Sozialgeschichte des Todes (AfS 55, 2015)

Ort
Berlin
Veranstalter
Friedrich-Ebert-Stiftung, Archiv für Sozialgeschichte
Datum
20.11.2014 - 21.11.2014
Bewerbungsschluss
28.05.2014
Von
Meik Woyke

„Six Feet Under – Gestorben wird immer“ heißt die vielfach ausgezeichnete amerikanische Serie über ein Bestattungsunternehmen in Los Angeles, dessen Folgen immer mit einem mal skurrilen, mal tragischen Tod beginnen – und dabei eben nie allein über das Sterben, sondern immer auch über die Trauer, den Verlust und die Bewältigungsstrategien der Lebenden erzählen. Nicht erst seit Philipp Ariès' großer Studie über die „Geschichte des Todes im Abendland“ haben Historiker und Kulturwissenschaftler die Bedeutung des Themas entdeckt, und doch ist seitdem, angeregt auch durch die Arbeiten von Norbert Elias, Michel Foucaults und Émile Durkheims, die Diskussion darüber nicht mehr abgerissen, ob moderne Gesellschaften den Tod „verdrängen“ oder – und dafür wäre „Six Feet Under“ ein Hinweis – es gar zu einer „Enttabuisierung“, einer neuen Sichtbarkeit von Tod und Sterben gekommen sei.

Neben diesen ,klassischen‘ Erzählungen sind in den letzten Jahren noch andere Debatten hinzugekommen, die ebenfalls im neuen Band des „Archivs für Sozialgeschichte“ eine Rolle spielen sollen. Es geht dabei um die – sehr gegenwartsnahen – Kontroversen um das „Ende des Lebens“, um medizinische und juristische Definitionen des Todes (wie in den Debatten um Hirntod, Sterbehilfe oder Abtreibung); es geht um den Massentod und die Versuche seiner Bewältigung als Kennzeichen der Geschichte des 20. Jahrhunderts, um Prozesse der Ökonomisierung und Medialisierung oder um das Verhältnis von Konsum und Tod. Eine Geschichte des Todes bietet damit aus einer sozialhistorischen Perspektive die Möglichkeit, einen spezifischen Blick auf Prozesse sozialen Wandels zu werfen.

Unterschiedliche Themen sind vorstellbar: der (schicht- und klassenspezifische) Umgang mit Tod und Trauer, das „Geschäftsfeld Tod“, Orte des Todes (Krankenhäuser, Friedhöfe, Schlachtfelder, private Wohnungen), soziale Bewegungen und Verbände (wie die Hospizbewegung und Kriegsgräberfürsorge), der Tod als Gegenstand wissenschaftlicher Expertise, Prozesse der Politisierung, Verrechtlichung und Sakralisierung, Formen der Repräsentation, der Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung des Todes und der sozialen Ungleichheit von Tod und Sterben.

Willkommen sind zudem Beiträge, die die neuen Forschungsentwicklungen aus kulturwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive diskutieren. Zudem lädt der Band gerade auch solche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, die sich mit außereuropäischen Kulturen beschäftigen.

Am 20./21. November 2014 wird ein Autoren-Workshop zur Vorbereitung des AfS-Bandes bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin stattfinden. Mögliche Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Vorschläge können bis zum 28. Mai 2014 eingereicht werden. Die Exposés sollten 3.000 Zeichen nicht überschreiten.

Die Redaktion des Archivs für Sozialgeschichte besteht aus Beatrix Bouvier, Anja Kruke, Friedrich Lenger, Ute Planert, Dietmar Süß, Meik Woyke (Schriftleitung) und Benjamin Ziemann.

Kontakt

Friedrich-Ebert-Stiftung
Archiv für Sozialgeschichte
Dr. Meik Woyke
Godesberger Allee 149
53175 Bonn

Tel.: ++ 49 (0) 2 28 / 8 83 - 80 68/90 33
Fax: ++ 49 (0) 2 28 / 8 83 - 92 09

Zitation
Sozialgeschichte des Todes (AfS 55, 2015), 20.11.2014 – 21.11.2014 Berlin, in: H-Soz-Kult, 23.03.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-24430>.