Carl Schmitts "Begriff des Politischen" als Herausforderung für die Demokratie

Ort
Münster
Veranstaltungsort
Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster
Veranstalter
Evangelisches Forum Münster e.V.; Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.; Geschichtsort Villa ten Hompel
Datum
18.09.2009
Von
Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster

Carl Schmitt war einer der bekanntesten aber auch umstrittensten deutschen Staats- und Völkerrechtler.

Schmitts Denken wurzelte tief in einem katholischen Glauben. Fragen der Macht, der „Rasse“, der Legitimität von Gewalt, der Rolle des Volkes im Staat und deren Verwirklichung im Recht waren seine Themen. Schmitt war dabei den jeweils Herrschenden mit entsprechenden Formulierungen dienstbar. Das nationalsozialistische Ermächtigungsgesetz vom 23. 3. 1933 war für ihn die „vorläufige Verfassung der Deutschen Revolution“. Über Hitler schrieb er: „Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Missbrauch, wenn er im Augenblick der Gefahr kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft.“ Hitler war für ihn die „Personifizierung des Volkswillens“.

1936 wurde Schmitt durch die SS des Opportunismus bezichtigt und in der Folge kaltgestellt.

Auch nach 1945 ist Schmitt nicht von seinem Antisemitismus abgerückt: „Denn Jude bleibt immer Jude. Während der Kommunist sich bessern und ändern kann…“ Die parlamentarische Demokratie in der Bundesrepublik hat er zutiefst verachtet.

Mit seinen Lehren hatte Schmitt sich als „Kronjurist des Dritten Reichs“ und „geistiger Quartiermacher des Nationalsozialismus“ schwer kompromittiert. Gleichzeitig kann der Einfluss seines Denkens auf Verfassungsjuristen, auch in der Zeit der Bundesrepublik Deutschland, nicht stark genug eingeschätzt werden; einer von ihnen sagte: „Letztlich sind wir ja alle Schmittianer“.

Programm

15:30 Anreise

15:45 Begrüßung und Einführung in das Thema.
Jörg Simonsmeier (Evangelisches Forum Münster)

16:15 Das Phänomen 'Schmitt' im Spektrum der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit. Mutmaßliche Gründe für die anhaltende Faszination von Schmitts politischer Vorstellungswelt.
Timo Frasch (Frankfurt / FAZ)

16:45 Diskussion

17:00 Kaffeepause

17:30 „Der Führer schützt das Recht“ -
Gründe und Motive für Schmitts Legalitätsbehauptung führerstaatlichen Handelns in der Röhm-Krise 1934.
Prof. Dr. Dirk Blasius (Uni. Duisburg-Essen)

18:15 Kurzbeitrag: Carl Schmitt in der Dissertation des Politologen Wilhelm Hennis (1950).
Dr. Thomas Kleinknecht
(Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster)

18:30 Diskussion beider Referate

19:00 Pause – Imbiss

20:00 Abendvortrag
Die Versuchung des Politischen: Eine kritische Reflektion zu Carl Schmitts Politik- und Staatsverständnis.
Prof. Dr. Peter Nitschke (Uni. Vechta)

21:30 Ende der Veranstaltung

Kontakt

Helga Pape

Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28,
48145 Münster
0251/4927101
0251/4927918
tenhomp@stadt-muenster.de

Zitation
Carl Schmitts "Begriff des Politischen" als Herausforderung für die Demokratie, 18.09.2009 Münster, in: H-Soz-Kult, 15.07.2009, <www.hsozkult.de/event/id/termine-11899>.