Präsenzen 2.0. Körperinszenierung in Medienkulturen

Ort
Salzburg
Veranstalter
Fachbereich Soziologie, Universität Salzburg
Datum
05.12.2013 - 06.12.2013
Bewerbungsschluss
31.07.2013
Von
Sebastian Mraczny

Das Thema der Tagung fügt sich ein in die in den letzten Jahren verstärkte sozialwissenschaftliche Erforschung des Zusammenhangs von symbolischen Körperrepräsentationen und sozialen Strukturen (z. B. mit dem Augenmerk auf Körperpolitiken, Körperpraktiken oder Körperwissen). Während dieser Zusammenhang jedoch meist mit Bezug auf Situationen von Kopräsenz untersucht wird, stehen bei dieser Tagung Körperzeichen im Vordergrund, deren (Re-)Produktion durch technologisch basierte Interaktionsrahmen und Settings beeinflusst sind. Körper und ihre Inszenierungen werden dabei als ein Forschungsgegenstand begriffen, dessen leibliches Substrat nicht einfach als Apriopri akzeptiert werden kann, sondern durch medial vermittelte Praktiken überhaupt erst hervorgebracht wird.

Die Untersuchung von Körperzeichen mittels medialer Inszenierung gewinnt vor dem Hintergrund besonderes Gewicht, dass soziale Prozesse der Verkörperung in einem – scheinbaren – Setting der leiblichen Entkörperung fokussiert werden. Während nämlich einerseits neue Ergebnisse zur detaillierteren Erforschung von Praktiken um den Körper und seiner Inszenierung entstehen, wird gleichzeitig in weiten Teilen der Medientheorie das Verschwinden des Körpers im herkömmlichen Sinne als materielles, beständiges oder authentisches Substrat von Kommunikationsprozessen beschrieben. Eine gemeinsame Basis besteht im Konsens, dass sich gegenwärtige Medienkulturen dadurch auszeichnen, dass eine weit verbreitete und umfassende Medienkompetenz bzw. media literacy vorliegt: elaborierte technologienvermittelte Darstellungen und symbolische Repräsentationen von Körpern, insbesondere in Bezug auf sog. Neue Medien, können sowohl gedeutet als auch in der Kommunikation aktiv eingesetzt werden. Hier kommt es typischerweise zu einer doppelten Vermittlung. Der Körper, der in der Kommunikation als eine Art Bildschirm fungiert, repräsentiert subjektiven gemeinten und sozialen Sinn, der in einem weiteren, dem technologisch basierten und materialisierten, Rahmen inszeniert wird. Dies eröffnet auch einen Bezug zur soziologischen Theoriebildung, insofern als die bisher kategoriale Unterscheidung von Interaktion in körperlicher Anwesenheit oder Abwesenheit im Lichte sich herausbildender, weiterer resp. anderer Formen der (Ko-)Präsenz diskutiert werden kann.

Die Beiträge der Tagung setzen unterschiedlichen Kommunikationsformen und die bei der Produktion und Rezeption von Zeichen verwendeten Medien in Beziehung. Dabei steht jeweils der Körper als Medium und die (weitere) Körperinszenierung durch technologische Medien im Mittelpunkt der Untersuchung. Effekte der (neuen) medialen Bedingtheit von körperlichen Inszenierungspraktiken müssen sich dabei nicht auf im engen Sinne „synthetische“ Situationen beschränken. Media literacy kann auch in Settings des unmittelbaren, kopräsenten, d. h. des nicht technologisch basierten Körperkontaktes, untersucht werden.

Die Beiträge widmen sich der Theorie des Zusammenhangs von technologisch basierten Körperrepräsentationen und sozialen Strukturen oder der empirischen Erforschung dieses Zusammenhangs an spezifischen Wirklichkeitsausschnitten.
Folgende Fragen stehen hierfür beispielhaft:
Welche spezifischen Inszenierungstechniken von Körpern in der Repräsentation durch Technologien haben sich herausgebildet? Wie gestalten sich die spezifischen Erwartungen an die technologisch basierte Verkörperung von sozialen Rollen? Lassen sich neue rituelle Inszenierungen von Körpern in technologisch basierten Repräsentationen identifizieren? Welche spezifischen technologisch produzierten Settings von körperfokussierten Interaktionen und Kontakten gibt es aktuell? Was sind charakteristische Bezüge zwischen physisch anwesenden und abwesenden Körpern in der Interaktion? Haben sich spezifische Glaubhaftigkeitscodes (im Sinne von Richard Sennett) für die Körperinszenierung mittels Technologie entwickelt? Wie verbreiten und reproduzieren sich Inszenierungstechniken durch, mit oder für technologische Kommunikationsmedien? Wie werden Körper durch ihre mediale Vermittlung affiziert? Welche (neuen) Formen von Affekten lassen sich an den Körperzeichen medialer Inszenierungen beobachten?

Kontakt

Sebastian Mraczny, Dipl.-Soz.
Universität Salzburg, FB Politikwissenschaft und Soziologie Abteilung Soziologie und Kulturwissenschaft
Rudolfskai 42, 5020 Salzburg, Raum 032
Österreich - Austria
Tel. +43 (0)662 8044-4103
E-Mail: Sebastian.Mraczny@sbg.ac.at

Zitation
Präsenzen 2.0. Körperinszenierung in Medienkulturen, 05.12.2013 – 06.12.2013 Salzburg, in: H-Soz-Kult, 06.06.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-22114>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.06.2013
Klassifikation
Epoche(n)
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Sprache Beitrag
Land Veranstaltung