Wissenstransfer und urbaner Raum. Formate, Modi und Akteure des Wissenstransfers in den Städten Ostmittel- und Osteuropas. Internationale und interdisziplinäre Frühjahrsakademie des Herder-Instituts Marburg

Ort
Marburg
Veranstaltungsort
Herder-Institut
Veranstalter
Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung - Institut der Leibniz-Gemeinschaft
Datum
04.03.2014 - 07.03.2014
Von
Heidi Hein-Kircher

Die Stadt ist seit jeher ein Forum der Wissensproduktion und -distribution gewesen. Im Laufe der Geschichte haben sich jedoch auch immer wieder Konstellationen und Phasen ergeben, in denen sich Wissensproduktion und Wissenstransfer über urbane Vermittlungsräume be-schleunigten und eine jeweils ganz spezifische Entwicklungsrichtung nahmen. Im östlichen Europa lassen sich diese Prozesse oft als Rezeption und kreative Weiterentwicklung von Impulsen fassen, die sich bisweilen erst mit einer zeitlichen Verzögerung durchsetzten und vor dem Hintergrund bestimmter sozioökonomischer und kultureller Faktoren (Multiethnizität, Konfessionalisierung, Nationalisierungsprozesse) eigene, für die Region spezifische Ausprä-gungen annahmen. Auch wird am Beispiel der Städte Ostmittel- und Osteuropas deutlich, dass Wissenstransfer nicht nur zwischen den einzelnen Städten, sondern auch innerhalb von Städten stattfand, da das auf unterschiedliche Weise transferierte Wissen von lokalen Akteu-ren unterschiedlich aufgenommen wurde.

Während in der Forschung zur Frage des Verhältnisses von Stadt und Wissen bislang vor allem Migration und Techniktransfer, Institutionen (wie Universitäten) sowie die Rechts- und Urbanisierungsgeschichte im Zentrum des Interesses standen, will die Frühjahrsakademie sich dem städtischen Raum in einer neuen Form annähern und die spezifischen urbanen Formate des Wissenstransfers und der Wissensvermittlung zur Diskussion stellen. Dabei wird besonders nach den spezifischen urbanen Modi, Formaten, Akteuren, Medien und Diskursen der Wissensproduktion und des Wissenstransfers gefragt.
Ein Fokus wird auf die Phase der Urbanisierung der klassischen Moderne und somit auf die Wissensproduktionen im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gelegt werden. Die räumliche, thematische und zeitliche Bandbreite ist jedoch bewusst offen gelassen.

Programm

Dienstag, 4. März 2014
14.00 Uhr Eszter Gantner, Heidi Hein-Kircher (Marburg): Begrüßung und Vorstellung
14.30 Uhr Heidi Hein-Kircher: Stadt- und Urbanitätsgeschichte in Ostmitteleuropa – ein Forschungsüberblick
15.00 Uhr Institutsführung
16.30 Uhr Veronika Wendland (Marburg): Urbanität als Forschungsproblem in der Geschichte des östlichen Europa

Mittwoch, 5. März 2014
Sektion I: Die Stadt als Wissensraum
9.00 Uhr: Kursarbeit
10.00 Uhr Nishant Narayanan: Zwischen Stadt-Raum und Welt-Wissen – Dritte Welt als Erkenntnisort(?)
10.45 Uhr Thomas Martin: Kinderstube und Experimentierfeld der Altertumswissenschaft?!
Athen als urbaner Raum in der Generierung von Antikenwissen im 19. Jahrhundert
11.30 Uhr Ronald Monem: Grundzüge einer Lesetopographie von Rostock zur Mitte des
19. Jahrhunderts
12.45 Uhr Friedrich Cain: Interaktion, Reflexion und Aktion, Urbanität im Denken und Leben des Soziologen Stanislaw Ossowskis (1897-1963)

Sektion II: Transformation der Stadt (durch Wissen) – von der Theorie zur Realisierung
14.00 Uhr Nadja Weck: Eisenbahn und Stadtentwicklung in Zentraleuropa am Beispiel der Stadt Lemberg
14.45 Uhr Kryštof Drnek: Urbanistic competitions in Prague’s unfinished urbanization in
interwar period. Transformation of academical urbanistic ideas into real projects
15.30 Uhr Kursarbeit

17.30 Uhr Wolfgang Kaschuba (Berlin): Urbanität und/als zirkulierendes Wissen

Donnerstag, 6. März 2013
9.00 Uhr Kursarbeit
10.45 Uhr Bibliotheksarbeit

Sektion III: Wissenstransfer zwischen und in den Städten: Akteure
14.00 Uhr Irina Nastasă-Matei: Cultural, professional and ideological transfer between Berlin and Bucharest. Case-study: the Romanian students in Nazi Germany
14.45 Uhr Victoria Soloschenko: Die Rolle der Universitäten (Universität vom Heiligen Wladimyr und Mohyla Akademie in Kiew Ende 19. – erste Hälfte des 20. Jahrhunderts) beim Wissenstransfer
15.30 Uhr Zuzana Poláčková: Knowledge Transfer in Bratislava and Vienna: The Multiethnic Social Democratic Milieu and the Slovaks, 1900-1914
16.30 Uhr Eszter Gantner (Marburg): Urbanisierung und Wissensformate: Budapest 1880-1914
17.30 Uhr László Szögi (Budapest): Wissenstransfer aus einem multiethnischen Land. Ungarländische Studenten an europäischen Universitäten im langen 19. Jahrhundert. 1801-1918

Freitag, 7. März 2014
Sektion IV: Wissenstransfer zwischen und in den Städten: Formate und Strategien
9.00 Uhr Kursarbeit
10.00 Uhr Bibliotheksarbeit
12.00 Uhr Rikako Shindo: Königsberg als Umschlagsort von Waren und Wissen. Ostpreußens Hauptstadt und seine Ostmesse in den 1920er Jahren
14.00 Uhr Malgorzata Popiolek: Wiederaufbau von Warschau nach dem Zweiten Weltkrieg im Kontext der europäischen Denkmalpflege
14.45 Uhr Csongor Lőrincz (Berlin): Modernität und Kultur um 1900 in Ungarn
16.45 Uhr Eszter Gantner, Heidi Hein-Kircher: Zusammenfassung
Abschlussdiskussion

Kontakt

Heidi Hein-Kircher

Herder-Institut, Gisonenweg 5-7, 35037 Marburg

heidi.hein-kircher@herder-institut.de

Zitation
Wissenstransfer und urbaner Raum. Formate, Modi und Akteure des Wissenstransfers in den Städten Ostmittel- und Osteuropas. Internationale und interdisziplinäre Frühjahrsakademie des Herder-Instituts Marburg, 04.03.2014 – 07.03.2014 Marburg, in: H-Soz-Kult, 24.02.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-24277>.
Redaktion
Veröffentlicht am
24.02.2014