11. Potsdamer DoktorandInnenforum zur Zeitgeschichte. Krisen als Normalität? Wahrnehmungen und Reaktionen seit 1945

Ort
Potsdam
Veranstalter
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Datum
16.01.2014 - 17.01.2014
Bewerbungsschluss
20.10.2013
Von
Christiane Mende

Der Begriff der Krise erscheint allgegenwärtig, seine inhaltliche Bestimmung fällt jedoch schwer. Unterschiedliche Deutungen dessen, was als Krise auszumachen ist, verweisen auf den relationalen Charakter und die diskursive Verfassung von Krisen. Die neuere Forschung hat dementsprechend vielfältig betont, dass Krisen nicht substantialistisch als ein Niedergangsphänomen zu fassen sind. Vielmehr basieren sie auf Selbstbeschreibungen der Gesellschaft, die eine existentielle Gefährdung ausmachen und angesichts der ungewissen Zukunft rasche Entscheidungen verlangen. Reaktionen auf Krisen können zum einen zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen führen, sie können andererseits allerdings auch auf die Stabilisierung des Bestehenden einwirken. Krisen sind dabei Phasen, die strukturelle Entwicklungen mit ereignishaften Situationen verbinden. Gerade dies macht sie für historische Analysen interessant, da sie sowohl kollektive als auch individuelle Wahrnehmungen und Praktiken einer Zeit verflochten fassbar machen. Krisen erscheinen zwar als Ausnahmephänomene, aber zugleich sind sie Teil gesellschaftlicher Normalität und konstruieren Annahmen über Normalität.

Auf dem ZZF-DoktorandInnenforum 2014 soll daher das Spannungsverhältnis unterschiedlicher Wahrnehmungen und Reaktionen auf Krisen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt stehen. Die von Krisen bzw. Krisendiskursen ausgelösten Prozesse sind historisch in unterschiedlichen Formen zu beobachten und reichen von beschleunigten Aufbrüchen bis hin zu langwährenden Blockaden gesellschaftlichen Handelns. Methodisch wird sich dem Phänomen der Krise aus politik-, wirtschafts-, sozial- und kulturhistorischer Perspektive angenähert. Ebenso breit soll das Spektrum der Themen sein, die von Wirtschaftskrisen über andere einschneidende kollektive Ereignisse, wie Kriegsgeschehen, Entlassungswellen, Regierungswechsel, Energiekrisen, Umweltkatastrophen bis hin zu Krisen in Kultur und Lebenswelt reichen können. Sowohl historische Fallstudien, als auch eher theoretisch ausgerichtete Texte mit historischen Bezügen sind willkommen. Angesichts des häufig grenzüberschreitenden Charakters von Krisenphänomenen laden wir besonders zu Vorschlägen mit internationalen und transnationalen Themenstellungen ein.

Aus diesen Gedanken ergeben sich für das DoktorandInnenforum folgende Fragekomplexe, die jedoch nicht isoliert voneinander betrachtet werden sollen:

I. Krisen-Wahrnehmungen
Welche Ereignisse werden in bestimmten Zeiten und Räumen als Krise verstanden, in anderen hingegen nicht? Lässt sich das, was die einen als Krise wahrnehmen, in anderer Perspektive als Aufbruch beschreiben, wie es beispielsweise die Geschichte der Dekolonialisierung nahe legt? Welche Vorstellungen von gesellschaftlicher Normalität artikulieren sich im Krisen-Bewusstsein und wo werden die Ursachen der Krise verortet?

II. Krisen als Konstruktion
Auf welche Weise werden Krisen diskursiv erzeugt und wie lässt sich ihre Materialität fassen? Wie ändert sich dies im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts? Hier sind auch die Bedingungen, die zur Kritik und Krise führen, zu diskutieren, etwa die jeweiligen medialen Gegebenheiten, unter denen Krisendiagnosen aufkommen und verhandelt werden.

III. Reaktionen auf Krisen
Auf welche Weise handeln unterschiedliche Akteure Reaktionsmuster aus, mit denen man auf die diagnostizierte Krise antworten kann? Welche Auswirkungen haben die Krisendiagnosen auf die in der Gesellschaft vorherrschenden Vorstellungen und Praktiken von Demokratie? Inwieweit verschärfen Krisenbewältigungen die Krise oder werden selbst als Krise gesehen? Welche Subjektpositionen und kollektive Identitäten werden in den verschiedenen Krisen zerrüttet, neu hervorgebracht oder bestärkt?

IV. Krisen als historische Erfahrung
Welches Wissen hinsichtlich der Krisenbewältigung wird in der Krise etabliert und wie wird es aufbereitet und verbreitet? Wie wurde im historischen Prozess Erfahrung und Wissen erfolgreich bearbeiteter Krisen als historische Vorbilder in späteren Krisen aufgenommen, verändert, fortgeführt oder verworfen? Welche Rolle spielt dies für Experten und Wissenschaften, die dadurch künftige Krisen zu verhindern versuchen?

Diesen und ähnlichen Fragen will das DoktorandInnenforum im Januar 2014 nachgehen. DoktorandInnen aus dem Fach Geschichte ebenso wie aus Fächern der verwandten Geistes- und Sozialwissenschaften werden gebeten ihre Beitragsvorschläge (max. 500 Wörter) bis spätestens zum 20. Oktober 2013 einzureichen. Die Dauer der Präsentationen ist auf 20 Minuten begrenzt. ReferentInnen kann ein Zuschuss zu Reise- und Unterkunftskosten gewährt werden.

Teilnehmende, die nicht vortragen möchten, sind herzlich willkommen, werden jedoch um Anmeldung bis zum 31. Dezember 2013 gebeten.

Kontakt

Jens Beckmann, Ariane Brill, Sina Fabian, Christiane Mende

Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

doktorandenforum@zzf-pdm.de

Zitation
11. Potsdamer DoktorandInnenforum zur Zeitgeschichte. Krisen als Normalität? Wahrnehmungen und Reaktionen seit 1945, 16.01.2014 – 17.01.2014 Potsdam, in: H-Soz-Kult, 18.08.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-22556>.
Redaktion
Veröffentlicht am
18.08.2013
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Land Veranstaltung