‘ begründet und schließt damit an die historisch überlieferte Definition, was denn Kitsch sei, an. Im Vortrag wird es insbesondere darum gehen, wie die Debatte über Kitsch und Geschmack in der DDR und der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren ähnlich aber auch unterschiedlich geführt wurde.

Siegfried Gronert (Bauhaus-Universität Weimar)
Weimar - Darmstadt. Ein Dialog über den „deutschen Stil“ im Jahre 1957
Mit der Ausstellung des Weimarer „Instituts für Innengestaltung“, die 1957 auf Einladung des „Institut für Neue technische Form“ in Darmstadt stattfand, erhielt die Diskussion über den „deutschen Stil“, den die Großherzöge in Darmstadt und Weimar um 1900 begonnen hatten, eine neue Dimension. In der Nachfolge von Olbrich und van de Velde konnten die beiden Institutsleiter Horst Michel (Weimar) und Gotthold Schneider (Darmstadt) die gestalterischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede vordergründig nur vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Systeme moderieren.

David Crowley (Royal College of Art, London)
Cold War Modern
Reflecting on the recent experience of curating an exhibition on 'Cold War Modern: Design 1945-70' at the Victoria and Albert Museum in London, this talk will explore how viewing design after 1945 through the lens of Cold War Competition can provide new ways of understanding both the Cold War and Modernism. Ostensibly mundane and familiar objects like plastic furniture - with origins in the military application of new technology - were promoted as symbols of the advanced nature of Capitalism and Soviet-style Socialism. Cold War Modern design cannot, as I will be shown, only understood as propaganda. In the 1960s radical architects and designers on both sides of the East/West divide subverted Cold War technologies - like pneumatic structures and global telecommunications - to critique the consumerism and militarism on which Cold War competition was based.

Anmeldung und Einzahlung

- Tagungsbeitrag
40/20 € für Mitglieder voll/ermäßigt
80/40 € für Gäste voll/ermäßigt
mit Abendessen (verbindliche Anmeldung erforderlich)
40/20 € + 25 € für Mitglieder voll/ermäßigt
80/40 € + 25 € für Gäste voll/ermäßigt

- Einzahlung bis 23. Februar 2009
Anmeldung durch Einzahlung des Tagungsbeitrags + ggf. Betrag Abendessen
Gesellschaft für Designgeschichte

Sparkasse Hannover BLZ 250 501 80
Konto-Nr. 900074353
Stichwort: GfDg-Tagung 2009
Name, Adresse

- bis 6. März 2009 können Sie Anträge für die Mitgliederversammlung einreichen an: info@gfdg.org

- Tagungsadresse
Museum August Kestner (MAK),
Trammplatz 3
30159 Hannover
www.museum-august-kestner.de
Tel. 0511 – 16842120, Fax 0511 - 16846530

Kontakt

Siegfried Gronert

GfDg, c/o Bauhaus-Universität Weimar

+49(0)3643-58-3306

info@gfdg.org

Zitation
Deutsche Dinge. Design im doppelten Deutschland von 1949 bis 1989 - Jahrestagung der Gesellschaft für Designgeschichte e.V., 13.03.2009 – 14.03.2009 Hannover, in: H-Soz-Kult, 25.01.2009, <www.hsozkult.de/event/id/termine-10743>.