Die Stadt in den Umbrüchen der Konfessionalisierung vom 15. bis zum 18. Jahrhundert

Ort
Prag
Veranstaltungsort
Clam-Gallas Palast, Husova Str. 20, Praha 1, Tschechische Republik
Veranstalter
Archiv der Hauptstadt Prag; Historisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik; Institut für Internationale Studien, Karls–Universität Prag
Datum
09.10.2012 - 10.10.2012
Bewerbungsschluss
30.04.2012
Von
Olga Fejtova

31. Internationale Tagung des Archivs der Hauptstadt Prag, des Historischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und des Instituts für Internationale Studien der Karls – Universität Prag

Die Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert ist eine Epoche grundlegender Religionswenden und Reformschritte. Diese Gesamtheit an Reformations- und Gegenreformationsmaßnahmen fassen die Organisatoren der Konferenz unter dem Paradigma der Konfessionalisierung auf. Die geplante Tagung hat also nicht vor, sich nur mit einer eng gefassten, religiös-theologischen Entwicklung zu befassen. Im Gegenteil möchte sie den gesamten, vielfältigen Einfluss dieser Veränderungen auf die Entwicklung der Stadtgesellschaft und auf ihr Alltagsleben ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Konfessionalisierungswandel war nicht auf das protestantische, respektive auf das Reformationsmilieu im 15. und 16. Jahrhundert reduziert, sondern durch die Transformation wurde auch die katholische Gesellschaft bis zur Zeit der Aufklärungsreformen beeinflusst. Für Böhmen ist damit die Frage nach der Rekatholisierung der Gesellschaft im Gefolge des Dreißigjährigen Kriegs aufgeworfen.
Die böhmischen Länder stellen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert einen einzigartigen Fall von multikonfessioneller Gesellschaft dar. Deswegen sollte man die Problematik der alltäglichen, multikonfessionellen Realität thematisieren. Wir interessieren uns aber auch für vergleichbare Beispiele, sei es aus Franken, oder aus dem Gebiet des heutigen Polens, oder anderen europäischen Territorien.
Im Zentrum des Tagungsthemas steht die Rolle der Kirche als „Serviceorganisation“ für die Stadtgesellschaft quer durch das konfessionelle Spektrum. Es ist nötig zu definieren, wer und unter welchen Umständen der Modus dieser „Funktion“ die Kirche geprägt hat, und wie das Verhältnis des Einflusses von Herrscher/Obrigkeit versus Stadtrat bzw. Stadtgesellschaft ausgesehen hat. Hierzu ist es nötig, die Lage der Ratskollegien und Stadteliten bzw. ihrer einzelnen Teilnehmer als Exponenten, Vertreter, aber auch als Opfer der Konfessionalisierungspolitik und ihrer Änderungen zu thematisieren. Inwieweit nahmen diese Eliten an solchen Projekten wie der Confessio Bohemica teil? Wesentlich ist dabei die Diskussion der praktischen Verankerung unterschiedlicher Typen von Kircheninstitutionen im städtischen und bürgerlichen Organismus. Es wird interessant sein auszuloten, inwiefern die Stadt und ihre Gesellschaft bereit und fähig waren, den erzwungenen konfessionellen Veränderungen zu widerstehen. In diesem Rahmen ist auch die innere und äußere Emigration der einzelnen Bürger zu berücksichtigen. Eine weitere wichtige Frage stellen aber auch die Auseinandersetzungen der Konfessionen bei Binnenkonflikten in den Städten oder während spezifischer Kriegssituationen dar (z.B. bei der Okkupation der Stadt durch die andere Konfession).

Dabei darf auch der Zeitraum des späten 18. Jahrhunderts nicht aus dem Blickfeld geraten. Die Aufklärung und ihre Toleranzpolitik gelten allgemein als positiv konnotiert. Welche Konsequenzen hatten aber die Toleranz, die Josephinischen Religionsreformen und der aufgeklärte Katolizismus für den bürgerlichen Alltag, z. B. auf der ökonomischen oder auf der sozialen Ebene?

Die Tagung möchte die Diskussion des Konfessionalisierungskonzeptes erweitern, seine Anwendungsmöglichkeiten auf die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städte der böhmischen Kronländer skizzieren und mit einer europäisch komparativen Perspektive abgleichen.

Wir bitten Interessenten, den geplanten Titel ihres Referats zusammen mit einem Abstract bis zum 30. April 2012 an die untenstehende Adresse einzureichen. Die Tagungsorganisatoren behalten sich vor, eine Auswahl unter den eingesandten Vorschlägen zu treffen. Die Referate werden vollständig in einem Konferenzsammelband der Documenta Pragensia veröffentlicht. Die Unterkunft der ausländischen Referenten in Prag wird von den Organisatoren übernommen. Es wird kein Tagungsbeitrag erhoben. Offizielle Tagungssprachen sind Deutsch und Tschechisch mit Simultanübersetzung.

Im Namen der Organisatoren

Prof. Dr. Svatava Raková, CSc., Doc. Dr. Václav Ledvinka, CSc., Prof. Dr. Jiří Pešek, CSc., Doc. Dr. Jiří Mikulec, CSc., PhDr. Olga Fejtová, Ph.D.

Weitere Informationen unter: <http://www.hiu.cas.cz/en/news.ep/>

Kontakt

Veronika Knotková

Archiv hl. města Prahy, Archivní 6, 149 00 Praha 4, Tschechische Republik

00420236004063/4037

Veronika.Knotkova@cityofprague.cz

Zitation
Die Stadt in den Umbrüchen der Konfessionalisierung vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, 09.10.2012 – 10.10.2012 Prag, in: H-Soz-Kult, 19.01.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-18246>.