Momentum Quarterly, Special Issue „Was ist Fortschritt? - Anfragen an einen Begriff"

Ort
Berlin / Linz / Wien
Veranstalter
Momentum Quarterly
Datum
28.02.2014 - 28.02.2014
Bewerbungsschluss
28.02.2014
Von
Michael Lühmann

Call for Papers - Momentum Quarterly

Guest Editors: Michael Lühmann, Julia Seyss-Inquart, und Wolfgang Theis

Fortschritt als eine abstrakte Zieldimension ist sowohl der Politik als auch nahezu allen Wissenschaften inhärent. Im Kontext der Wissenschaft wird die Fortschritt in verschiedenen Disziplinen auf äußerst unterschiedliche Art und Weise inkorporiert, wobei die konkrete Perspektive auf Fortschritt weitgehend von disziplinären Prämissen dominiert wird. So wird Fortschritt in den unterschiedlichen Disziplinen etwa als Einfluss technologischer Innovationen, als quantitatives Wachstum, als soziale Wandlungsprozesse verstanden bzw. der Fortschrittsbegriff an sich eingeordnet und hinterfragt. Im Kontext der Politik hingegen wird Fortschritt hingegen zumeist mit Bezug auf ideologisch-normative Zieldimensionen, also unter Zuhilfenahme spezifischer Wertvorstellungen, konkretisiert. Es gibt auch wissenschaftliche Versuche eine Balance zwischen diesen beiden Ebenen zu finden und Fragen nach den Bestimmungsgründen gesellschaftlichen Fortschritts zu stellen.

Die Frage wie Fortschritt innerhalb verschiedener Denkgemeinschaften konzeptionalisiert wird, ist dabei alles andere als trivial: Schließlich haben explizite und implizite Vorstellungen von technologischem, ökonomischen, politischen oder sozialen Fortschritt ihrerseits massiven Einfluss auf die weitere Entwicklung von Wissenschaft und Gesellschaft. Fortschrittsideen und –konzepte bestimmen die Relevanz von Fragestellungen ebenso wie den Wert unterschiedlicher Lösungsvorschläge. Ziel dieses CFP ist es daher mit den einzelnen Beiträgen unterschiedliche Konzeptionalisierungen von Fortschritt innerhalb der Wissenschaften und auch in der Politik, vergleichend gegenüberzustellen und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile auf interdiziplinärer Basis zu debattieren. Folgende Fragestellungen sind dabei von Interesse:

- Wie wird Fortschritt im Rahmen unterschiedlicher Kontexte implizit oder explizit gedacht und konzeptionalisiert und welche Rückkoppelungen und Verbindungen bestehen zwischen diesen Konzepten und den gesellschaftlichen Entwicklungen oder dient Fortschritt nur als Schlagwort um Paradigmenwandelvorgänge zu kaschieren? Welche Beispiele für Fortschrittsdenken finden sich in Theorie und Empirie?

- Inwiefern weisen die in verschiedenen Disziplinen und Kontexten dominanten Ideen von Fortschritt Einseitigkeiten und blinde Flecken auf, die durch eine ganzheitlichere Sichtweise kompensiert werden sollten? Ist „Fortschritt“ an sich ein legitimes Konzept zur Charakterisierung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse?

- Welchen Beitrag können Versuche einer möglichst ganzheitlichen Betrachtung von Fortschritt leisten? Inwiefern macht es Sinn verschiedene Dimensionen von Fortschritt – etwa technologischen, ökonomischen, zivilisatorischen oder moralischen Fortschritt – zu unterscheiden und lassen sich diese unterschiedliche Dimensionen einer integrierten Betrachtungsweise zuführen? Ist diese integrierte Betrachtungsweise notwendig oder sollte einer differenzierten Betrachtungsweise von Fortschritt der Vorzug gegeben werden?

- Welche wissenschaftstheoretischen, wissenschaftsethischen oder sozialphilosophischen Ansätze sind potentiell geeignet um die Frage der Fortschrittsorientierung in den Wissenschaften kritisch zu reflektieren?

- Ist der Fortschritt als politikleitender Begriff noch brauchbar, kann ein „aufgeklärter“ Fortschrittsbegriff progressive Politik überhaupt noch begründen? Oder ist das Denken an den Fortschritt vor dem Hintergrund der Postmoderne als fundamental delegitimiert anzusehen? Inwieweit handelt es sich bei der These von der postmodernen Delegitimierung jeglichen Fortschrittsdenkens um eine Spezifität der europäisch-angelsächsischen Kultur? Welche Fortschrittsverständnisse treffen wir dabei im nicht-abendländischen kulturellen und geographischen Kontext an? Gibt es eine Alternative zum Begriff und Konzept des „Fortschritts“?

Organisatorische Rahmenbedingungen und zeitlicher Ablauf

- Bis 28. Februar 2014: Einreichung von Beitragsvorschlägen in deutscher oder englischer Sprache zum Special Issue „Was ist Fortschritt?“ an editors@momentum-quarterly.org. Bei der Gestaltung einzureichender Beiträge sind die Manuskriptan-forderungen von Momentum Quarterly zu berücksichtigen (siehe: http://momentum-quarterly.org/fur-autorinnen/manuskriptanforderungen/).

- Bis 15. März 2014: Vorauswahl der Beiträge durch die Gastherausgeberinnen und Rückmeldung an die Autor_innen. Die ausgewählten Beiträge werden in Folge einem anonymisierten Begutachtungsprozess unterzogen.

- Bis 31. Mai 2014: Rückmeldung durch Gutachter_innen und Retournierung der Beiträge an die Autor_innen zu weiteren Bearbeitung.

- Bis 31. August 2014: Einsendung der überarbeiteten Beiträge

- 1. Oktober 2014: Publikation des Special Issue als Momentum Quarterly Vol. 3(3).

Kontakt

Momentum Quarterly

VEREIN MOMENTUM Für kritische Wissenschaft und Politik

editors@momentum-quarterly.org

Zitation
Momentum Quarterly, Special Issue „Was ist Fortschritt? - Anfragen an einen Begriff", 28.02.2014 – 28.02.2014 Berlin / Linz / Wien, in: H-Soz-Kult, 15.11.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-23496>.
Redaktion
Veröffentlicht am
15.11.2013
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Sprache Beitrag
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Land Veranstaltung