Nicht hier, nicht jetzt – Das Theater als Zeitmaschine und die Geste des Reenactments

Ort
Hildesheim
Veranstalter
Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Medien und Theater in Zusammenarbeit mit dem Herder-Kolleg
Datum
04.11.2010 - 06.11.2010
Von
Ulrike Vogt

Tagung am Institut für Medien und Theater der Stiftung Universität Hildesheim in Zusammenarbeit mit dem Herder-Kolleg. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung

Konzept und Durchführung: Jens Roselt und Ulf Otto

Theater ist eine Zeitmaschine, durch die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in eigentümlicher Weise miteinander in Beziehung treten. Als Aufführung ist Theater an die Gegenwart des aktuellen Erlebens gebunden, doch seit der Jahrtausendwende ist in den performativen Künsten immer häufiger eine szenische Praxis anzutreffen, die das Theater als Zeitmaschine neu verortet: das Reenactment. Reenactments stellen Geschichte nach, statt sie darzustellen, sie reaniminieren das Vergangene statt es zu aktualisieren und zelebrieren statt dem Neuen gerade das Gewesene. Dort, wo die Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit des Augenblicks lange Zeit vehement gefeiert wurde, kehrt die Wiederholung ein, und macht aus der Performance, was sie nie sein wollte: Theater. – Ausgehend von diesem Befund will die Tagung eine vergleichende Untersuchung des Reenactments als einer spezifischen Geste und szenischen Praxis im Schnittfeld von kulturellem Gedächtnis, ästhetischer Erfahrung und medialen Verfahren initiieren. Neben einer Bestandsaufnahme des Genres und seiner Verfahren soll dabei vor allen den Konsequenzen für die Theorie und Historiographie des Theaters nachgegangen werden.

Programm

Donnerstag, 4.11.

16.00 Begrüßung

16.15 Jens Roselt (Hildesheim) – Einführung

17.00 Erika Fischer-Lichte (Berlin) – Das Ereignis der Wiederholung

18.30 Empfang

20.00 Die Schlacht am Tegeler Weg. (Ein 68er-Reenactment)

Freitag, 5.11.

Sektion 1: Die Aufführung der Aufführung – Reenactments als theatrales Genre

10.00 Christel Weiler (Berlin)
The living past - „the brig“ re-enacted

10.45 Milo Rau (Berlin)
Wiederholung und Wahrheit. Strategien der (Selbst-)Authentifizierung in Reenactments

11.30 Erfrischung
12.00 Nina Tecklenburg (Berlin)
Mythos Ereignis – Mythos Aufführung. Künstlerische Reenactments als Entmythisierungsverfahren

12.45 Peter W. Marx (Bern)
„What, has this thing appeared again tonight?“ Zur Frage der Heimsuchung Hamlets durch seine theatralen Vorgänger und -bilder

13.30 Mittagessen

Sektion 2: Die Gegenwart der Vergangenheit– Reenactments als historisches Phänomen

14.30 Ulf Otto (Hildesheim)
Ästhetik des Iterativen?

15.15 Annemarie Matzke (Hildesheim)
Bilder in Bewegung bringen. Das Reenactment als choreographische Praxis

16.00 Erfrischung

16.30 Sandra Umathum (Berlin)
Von Reenactments und der Kunst, die Geschichte der Performance Art zu schreiben

17.15 Stefan Hulfeld (Wien)
Polleschs Muttermal

19.30 Abendessen

Samstag 6.11.

Sektion 3: Vom Darstellen zum Nachstellen – Reenactments als kulturelle Geste

10.00 Wolfgang Hochbruck (Freiburg)
Reenactments als (Freiluft-)Theater und Gedenkort

10.45 Volker Wortmann (Hildesheim)
"Sieht doch aus wie echt" - das Reenactment als konstitutives Verfahren im frühen Dokumentarfilm.

11.30 Erfrischung

12.15 Stefanie Diekmann (München)
In Revision - Anmerkungen zu Emile de Antonios „In the King of Prussia“ (1982)

13.00 Simon Rothöhler (Berlin)
Suspendierte Historizität – Geschichtswiederholungen in Filmen von Rithy Panh und Romuald Karmakar

13.45 Matthias Warstat (Erlangen)
Reenactment als Form der Selbstthematisierung politischer Bewegungen

14.30 Abschluss

Kontakt

Ulf Otto

Universität Hildesheim/ Institut für Medien und Theater/ Postfach 101363/31113 Hildesheim

ulf.otto@uni-hildesheim.de

Zitation
Nicht hier, nicht jetzt – Das Theater als Zeitmaschine und die Geste des Reenactments, 04.11.2010 – 06.11.2010 Hildesheim, in: H-Soz-Kult, 08.10.2010, <www.hsozkult.de/event/id/termine-14838>.
Redaktion
Veröffentlicht am
08.10.2010
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