Die Mobilisierung des Körpers. Prothetik seit dem Ersten Weltkrieg

Ort
Dresden
Veranstaltungsort
Deutsches Hygiene Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden
Veranstalter
Interdisziplinäre Tagung des Verbundprojektes „ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch. Kompensation, Extension und Optimierung durch Artefakte“ der Technischen Universität Berlin und des Deutschen Hygiene-Museums Dresden; Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Christoph Asmuth, Technische Universität Berlin / PD Dr. Sybilla Nikolow, Technische Universität Berlin / Susanne Roeßiger, Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Datum
13.03.2014 - 14.03.2014
Bewerbungsschluss
28.02.2014
Von
Mathis Nolte

Ausgangspunkt der Tagung ist der Beginn des Ersten Weltkriegs, der sich 2014 zum 100. Mal jährt. Er war paradigmatisch für die Mobilmachung des Körpers in der Moderne, zu deren wichtigsten Instrumenten die Prothetik gehört. Die Kriegsereignisse und -folgen hatten einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Entwicklung von Prothesen, die Veränderung der Körperbilder und die kulturelle, künstlerische und intellektuelle Wahrnehmung des Körpers in der Gesellschaft. Der Erste Weltkrieg eignet sich daher in besonderer Weise, um die Veränderungsprozesse aufzuzeigen, die bis heute weiterwirken.

Die Tagung spannt einen Bogen zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Gegenwart und nimmt aus vergleichender Perspektive Objekte, Praktiken, Diskurse und Bilder in den Blick, mittels derer die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine konfiguriert wurde und wird. Welchen Funktionswandel erfuhren Prothesen seitdem? Welchen gesellschaftlichen Erwartungen folgte die Wiederherstellung des Körpers durch Prothesen? Welche Vorstellungen von Vollkommenheit und Optimierbarkeit liegen diesen „Anthropofakten“ zugrunde? Wie wird die Verletzlichkeit des menschlichen Leibes, aber auch seine Offenheit für technische Erweiterung ästhetisch in Literatur, Film, Werbung und Kunst verhandelt? Wird der imperfekte Mensch durch Prothetik schließlich zum Cyborg?

Tagungsgebühr:
20 EUR/ ermäßigt 10 EUR
Ermäßigungsberechtigt sind gegen Vorlage des entsprechenden Nachweises Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld II sowie Inhaber der Museumsjahresarte.

Die Tagungsgebühr ist am ersten Tagungstag zu entrichten.

Programm

Donnerstag, 13. März 2014

9:00 Uhr
BEGRÜSSUNG

Prof. Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums

9:15 – 10:30 Uhr
EINFÜHRUNG

Menschliche Technik – technisierter Mensch. Fragen, Thesen, Aufgaben des Forschungsprojektes
Prof. Dr. Christoph Asmuth, Leiter des Verbundprojektes „ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch“ an der Technischen Universität Berlin

Dinge zum Reden bringen. Die Sammlung zur Prothetik im Deutschen Hygiene-Museum
Susanne Roeßiger, Leiterin des Teilprojektes „ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch“ des Deutschen Hygiene-Museums Dresden,
Dr. Annika Wellmann-Stühring, Teilprojekt Dresden

10:30-10:45 Uhr Kaffeepause

10:45 Uhr – 12:30 Uhr
ANGEPASST: DIE HERSTELLUNG VON MENSCH-MASCHINE-SCHNITTSTELLEN

Der Mensch als Schnittstelle. Zur Geschichtlichkeit der Prothese
Prof. Dr. Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité

Neuroprothetik: Bedürfnisorientierte statt technikzentrierte Gestaltung
Dr. Jan Seifert, Usability Engineer, User Interface Design GmbH (UID), Ludwigsburg

Moderation: Prof. Dr. Christoph Asmuth

12:30 – 14:00 Uhr: Mittagessen

14:00 – 15:45
MARKTGÄNGIG: WERBUNG FÜR PROTHESEN, WERBUNG MIT PROTHESEN

"Es gibt kein Krüppeltum mehr, wenn der eiserne Wille besteht, es zu überwinden." Mobilisierung mit Prothesen im Ersten Weltkrieg
PD Dr. Sybilla Nikolow, Verbundprojekt „ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch“, Berlin

Prothesen-Körper. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Technik als Handlungs- und Deutungsraum
Prof. Dr. Sabine Kienitz, Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg

Moderation: Dr. Annika Wellmann-Stühring

15:45-16:15 Uhr Kaffeepause

16.15 – 18.00 Uhr Führungen durch die Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ und die Sonderausstellung „Tanz! Wie wir uns und die Welt bewegen“

18.00 – 19.00 Uhr Abendbuffet

19:00 Uhr Öffentliche Abendveranstaltung

Robocops im Zombiekrieg. Verbesserte Menschen in verschlechterter Zeit
Georg Seeßlen, freier Autor und Filmkritiker und Markus Metz, freier Journalist und Autor

Moderation: Simon Gabriel Neuffer, Verbundprojekt „ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch“, Berlin

Freitag, 14. März 2014

9:30 – 11:15 Uhr
FOKUS OBJEKT. PROTHESEN ALS GEBRAUCHSDINGE UND KUNSTOBJEKTE

Einschreibungen. Die Sauerbruch-Prothese des Tegernseer Hutmachers Friedl Schätz
Prof. Dr. Marion Ruisinger, Direktorin des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt

Prothesen ausstellen. Partialobjekte und Zeugen der Objektivierung des Körpers
Prof. Dr. Karin Harrasser, Institut für bildende Kunst und Kulturwissenschaften, Kunstuniversität Linz

Moderation: PD Dr. Sybilla Nikolow

11:15 – 11:45 Uhr Kaffeepause

11:45 – 13:30 Uhr
HELDEN, KRÜPPEL, ÜBERMENSCHEN. PROTHETIK IN DER LITERATUR

Harte Fügung. Zur Poetik der Prothese in der Zwischenkriegszeit
Prof. Dr. Roland Innerhofer, Institut für Germanistik, Universität Wien

Transplantat – Neuroimplantat – Prothese. Literarische Reflexionen über das Leben mit biologischen und technischen ‚Ersatzteilen’
PD Dr. Irmela Marei Krüger-Fürhoff, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin

Moderation: Dr. Tatjana Noemi Tömmel, Verbundprojekt
„ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch“, Berlin

Tagungsfazit: Prof. Dr. Christoph Asmuth und Susanne Roeßiger

Kontakt

ANTHROPOFAKTE
Institutnstitut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte
H22, TU Berlin, Straße des 17.Juni 135, 10623 Berlin
030 / 314 23202

info@anthropofakte.de

Zitation
Die Mobilisierung des Körpers. Prothetik seit dem Ersten Weltkrieg, 13.03.2014 – 14.03.2014 Dresden, in: H-Soz-Kult, 07.02.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-24108>.
Redaktion
Veröffentlicht am
07.02.2014
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