gendered voices - Neue Perspektiven auf digitale Zeitzeug_innen-Archive

Ort
Freiburg im Breisgau
Veranstaltungsort
Pädagogische Hochschule Freiburg, Kollegiengebäude V, Raum 103
Veranstalter
Abteilung Geschichte, Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Datum
18.07.2014 - 18.07.2014
Von
Christina Brüning

Binnen der letzten dreißig Jahre sind zunehmend mehr Erinnerungen an die Shoah und an Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs in lebensgeschichtlichen Interviews videographiert und anschließend digitalisiert worden. Paradigmatische Archive sind hierfür das Visual History Archive (VHA) der von Steven Spielberg begründeten Shoah Foundation oder das Archiv Zwangsarbeit 1939-1945 (ZWAR). Erinnerungen sind auf diese Weise medial in „Erinnerungen online“ transformiert und in digitalen Archiven zusammengetragen worden.

Zwar liegen herausragende Arbeiten zu diversen Genderaspekten der Geschichte der Shoah und der Zwangsarbeit vor, allerdings ist der Sammelband von Alina Bothe und Christina Brüning (Geschlecht und Erinnerung im digitalen Zeitalter. Neue Perspektiven auf Zeitzeug_innen-Archive, Berlin (Lit.Verlag) im Druck) der erste, der nach der Bedeutung der Kategorie Geschlecht für Erinnerungen im digitalen Zeitalter fragt. Im auf der Tagung "gendered voices – Neue Perspektiven auf digitale Zeitzeug_innen-Archive" zu beleuchtenden Spannungsfeld liegen daher einerseits Fragen nach gendered narratives in digitalen Medien und andererseits der Wandel von Erinnerungen an geschlechtlich erfahrene Verfolgungen durch Digitalisierungen und Archivierungen online.

Die Keynote-speakerin Prof'in Judith Keilbach ist als ausgewiesene Kennerin der TV- und Medienlandschaft eine der ersten gewesen,
die sich mit der Medialisierung von Zeug_innenschaft auseinandergesetzt hat. Sie wird in ihrem Vortrag einen weiten Bogen spannen über technische Aspekte und geschlechtliche
Perspektiven.

In den spezifischeren Vortragsthemen dann wird bewusst der Blick auf bisher marginalisierte Narrative gerichtet. So wird bspw. Grete Rebstock (FU Berlin) zu ehemaligen Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion vortragen und Stephanie Hog (PH Freiburg) zu Weiblichkeitskonstruktionen in Zeugnissen von Überlebenden des Porajmos. Alina Bothe ist durch ihre profunden Kenntnisse des Jiddischen sowie der osteuropäischen Judenheiten und durch die Leitung der Research Group „AG Zeug_innenschaft“ am Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg besonders vertraut mit den Narrativen Überlebender. In ihrem Vortrag unterzieht sie die Videointerviews des Ehepaars Gotthardt zum Thema des Warschauer Ghetto Aufstands einem intensiven close reading, bei dem gender als Analysekategorie dient. Außerdem ist besonders hervorzuheben, dass sich der Beitrag von Cay Buschmann (PH Freiburg) den Verfolgten nach § 175 widmet und homosexuelle Lebenswelten als Moment lebensgeschichtlicher Narrative untersucht.

Gemeinsam mit den Wissenschaftler_innen, der Öffentlichkeit und den Studierenden der PH Freiburg sollen Zukunftsperspektiven, Chancen, Gefahren, Fragen der Vermittlungspraxis und Didaktik sowie weitere Forschungsfelder im Dreieck von Geschlecht, Erinnerung und Digitalität erörtert werden.

Programm

9:30 – 9:45 Christina Brüning und Studierende der Pädagogischen Hochschule Freiburg:
Begrüßung und inhaltliche Hinführung

9:45 – 10:45 Prof. Dr. Judith Keilbach (Universität Utrecht):
Die Medialisierung der Zeitzeug_innen. Technische Entwicklungen, Darstellungspraxen und Geschlechterperspektiven

10:45 – 11:30 Alina Bothe (Zentrum für Jüdischen Studien Berlin-Brandenburg):
Gendered Voices. Geschlecht als relevante Analysekategorie für Zeugnisse Überlebender des Warschauer Ghetto Aufstands

11:30 – 12:00 Kaffeepause

12:00 – 12:30 Prof. Dr. Andrea Peto und Dr. Helga Dorner (Central European University Budapest):
Using VHA for Teaching about Sexual Violence – Experiences from a Hungarian perspective

12:30 – 13:00 Stefanie Hog (PH Freiburg):
Gender als Analysekategorie? Weiblichkeitskonstruktionen in den Zeugnissen von Porajmos-Überlebenden

13:00 – 14:00 Mittagspause

14:00 – 14:30 Grete Rebstock (Freie Universität Berlin):
Emotionen und Diskurse. Überlegungen zu den Erinnerungen ehemaliger
NS-Zwangsarbeiter_innen aus der Sowjetunion

14:30 – 15:00 Cay Buschmann (PH Freiburg):
Videografierte lebensgeschichtliche Narrative der nach § 175 Verfolgten

15:00 – 15:30 Andreas Kneer (PH Freiburg):
Viktimisierung 2.0:
Eine genderkritische Analyse des Online-Archivs „Gedächtnis der Nation“

15:40 – 16:20 Diskussion
Podiumsdiskussion der Wissenschaftler_innen moderiert durch Studierende der PH Freiburg zur Frage der Zukunft von Geschlecht und Erinnerung im digitalen Zeitalter

ab 16:30 Gemeinsamer Ausklang bei Brezeln und kalten Getränken

Kontakt

Christina Brüning

PH Freiburg
Kunzenweg 21, 79117 Freiburg

christina.bruening@ph-freiburg.de

Zitation
gendered voices - Neue Perspektiven auf digitale Zeitzeug_innen-Archive, 18.07.2014 – 18.07.2014 Freiburg im Breisgau, in: H-Soz-Kult, 02.07.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-25366>.
Redaktion
Veröffentlicht am
02.07.2014