Was wär' der Mensch? Anthropologische Projektionen

Ort
Weimar
Veranstaltungsort
Festsaal im Goethehaus, Frauenplan 1, 99423 Weimar
Veranstalter
Professur Philosophie audiovisueller Medien, Bauhaus-Universität Weimar
Datum
06.12.2012 - 08.12.2012
Von
Ulrike Hanstein

Die Tagung beschäftigt sich mit den Visionen und Projektionen einer zeitgenössischen Anthropologie, die keiner Einzelwissenschaft zugehört, sondern nur im vielstimmigen Diskurs interdisziplinär auszuloten ist. Der medienwissenschaftlichen Perspektive kommt auf dieser Tagung insofern ein Sonderstatus zu, als sie die kulturellen Praktiken, die Techniken und Diskurse auch historisch in den Blick nimmt, mit deren Hilfe die Kategorie des ‚Menschen‘ allererst konstruiert wird.

Während Carl von Linné noch glaubte, den Homo Sapiens positiv in einen vermeintlich gegebenen Naturkreislauf einordnen zu können, dominiert heute die Skepsis gegenüber jeglichen Definitionsversuchen DES Menschen, ist die Kategorie selbst als ideologische Projektionsleistung dekonstruiert. Die kultur- und sozialwissenschaftlichen Kritiken am falschen Universalismus und Anthropozentrismus herkömmlicher Anthropologien haben zusätzlich dazu beigetragen, einen Diskurs um den Verbleib ‚des Menschen‘ im 21. Jahrhundert weitgehend stillzustellen. Dennoch sind die Fragen nach den Veränderungen unserer Identität und unserer Selbstverständnisse virulent, stehen die Phantasien um Cyborgs, Unsterblichkeit und intelligente Umwelten nicht still und fordern weitere wissenschaftliche Projektionen sowie biopolitische und lebenswissenschaftliche Interventionen heraus. Auch angesichts technisch-ökonomischer Umwälzungen von politischen und sozialen Ordnungen drängen Fragen danach, welche Identitätseffekte und Infragestellungen von Menschen- und Weltbildern diese mit sich bringen. Wie formieren sich die diversen menschlichen Faktoren, Qualitäten und Wahrnehmungen in unterschiedlichen Umwelten? Und wie sind die anthropotechnischen und medialen Einschlüsse innerhalb einer informationell vernetzten Welt zu beschreiben? Und nicht zuletzt sind auch die fiktionalen Entwürfe theoretisch zu berücksichtigen, in denen wir uns kollektiv erträumen, wie wir gerne wären...

Programm

Tagungsprogramm

Donnerstag, 6. Dezember, Festsaal im Goethehaus
13:00 – 13:30 Uhr
Christiane Voss/Lorenz Engell: Einführung

Sektion: Norm und Kultur

13:30 – 15:30 Uhr
Christine Blättler: Anerkennung und Unverfügbarkeit. Überlegungen zum Problem von Norm und Form
Oswald Schwemmer: Kultur als externalisierte Information
Respondenz: Leander Scholz

16:00 – 18:00 Uhr
Erhard Schüttpelz: Die ursprüngliche Überflussgesellschaft – die ursprüngliche Mediengesellschaft?
Rebecca Cassidy: Slotomania and Other Risky Stories
Respondenz: Andreas Ziemann

Sektion: Tod und Zeit

18:30 Uhr Keynote
Jan Assmann: Tod und Zeit im Alten Ägypten

Freitag, 7. Dezember, Festsaal im Goethehaus

Sektion: Tod und Zeit

10:00 – 12:00 Uhr
Hartmut Böhme: Kann die Anthropologie von der Todestrieb-Annahme lernen?
Kristin Marek: Ekel und Medienreflexion. Thanatologische Bildpraktiken im Werk von Teresa Margolles
Respondenz: Philipp Stoellger

14:00 – 16:00 Uhr
Philipp Sarasin: Der Mensch der Hygieniker
Friedrich Balke: „Sein zum Tode“ oder „Man stirbt“. Über eine medienanthropologische Leerstelle bei Heidegger
Respondenz: Christiane Voss

Sektion: Tier und Mensch

16:30 – 18:30 Uhr
Iris Därmann: From the Animal’s Point of View. Ein Versuch über imaginäre Zoographie
Bernhard Siegert: Waldmenschen, Wolfskinder, Cat People und andere „Thiermenschen“. Kehrbilder der anthropologischen Differenz (4. Jh. v. Chr. – 20. Jh. n. Chr.)
Respondenz: Eva Schürmann

Samstag, 8. Dezember, Festsaal im Goethehaus

Sektion: Leben und Technik

10:00 – 12:00 Uhr
Manfred Faßler: Das Bio-Imaginäre. Phylogenese von Abstraktion und Erkundung
Erich Hörl: Das neue ökologische Paradigma. Umweltliche Handlungsmacht und die Frage eines technologischen Humanismus
Respondenz: Astrid Deuber-Mankowsky

12:30 Uhr Keynote
Katherine Hayles: The Technogenetic Spiral. Implications and Interventions

Schlusswort

Die Tagung ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für die Vorträge wird eine Simultanübersetzung ins Englische angeboten.

Kontakt

Ulrike Hanstein

Bauhaus-Universität Weimar
99421 Weimar

ulrike.hanstein@uni-weimar.de

Zitation
Was wär' der Mensch? Anthropologische Projektionen, 06.12.2012 – 08.12.2012 Weimar, in: H-Soz-Kult, 18.10.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-20318>.