Lost in Cyber Space. Schreiben gegen Krieg im Zeitalter digitaler Medien

Ort
Osnabrück
Veranstaltungsort
Volkshochschule der Stadt Osnabrück GmbH, Bergstraße 8, 49076 Osnabrück
Veranstalter
Volkshochschule VHS Osnabrück; Erich Maria Remarque-Gesellschaft Osnabrück e.V.; in Kooperation mit dem Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück
Datum
11.01.2013 - 13.01.2013
Von
Claudia Glunz

"Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg? Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter anderen Sätzen: Lasst Euch nicht von den Eignen täuschen."
(Aus: Christa Wolf, Kassandra)

Der Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque und andere Antikriegsromane haben weltweit Millionen Menschen erreicht. Auch heute findet Literatur gegen Krieg und Gewalt, finden kritische, aufrüttelnde Berichte in den Medien ihre Öffentlichkeit. Aber es ist etwas anders geworden. Kritische Blogs im Internet informieren und mobilisieren Menschen, Demonstrationen werden per Facebook oder Handy verabredet, früher flogen zuweilen Pflastersteine, heute erzielt vielleicht ein "Shitstorm" per Twitter noch größere Effekte. Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden öffentlich, Informationen sind leichter und schneller zugänglich und finden über digitale Netzstrukturen eine rasante Verbreitung. Daraus entstehen neue Fragen.

Wie werden die digitalen Netzwerke zur Verständigung untereinander genutzt? Wie verändern sich Sprache und Aussage durch die digitalen Netzwerke? Machen neue Formen des Schreibens und Publizierens oder digitale Netzwerke Antikriegsliteratur, wie wir sie kennen, überflüssig? Oder erhält gerade das Schreiben gegen Krieg,
Unrecht und Gewalt angesichts dieser Entwicklungen neue Ausdrucksmöglichkeiten und ein besonderes Gewicht?

Autoren, ob Journalisten oder Schriftsteller, und bildende Künstler nehmen gesellschaftliche Trends und Erschütterungen oft ganz besonders sensibel wahr. Sie können wachsam sein und kritisch, sie können technologischen Entwicklungen skeptisch gegenüber stehen und sie trotzdem nutzen. Es entstehen neue Berichts- und Erzählformen, die sich im Internet und in den digitalen Netzwerken schneller und grenzüberschreitender verbreiten, als das in einer analogen Welt jemals möglich war. Handyaufnahmen von Menschenrechtsverletzungen, Solidaritätskampagnen über Facebook und Youtube oder Blogs im Web finden häufig eine weltweite Aufmerksamkeit, die ihnen in der Welt der alten Medien nie oder erst mit großer Verzögerung zuteil geworden wäre.

Die Tagung beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie Schreiben gegen Krieg sich durch die digitalen Medien verändert. Die Referentinnen und Referenten werden sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Möglichkeiten und Gefahren unserer zunehmend digitalisierten Welt befassen und Chancen des Schreibens gegen Krieg an ausgesuchten Beispielen vorstellen.

Programm

Freitag, 11. Januar 2013
15.00 Uhr
Eröffnung der Tagung durch Lioba Meyer (Erich Maria Remarque-Gesellschaft) und Dr. Carl-Heinrich Bösling (Volkshochschule)

Gefällt mir!? Berichte aus dem Leben von "digital natives"
SchülerInnen präsentieren ihre Gedanken zum Umgang mit den neuen Informationstechnologien

15.30 Uhr
Matthias Politycki: Echte Literatur wird offline geschrieben

16.30 Uhr Kaffeepause

17.00 Uhr
Constanze Kurz: Die Automatisierung des Krieges

18.00 Uhr
Ulrich Tilgner: Medienberichterstattung in kriegerischen Zeiten

Im Anschluss Abendbüffet und Zeit für Gespräche im Saal der VHS

Samstag, 12. Januar 2013
9.30 Uhr
Prof. Dr. Reinhold Mokrosch: Online-Predigten (christliche und muslimische) gegen den Krieg – wie wirksam sind sie (gewesen)?

10.30 Uhr
Lioba Meyer: Sturz in den Tod vor den Augen der Welt. Der 11. September in Don DeLillos Roman "Falling Man". Eine Abrechnung mit Terror und Krieg als Medienereignis

11.30 Uhr Kaffeepause

12.00 Uhr
Dr. Christian Humborg: Der Kampf gegen Korruption im digitalen Zeitalter

13.00 bis 14.30 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr
Wolf Goertz: Eine neue Kommunikationskultur durch Facebook und Twitter?

15.15 Uhr
André Böhlke: Trojaner und Bot-Netzwerke - praktisch erklärt

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr
Ingo Regenbogen: Drehbuchschreiben für (Anti-) Kriegsfilme. Welche Geschichten erzählen neue Fernsehfilme? Welche Wirkung erzielen sie?

17.30 Uhr
Jennifer Koether: Kreativer Straßenprotest – von Kunst im öffentlichen Raum zum Cultural Hacking

19.30 Uhr (emma-theater)
Kooperation mit dem Theater Osnabrück (www.theater-osnabrueck.de)
Azar Mortazavi: Ich wünsch mir eins (Uraufführung)
Inszenierung: Annette Pullen
Darsteller: Andrea Casabianchi, Thomas Kienast, Maria Goldmann,
Oliver Meskendahl
Im Anschluss an die Aufführung findet ein Gespräch mit der Regisseurin Annette Pullen und SchauspielerInnen statt.

Sonntag, 13. Januar 2013
9.30 Uhr
Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose: Gewissen und moderne Kriegsführung

10.30 Uhr
David Schraven: Kriegsbilder aus Kriegszeiten

11.30 Uhr Kaffeepause

12.00 – 13.00 Uhr
Schlussbetrachtungen und Podium mit kritischen Kommentierungen durch den Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Tilman Westphalen und "stille Beobachter" aus der Erich Maria Remarque-Realschule, der Gesamtschule Schinkel sowie der Universität Osnabrück

Kontakt

Carl-Heinrich Bösling

Volkshochschule der Stadt Osnabrück GmbH, Bergstraße 8, 49076 Osnabrück

05 41/323 – 21 97

boesling@vhs-os.de

Zitation
Lost in Cyber Space. Schreiben gegen Krieg im Zeitalter digitaler Medien, 11.01.2013 – 13.01.2013 Osnabrück, in: H-Soz-Kult, 19.11.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-20580>.