Die Welt und Gott – Gott und die Welt? Zum Verhältnis von Religiosität und Profanität im 'christlichen Mittelalter'

Ort
Krems an der Donau
Veranstalter
Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit; Zentrum Mittelalterforschung; Österreichische Akademie der Wissenschaften
Datum
10.10.2011 - 12.10.2011
Bewerbungsschluss
31.03.2011
Von
Ingrid Matschinegg

Im Anschluss an das 14. Symposium des Mediävistenverbandes 2011 zum Thema „Gottes Werk und Adams Beitrag. Formen der Interaktion zwischen Mensch und Gott im Mittelalter“ lädt das Institut für Realienkunde zu einer Tagung ein, die den Fokus auf das grundsätzliche Verhältnis von Profanität und Religiosität aus kulturwissenschaftlicher Sicht legt. Dabei soll die Geschlossenheit des mittelalterlichen Weltbildes sowie die Reichweite religiöser Deutungs- und Handlungsmuster in die soziale Praxis hinein thematisiert werden. Ziel ist es, die mittlerweile zum Axiom gewordene These vom „christlichen Mittelalter“ im Sinne der transzendentalen Durchdringung aller Lebensbereiche im Kontext aktueller religiös-politischer Diskurse zu hinterfragen.

Einen Schwerpunkt bildet dabei die Frage nach der Bedeutung des Profanen bzw. nach dem Verhältnis von Profanem und Religiösem: Lassen sich in profanen Dingen, Zeichen und Handlungsmustern konkurrierende Denk- und Wertesysteme erkennen oder ist im Mittelalter auch „Profanität“ hermeneutisch nur innerhalb eines religiös gedachten Weltbildes interpretierbar? Ist das christliche Sinnmonopol ubiquitär oder lassen sich auch Denkmodelle, Lebensformen, Verhaltensmuster usw. feststellen, die sich der religiösen Deutung entziehen oder mit dieser konkurrieren oder von dieser gar nicht erreicht werden? Lassen sich ansatzhaft Säkularisierungsprozesse identifizieren?

Im Sinne der interdisziplinären Ausrichtung des Instituts für Realienkunde sollen diese Fragen vorrangig unter kulturwissenschaftlichen und realienkundlichen Aspekten in den unterschiedlichsten Quellengattungen betrachtet werden.

Mögliche Themen:
- Zwischen Martyrium, Habitus und Desinteresse: Welche Formen des Umgangs mit Religion standen zur Verfügung, waren überhaupt möglich?
- Religiöser Raum – profaner Raum: Konzepte, Ordnungen und Aneignungen
- Materielle Kultur im Spannungsfeld zwischen profanem Alltag und religiöser Norm
- Formen der Lebensbewältigung
- Sicht auf Natur und Umwelt
- Ökonomie und religiöse Praxis
- Selbst- und Fremdverständnis
- Individualität in religiösen und sozialen Kontexten
- Konkurrierende Glaubenssysteme bzw. Kosmologien
- Gibt es „profanes“ Kunstschaffen?

Die Frage nach dem Grad der christlichen Durchdringung aller Bereiche und der Möglichkeiten und Grenzen des christlichen Sinnmonopols könnte besonders gut in den zeitlichen wie geographischen Randzonen des „christlichen Mittelalters“ untersucht werden (z. B. Spätantike/Frühmittelalter, Frühneuzeit/Konfessionelles Zeitalter, Byzantinisches Reich).

Diese Themen sollen nur als Denkanstöße dienen. Es sind auch Beiträge willkommen, die über die angeführten Aspekte hinausgehen.

Die Vortragszeit ist auf maximal 30 Minuten beschränkt. Für Vortragende ist ein Zuschuss zu den Reise- und Aufenthaltskosten möglich.

Themenvorschläge sind zusammen mit einem kurzen Abstract (maximal 1 Seite; Sprachen: deutsch, englisch, französisch, italienisch) bis spätestens 31. März 2011 erbeten an:

Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Körnermarkt 13
3500 Krems
Österreich

oder per E-Mail: imareal@oeaw.ac.at

Kontakt

Elisabeth Vavra

Körnermarkt 13, 3500 Krems

imareal.oeaw.ac.at

Zitation
Die Welt und Gott – Gott und die Welt? Zum Verhältnis von Religiosität und Profanität im 'christlichen Mittelalter', 10.10.2011 – 12.10.2011 Krems an der Donau, in: H-Soz-Kult, 28.01.2011, <www.hsozkult.de/event/id/termine-15588>.