Der Bruch des Vertrages. Die Verbindlichkeit der Diplomatie und ihre Grenzen

Ort
Münster
Veranstaltungsort
Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters „Religion und Politik“, Raum JO 101, Johannisstraße 4, 48143 Münster
Veranstalter
DFG-Projekt „Symbolische Kommunikation und kulturelle Differenz“, Prof. Dr. Martin Kintzinger/ Dr. Georg Jostkleigrewe, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Datum
17.09.2014 - 19.09.2014
Von
Georg Jostkleigrewe

Welche Brechungen und Verwerfungen bewirken kulturelle, mediale und soziale Grenzen auf dem Feld der vormodernen diplomatischen Interaktion? Welche Bedeutung besitzen sie für deren symbolische Inszenierung? Und welche Rolle spielen diese Grenzen dort, wo diplomatische Verbindlichkeit infragegestellt wird – kurz: Wo Verträge gebrochen werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich das von Prof. Dr. Martin Kintzinger geleitete DFG-Projekt „Symbolische Kommunikation und kulturelle Differenz. Visualisierung interkultureller Diplomatie im westeuropäischen Spätmittelalter“, das vom 17.-19. September 2014 in Münster seine Abschlußtagung veranstaltet. Unser besonderes Interesse gilt der Erzeugung von Verbindlichkeit und den Problemen, die dabei auftreten. Im Rahmen der Abschlußtagung werden wir unterschiedliche Perspektiven auf diesen Problemkreis bündeln, indem wir den „Bruch des Vertrags“ sowie seine Antizipationen und Nachwirkungen in den Blick nehmen.

Die Beiträge sind auf drei Feldern angesiedelt:
1. Normative Auseinandersetzung mit Vertragsschlüssen und –brüchen: Explizite und implizite Handlungsnormen; juristische, ethische, philosophische Diskurse zu Vertragsschluß und Vertragsbruch.
2. Phänomenologie des Vertragsbruchs in vormodernen Gesellschaften.
3. Probleme der Verbindlichkeitserzeugung über kulturelle Grenzen hinweg.

Programm

Mittwoch, 17.09.2014

Sektion I: Der Bruch des Vertrags – Diplomatischer Alltag und historisches Skandalon?

Moderation: Martin Kintzinger

14.30-15.00
Georg Jostkleigrewe ( Münster): Einführung

15.15-16.00
Stéphane Péquignot (Paris): Zerbrechliche Verträge? Einige Bemerkungen über die diplomatischen Beziehungen der aragonesischen Könige mit den Königen von Frankreich und von Kastilien (13.-15. Jahrhundert)

16.00-16.45
Gesa Wilangowski (Münster): "Il fault que ledict traictie soit parfaict [...] sans ce quil claudique". Perfekter Pakt? Herausforderungen der Diplomatie zur Zeit Maximilians I.

17.15-18.00
Jean-Marie Moeglin (Paris): Pourquoi n’ya-t-il pas eu de paix pendant la guerre de Cent ans ? À propos des traités de Brétigny-Calais (1360) et de Troyes (1420)

18.00-18.45
Gregor Rohmann (Frankfurt): Die Vertragsbrecher sind immer die anderen. Der Frieden von Skanör und Falsterbo (1395) und seine Nachgeschichte im Kontext der zeitgenössischen Diplomatie

Donnerstag, 18.09.2014

Sektion II: Der Bruch des Vertrags als intra- und interkulturelles Problem: Handelsbeziehungen

Moderation: Peter Oestmann

09.00-09.45
Ulla Kypta (Frankfurt): Verhandlungen zwischen der Hanse und Flandern. Wie man den Diskurs über den Vertragsbruch strategisch einsetzt

09.45-10.30
Marc von der Höh (Bochum): Interreligiöse Absicherungsstrategien. Das Beispiel der Verträge der italienischen Seestädte mit muslimischen Herrschern

11.00-11.45
Christina Brauner (Münster): "Only of decorative significance?" Interkulturelle Vertragspraxis an der Gold- und Sklavenküste (17.-18. Jhdt.)

11.45-12.30
Cornelia Neustadt: „vnse viende iegen God, ere vnd recht“: Vor- und Nachspiel einer Kriegserklärung (1423–1435)

Sektion III: Kanonistische Konzepte: Die Verbindlichkeit der Repräsentation

Moderation: Wolfram Drews

14.00-14.45
Noelle Laetitia-Perret (Fribourg): Guillaume Durands Speculum legatorum (XIII. Jhd.) : Zum Entstehungskontext eines Traktats über das Verhältnis zwischen Papst und Legat

Sektion IV: Der Bruch des Vertrags als intra- und interkulturelles Problem: Mittelmeerraum

Moderation: Wolfram Drews

15.00-15.45
Malika Dekkiche (Gent): Dār al-Ḥarb, Dār al-Islām: status, functions and reality in Mamluk Diplomacy

15.45-16.30
David Crispin (Münster/Köln): Auch den Ungläubigen muss man Treue halten. Bündnisse zwischen Lateinern und Muslimen im ersten Jahrhundert der Kreuzzüge

17.00-17.45
Martin Vucetic (Mainz): Das Abkommen zwischen Kaiser Manuel I. Komnenos und Sultan Kilic Arslan II. (1162): Mechanismen zur Absicherung von Verträgen und ihr Scheitern

17.45-18.30
Sebastian Kolditz (Heidelberg): Fides Grecorum. Die Nichterfüllung vertraglicher Bestimmungen als Faktor in den lateinisch-griechischen Beziehungen des 14. und 15. Jahrhundert

Freitag, 19.09.2014

Sektion V: Der Bruch des Vertrags als intra- und interkulturelles Problem: Polen-Litauen und Oberitalien

Moderation: Claudia Garnier

09.00-09.45
Anja Thaller (Marburg): Advocati ecclesiae – zwischen Schutz und Eigennutz. Oder warum die Grafen von Görz die Verträge mit der Aquileier Kirche brachen

09.45-10.30
Gregor Metzig (Berlin): Bündnispolitik und Vertragsbruch im Kontext des Venezianerkriegs Kaiser Maximilians I. (1508-1516)

10.45-11.30
Julia Burkhardt (Heidelberg): Von unversehrten Dokumenten und zerstückelten Verträgen. Thronfolgeabkommen im spätmittelalterlichen Polen

11.30-12.15
Sebastian Kubon (Hamburg): Die Verträge von Sallinwerder (1398) und Raciążek (1404) zwischen dem Deutschen Orden und Großfürst Vytautas von Litauen – Reduzierte Verbindlichkeitserwartung und ihre Kompensation in einem transkulturellen Kontext

Abschluß

12.15-13.00 Round-Table-Gespräch: Die Verbindlichkeit vormoderner Diplomatie und ihre sozialen, medialen und kulturellen Grenzen

Kontakt

Georg Jostkleigrewe

Institut für Frühmittelalterforschung, Robert-Koch-Straße 29, 48149 Münster

+49 (0)251 83-27924

gjost_01@uni-muenster.de

Zitation
Der Bruch des Vertrages. Die Verbindlichkeit der Diplomatie und ihre Grenzen, 17.09.2014 – 19.09.2014 Münster, in: H-Soz-Kult, 18.07.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-25458>.
Redaktion
Veröffentlicht am
18.07.2014