Dimensionen der Displaced Persons Forschung

Ort
Frankfurt (Oder)
Veranstaltungsort
Europa-Universität Viadrina
Veranstalter
Iris Helbing und Jan-Hinnerk Antons in Kooperation mit Prof. Dr. Werner Benecke, Gerd Bucerius Stiftungsprofessur für Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropa, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder
Datum
06.10.2011 - 08.10.2011
Bewerbungsschluss
31.03.2011
Von
Jan-Hinnerk Antons

Auch 26 Jahre nachdem Wolfgang Jacobmeyer mit seinem Werk „Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer“ das Feld der Displaced Persons Historiographie eröffnet hat, sind die Forschungen zu diesem Themenkomplex noch recht überschaubar. Das liegt keinesfalls daran, dass mit Jacobmeyers zweifellos aussagekräftiger Studie schon alle Fragen beantwortet wären, expliziert er doch in seiner Einleitung, eine Grundlage für weitere Forschungen zu „Sozialstrukturen, Lagergeschichten und –verhältnissen“ und „regionalgeschichtliche Wirkungen“, legen zu wollen. In den folgenden Jahren erschienen tatsächlich etliche regionalhistorische Studien, sowie Monographien, die sich vor allem mit jüdischen Displaced Persons in den westlichen Besatzungszonen beschäftigen. Mit dem Wandel des historiographischen Zeitgeistes und im Zuge einer Reihe kulturwissenschaftlicher „Turns“ haben sich zahlreiche weitere Erkenntnisinteressen ergeben. Darüber hinaus hat sich das Quellenspektrum durch Zugang zu Archiven in den ehemaligen sozialistischen Ländern und die Öffnung des Archivs des Internationalen Suchdienstes erheblich vergrößert. Nicht zuletzt macht die sehr asymmetrische Verteilung von wissenschaftlichen Schlaglichtern innerhalb des Feldes der Displaced Persons-Forschung weitere Arbeiten mit neuen Ansätzen wünschenswert.

Die Untersuchung der Geschichte von Displaced Persons als Nachklang des Zweiten Weltkrieges steht dabei einerseits im Einfluss der NS-Forschung, bietet jedoch auch zahlreiche Anknüpfungspunkte an andere Forschungsfelder. Beispielsweise bietet sich eine Integration entsprechender Forschungsfragen in die globale Migrationsforschung, in die deutsche Nachkriegsgeschichte, in die Untersuchung von Diaspora-Gemeinschaften und die Geschichtsschreibung des Kalten Krieges an. Der Schwebezustand zwischen Weltkrieg und Nachkriegsordnung, in dem sich die Geschichte der Displaced Persons abspielte, spiegelt sich demnach in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema wider. Daher ist ihr auch eine Brückenfunktion für die Epochenwende 1945 immanent.
Auch über die Fachgrenzen der Geschichtswissenschaft hinaus können durch interdisziplinäre Untersuchungsdesigns neue Erkenntnismöglichkeiten erschlossen werden. Dabei ist etwa an die Anwendung sozialwissenschaftlicher Migrationstheorien oder ethnologischer Konzepte von Identität und Diaspora zu denken.

Mit dem Workshop zu Dimensionen der DP-Forschung möchten wir in erster Linie Nachwuchswissenschaftler(inne)n Gelegenheit geben neue und wieder aufgegriffene Forschungsansätze zu diskutieren, ihre Anschlussfähigkeit an etablierte Untersuchungsfelder zu ermitteln und Austauschprozesse in Gang zu setzen. Damit können, wie wir hoffen, die Auslotung des Forschungsfeldes und eine Selbstverortung darin einhergehen.

Wir bitten Themenvorschläge von bis zu 250 Wörtern, sowie kurze biographischen Angaben, bis zum 31.3.2011 an displacedpersons@gmx.de zu senden. Fahrt- und Übernachtungskosten der Referenten können erstattet werden.

Kontakt

Antonina Balfanz

Europa Universität Viadrina
Große Scharrnstraße 59
15230 Frankfurt (Oder)

displacedpersons@gmx.de

Zitation
Dimensionen der Displaced Persons Forschung, 06.10.2011 – 08.10.2011 Frankfurt (Oder), in: H-Soz-Kult, 14.02.2011, <www.hsozkult.de/event/id/termine-15735>.
Redaktion
Veröffentlicht am
14.02.2011
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