Kinder, Frauen und Familie: Migrationen in historischer Perspektive

Ort
Salzburg
Veranstaltungsort
Haus der Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg, Rudolfskai 42, 5020 Salzburg, HS 389
Veranstalter
Gesellschaft für Historische Migrationsforschung, Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg
Datum
06.09.2012 - 07.09.2012
Von
MMag. Luise Artner

6. Jahrestagung der Gesellschaft für Historische Migrationsforschung

Migration wurde lange - auch in der Wissenschaft - als ein fast ausschließlich männliches Phänomen gesehen. Wenn Frauen Erwähnung fanden, dann meist im Kontext von Heirats- oder Familienmigration als mit- oder nachziehende (Ehe-)Frauen. Ein Blick auf die Statistiken des 20. Jahrhunderts zeigt jedoch, dass die Beteiligung von Frauen am Wanderungsgeschehen unterschätzt worden ist. Mittlerweile machen Frauen in manchen Ländern bis zu zwei Drittel der Migrant(inn)en aus, wobei sie als Einzelmigrantinnen ebenso mobil sind wie als Familienangehörige. Der Beitrag der Frauen zur familialen Ökonomie durch finanzielle oder materielle Rücksendungen in ihre Herkunftsgebiete oder als Familienernährerinnen im Ankunftsland ist bisher selten in den Blick genommen worden. Häufig waren/sind es Frauen, die rascher im Erwerbsleben in neuer Umgebung Fuß fassen und mit ihren Erwerbstätigkeiten das Überleben der Familie sichern konnten (und können). Die weltweite Nachfrage nach (billigen) Arbeitskräften im Dienstleistungsbereich hat zu einer enormen Ausweitung und Beschleunigung der weiblichen Migration geführt. Frauen, die z.B. im Haushalts- und Krankenpflegebereich tätig sind, sind vielfach die female breadwinner der Familie. Mit ihren remittances tragen sie wesentlich zum Familieneinkommen bei, und nicht selten ermöglichen sie den zu Hause gebliebenen Kindern damit eine schulische bzw. berufliche Ausbildung. Die Beiträge der Frauen zur Familienökonomie sind jedoch nicht erst ein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Auch für frühere Jahrhunderte lässt sich das Phänomen der female breadwinners im Zusammenhang mit Migration ausmachen. Neben den Frauen sind auch die Kinder, die bisher ebenfalls nur im Zusammenhang mit der familialen Arbeitsmigration gesehen worden sind, in den Fokus der Migrationsforschung gekommen. Die Beispiele dafür reichen von den Schwabengängern bis hin zur Kinderarbeit auf afrikanischen Kakaoplantagen. All diesen Aspekten soll in der geplanten Konferenz in einer historischen Langzeitperspektive bis in die Gegenwart nachgegangen werden.

Programm

Donnerstag, 6. September 2012 (Raum HS 389)

13:00 Uhr Begrüßung und Eröffnung
Prof. Dr. Dittmar Dahlmann
Vorsitzender der Gesellschaft für historische Migrationsforschung

Prof. Dr. Sylvia Hahn
Vizerektorin der Universität Salzburg

Prof. Dr. Reinhold Reith
Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg

13:15 – Panel I (Comment: Reinhold Reith)
Martin Holy, Prag (CZ)
Frühneuzeitliche Bildungsmigration von Kindern aus Böhmen und Mähren im 16. und 17. Jahrhundert

Machteld Venken, Wien (A)
In their own words. War experiences of Polish child forced labourers

Ute Sonnleitner, Graz (A)
Weibliche steirische Arbeitsmigration in die Schweiz. 1945 - 1955

15:30 – Kaffeepause

16:00 – Panel II (Comment: Dirk Hoerder)
Steve King, Leicester (GB)
An insurance policy in a dress: women, migration and textile work in West Yorkshire 1780s-1900s

Aleksej Kalc, Koper (SLO)
Aleksandrinke – Alexandrian women: an eminent phenomenon of female mass emigration from Slovenia to Egypt

Brian Gratton, Phoenix (AZ)
Immigration and Repatriation: Mexico and the United States, 1900 - 1950.

18:30 – Abendessen

Freitag, 7. September 2012 (Raum HS 389)

9:00 – Panel III (Comment: Mathias Beer)
Luise Artner, Salzburg (A)
Ökonomische Aspekte der Migration polnischer Frauen und Familien in Österreich

Irene Messinger, Wien (A)
Eigensinnige Heiratsmigration - Schutz- und Scheinehen in Österreich

10:30 – Kaffeepause

10:45 – Panel IV (Comment: Margrit Schulte Beerbühl)
Philippa Söldenwagner, Braunschweig (D)
Die Rücküberweisungspraxis von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik in den 1960er Jahren

Verena Lorber, Graz (A)
Gastarbeiterinnen in der Steiermark. Lebensrealitäten von Arbeitsmigrantinnen aus dem ehemaligen Jugoslawien in der Steiermark in den 1960er und 1970er Jahren

12:15 – Mittagessen

13:15 – Panel V (Comment: Dittmar Dahlmann)
Gertrud Hüwelmeier, Berlin (D)
Transnationale Mutterschaft. Historisch-ethnologische Perspektiven

Urmila Goel, Frankfurt/Oder (D)
Migration von Krankenschwestern aus Kerala in die BRD -- eine ethnographische Annäherung

14:45 – Kaffeepause

15:00 Panel VI (Comment: Ingrid Böhler)
Christine Hartig, Flensburg (D)
Möglichkeiten familiärer Selbstpositionierung jüdischer Frauen unter nationalsozialistischer Verfolgung und in der Emigration

Martha Verdorfer, Bozen (I)
„Wie die Schwalben fliegen sie aus…“ Südtirolerinnen als Dienstmädchen in italienischen Städten 1920 – 1960.

16:30 Uhr
Schlussdiskussion (Moderation: Dahlmann, Hahn, Reith)

Kontakt

MMag. Luise Artner
FB Geschichte, Universität Salzburg
Rudolfskai 42, 5020 Salzburg
luise.artner@sbg.ac.at

Prof. Dr. Dittmar Dahlmann
Eastern European History, Universität Bonn
Lennestr. 1, 53113 Bonn
d.dahlmann@uni-bonn.de

Zitation
Kinder, Frauen und Familie: Migrationen in historischer Perspektive, 06.09.2012 – 07.09.2012 Salzburg, in: H-Soz-Kult, 22.06.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-19536>.