„Vergangenheitsbewältigung” und nationale Identitätssuche im östlichen Europa - Brüche und Kontinuitäten. VIII. Jahreskongress des Vereins Ostblick – InitiativeOsteuropastudierender Deutschland e.V.

Ort
Erfurt
Veranstaltungsort
Max-Weber-Kolleg für kultur und sozialwissenschaftliche Studiern/Universität Erfurt
Veranstalter
Ostblick - Initiative OsteuropaStudierender Deutschland e.V.
Datum
27.05.2010 - 30.05.2010
Bewerbungsschluss
26.05.2010
Von
Marc Zivojinovic

Vom 27.-30. Mai 2010 veranstaltet der Verein Ostblick – Initiative OsteuropaStudierender Deutschland e.V., in Erfurt seinen VIII. Jahreskongress unter dem Titel

„Vergangenheitsbewältigung” und nationale Identitätssuche im östlichen Europa - Brüche und Kontinuitäten

Ostmittel- und Südosteuropa sind geschichtsträchtige Regionen, in denen der Umgang mit Vergangenheit nicht nur in wissenschaftlichen Debatten diskutiert wird, sondern oft auch politische Implikationen hat. Leidet die geographische Großregion an einem zuviel an Geschichte? Wie wirken sich die vielfältigen Herausforderungen und sozialen Umbrüche, die aus dem Transitionsprozess resultieren, auf dem Umgang mit Vergangenheit aus? Welche Narrative wurden verworfen, welche entstanden vor dem Hintergrund der post-sozialistischen Identitätssuche neu? Kann Vergangenheit überhaupt „bewältigt” werden? Diese Leitfragen möchten wir auf dem diesjährigen Ostblick-Kongress aus den Blickwinkeln verschiedener Disziplinen diskutieren. Wir laden interessierte Studierende und Doktoranden, die sich mit der Region des östlichen Europa beschäftigen und Interesse an Diskussionen und neuen Kontakten haben, herzlich ein teilzunehmen.

Zum Ablauf:
Der Kongress beginnt am am Abend des 27. Mai mit einem Vortrag von Prof. Wolfgang HÖPKEN (Leipzig) über „Verdrängen und Verarbeiten: Kriegserinnerung auf dem Balkan im 20. Jahrhundert”. Der Vormittag des 28. Mai ist zwei weiteren Vorträgen gewidmet. So spricht Prof. Claudia KRAFT (Erfurt) über „Diktaturerfahrungen, Erinnerungspolitiken und Identitätspraktiken im östlichen Europa” und Prof. Andrea MEYER-FRAATZ (Jena) über „Gedächtnis und Erinnerung an den Holocaust bei Danilo Kis und Aleksandar Tisma”

Im Anschluss finden die ersten vier Sektionen statt, in denen Studierende und Doktoranden die Möglichkeit haben, ihre eigenen Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Dabei geht es um die Frage, wie Vergangenheit erzählt werden kann, um den Umgang mit Vergangenheit in Literatur und Kunst, Vergangenheitsnarrative im Wandel und die Materialisierung von Vergangenheit z.B. in Denkmälern.

Am 30. Mai werden zunächst Vergangenheitsdiskurse vorgestellt und diskutiert. Danach spricht Prof. Christian VOSS (Berlin) über „Nationale Identitätssuche und Sprachpolitik in Südosteuropa“. In den beiden Sektionen am Nachmittag geht es um Identitätskonstrukte und die Entwicklung von Erinnerungskulturen in den Jahren seit den Umbrüchen von 1989/90.

Am Abend findet im Erfurter uni.kum die Abschlussparty des Kongresses mit DJ Pixie (Eastblok-Music, Radio Fritz Berlin) statt. Der Kongress schließt am Sonntag mit einer offenen Diskussionsrunde bei einem Brunch ab.

Für die Teilnahme wird ein Beitrag von 20 Euro, bzw. 40 Euro (mit Übernachtung in einem Hostel) erhoben. Darin ist eine Teilverpflegung enthalten. Da die Übernachtungsplätze begrenzt sind, bitten wir um eine baldige Anmeldung per Mail an:

geschaeftsfuehrung@ostblick-deutschland.de

Programm

Do, 27. Mai 2010

18 Uhr: Registrierung
19 Uhr: Begrüßung (N.N.), anschließend
Eröffnungsvortrag
Prof. Wolfgang HÖPKEN (Leipzig): Verdrängen und Verarbeiten: Kriegserinnerung auf dem Balkan im 20. Jahrhundert, danach:
Empfang am Max-Weber-Kolleg

Freitag, 28. Mai 2010

9 Uhr: Prof. Claudia KRAFT (Erfurt): Diktaturerfahrungen, Erinnerungspolitiken und Identitätspraktiken im östlichen Europa
11 Uhr: Prof. Andrea MEYER.FRAATZ (Jena): Gedächtnis und Erinnerung an den Holocaust bei Danilo Kis und Aleksandar Tisma

14-15 Uhr Sektion 1: Vergangenheit erzählen
Yaman KOULI (Bielefeld): Bruch vs. Kontinuität oder Niederschlesien vs. Wirtschaftswunder
Eva KOSA (Budapest): Trauer und Verlust in der Memorialkultur nach dem Ersten Weltkrieg
Niklas RADENBACH (Göttingen): Unbearbeitete Vergangenheit: Schwarzmeerdeutsche als ZeugInnen und TäterInnen des Völkermordes in der Südukraine

15.30-16.30 Uhr Sektion 2: Der Umgang mit Vergangenheit in Literatur und Kunst
Dorothea FAES (Budapest): Geschichts- und Identitätskonzepte in fiktionaler Literatur „jüdischer“ Autorinnen und Autoren Ostmitteleuropas der Zwischenkriegszeit, 1918-1939
Thomas SCHMIDT (Jena): Zur Emotionalität in der polnischen Literatur des Holocaust am Beispiel der “Zweiten Generation”
Ana KARAMINOVA (Jena): Die Videokunst in Bulgarien. Eine exemplarische Untersuchung der Modernisierungsprozesse innerhalb der bulgarischen Kunstszene nach 1989

16.30-17.30 Uhr Sektion 3: Vergangenheitsnarrative
Jana GEORGE (Jena): Der Zweite Weltkrieg in Filmen der Schwarzen Welle im Jugoslawien der 1960er Jahre
Florian PETERS (Berlin): Gespaltene Erinnerung? Der Zweite Weltkrieg in der Geschichtskultur der Volksrepublik Polen 1976-1989
Ana HODEL (Basel): Zwei Moscheen in Zagreb. Vergangenheitsnarrativ der zagrebinisch-bosnjakischen Gemeinde in einer disjunktiven Zeit

18.00-19.00 Uhr Sektion 4: Materialisierung von Vergangenheit
Ania MUSIOL (Erlangen): Das Denkmal für die ermordeten Juden von Jedwabne als Beispiel der Materialisierung eines Erinnerungsdiskurses
Carol MARMOR (München): „Den Sieg gedenken?“ Die Diskussion um die Errichtung der „Siegessäule“ in Tallinn
Tobias SCHNEIDER (Berlin): Gestorben für die Heimat – Der politische Totenkult in Bosnien und Herzegowina

Samstag, 28. Mai 2010

9.00-10.00 Uhr Sektion 5: Vergangenheitsdiskurse
Peter RÖMER (Münster): Geschichtspolitische Aufarbeitung kommunistischer Vergangenheit in Polen und Deutschland – Ein Vergleich
Martin JUNG (Jena): „Aufarbeitung der Vergangenheit“ auf Rumänisch – zur Problematik eines Import-Konzepts
Benjamin SCHRIEFER (Halle): Aufarbeitung in MOE –Zum Umgang mit den Akten in Deutschland und Polen

10.30 Uhr Prof. Christian VOSS (HU Berlin): Nationale Identitaetssuche und Sprachpolitik in Südosteuropa

12.00-13.00 Uhr Sektion 6: Identitätskonstrukte
Nina FRIESS (Potsdam): Auf der Suche nach sich selbst – Folgen der defizitären russischen Erinnerungskultur
Susann LOOS (Dresden): Der denkmalpflegerische Umgang mit kulturhistorischen Bauwerken abseits des politischen und religiösen Hintergrundes am Beispiel des Typus des Holzhauses
Vincenzina OTTOMANO (Bern): Musik als Vorbild für Europäisierung? Der Vorfall der russischen Emigration zwischen Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts

14.30-15.30 Uhr Sektion 7: Erinnerungskulturen heute
Florian FERGER (Leipzig): Rechtsextremismus als Folge von Verunsicherung und Identitätssuche in Mittelosteuropa?
Daniela MEHLER (Jena): Paradoxe Vergangenheitsbewältigung in Serbien? 2005 und 2010 als Wendejahre im politischen und öffentlichen Umgang mit den Jugoslawienkriegen
Hanns SCHNEIDER (Jena): Die serbischen Parteien auf dem Weg nach Europa? Welche Rolle spielt Erinnerung?

Ab 16 Uhr Öffentliche Mitgliederversammlung Ostblick – Inistiative OsteuropaStudierender Deutschland e.V.

Ab 22 Uhr Abschlussparty im uni-kum mit DJ Pixie (Eastblok-Music, Berlin)

Samstag, 28. Mai 2010

11 Uhr Abschlussdiskussion und gemeinsamer Brunch

Weitere Informationen unter:

www.ostblick-deutschland.de

Zitation
„Vergangenheitsbewältigung” und nationale Identitätssuche im östlichen Europa - Brüche und Kontinuitäten. VIII. Jahreskongress des Vereins Ostblick – InitiativeOsteuropastudierender Deutschland e.V., 27.05.2010 – 30.05.2010 Erfurt, in: H-Soz-Kult, 23.04.2010, <www.hsozkult.de/event/id/termine-13748>.