Okkultismus im Gehäuse. Institutionalisierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Paranormalen im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich

Ort
Freiburg/Br.
Veranstaltungsort
Sitzungssaal, Wilhelmstraße 26, 79098 Freiburg/Br.
Veranstalter
Anna Lux und Sylvia Paletschek, Historisches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Datum
15.10.2014 - 17.10.2014
Von
Anna Lux

Die Tagung beschäftigt sich am Beispiel von Parapsychologie und Psychical Research mit den Formen, Möglichkeiten und Grenzen der Institutionalisierung von Forschung über das Paranormale im 20. Jahrhundert. Sie fragt nach den Institutionalisierungsprozessen innerhalb wie außerhalb der Universität. Damit geraten Institute und Professuren ebenso in den Blick wie Vereine, Zeitschriften oder Tagungen, aber auch die versuchte Anwendung okkulten Wissens (etwa durch Kriminaltelepathie) sowie die Gegner der Parapsychologie.
Ausgehend von empirischen Studien sollen im Rahmen der Tagung eine Reihe von Fragen diskutiert werden: Zeichnen sich im Institutionalisierungsprozess unterschiedliche historische Phasen und Konjunkturen ab? Welche Überschneidungen oder Differenzen ergeben sich aus einer transnationalen Perspektive? Wer waren (aus intersektionaler Sicht) die forcierenden Akteure in diesem Prozess? Welche Grenzziehungen und Konflikte, aber auch Wechselwirkungen – in Auseinandersetzung mit der academic community sowie mit dem nicht-wissenschaftlichen Umfeld – begleiteten die Institutionalisierungsprozesse? Welche finanziellen, personellen oder medialen Ressourcen versuchten die Akteure zu mobilisieren und konnten sie tatsächlich nutzen? Wie nachhaltig und langlebig waren die verschiedenen Institutionalisierungsformen?

Die Tagung findet im Rahmen des interdisziplinär angelegten DFG-Verbundprojekts „Innovation durch ‚nichthegemoniale’ Wissensproduktion: ‚Okkulte’ Phänomene zwischen Mediengeschichte, Kulturtransfer und Wissenschaft 1770–1970“ (Pak 589) statt. (www.uni-siegen.de/mediaresearch/nichthegemoniale_innovation)

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

Programm

Mittwoch, 15. Oktober 2014

15:30 Anmeldung

16:00 Begrüßung

16:30–17:30
Ulrich Linse (Hochschule für Angewandte Wissenschaften München)
Der bürgerliche Salon als Ort parapsychologisch-wissenschaftlicher Demonstration: Albert von Schrenck-Notzing und sein Münchner Kreis im Kaiserreich und in der Weimarer Republik

17:30–20:00
Stadtführung: Freiburg als „locus occultus“
(durchgeführt von Studierenden des Historischen Seminars der Universität Freiburg)

20:00 Abendessen

Donnerstag, 16. Oktober 2014

8:30–10:30
Elisabeth Valentine (Universität London)
Institutionalization and the history of psychical research in Great Britain in the 20th century

Renaud Evrard (Universität Straßburg)
The orthodoxization of psychology in France at the turn of the 20th century

10:30–11:00 Kaffeepause

11:00–13:00
Ingrid Kloosterman (Universität Utrecht)
In the Mirror of Academic Psychology: a contextualized institutional history of Dutch parapsychology in the 20th century

Anna Lux (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
„Die völlige Integration der Parapsychologie“? Historische Perspektiven auf das Verhältnis von Parapsychologie und Universität in Deutschland und den USA

13:00–15:00 Mittagspause

15:00–18:00
Júlia Gyimesi (Károli Gáspár University of the Reformed Church in Hungary, Budapest)
The institutionalization of psychical research and parapsychology in Hungary in the 20th century

Birgit Menzel (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz)
Parapsychologie im sowjetischen und postsowjetischen Raum (Status, Erforschung, Experimente)

Michael Schetsche und Ina Schmied-Knittel (IGPP/Freiburg i. Breisgau)
Institutionalisierung ausgeschlossen... Zum Umgang mit para-normalen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR

18:00
Interne Arbeitsbesprechung des DFG-Verbundprojekts „Innovation durch ‚nichthegemoniale’ Wissensproduktion“

20:00 Abendessen

Freitag, 17. Oktober 2014

8:30–10:30
Ehler Voss (Universität Siegen)
Fighting the Fakers. Die skeptische mediumistische Probe in den USA

Eberhard Bauer (IGPP/Freiburg i. Breisgau)
Zur Geschichte der internationalen Professionalisierung und Unterstützung parapsychologischer Forschung im 20. Jahrhundert am Beispiel der „Parapsychological Association“ (PA) und der „Parapsychology Foundation“ (PF)

10:30–11:00 Kaffeepause

11:00–13:00
Uwe Schellinger (IGPP/Freiburg i. Breisgau)
Integrationsversuche okkulter Fähigkeiten in die Polizeiarbeit: „Kriminaltelepathen“ und „Hellsehdetektive“ im deutschsprachigen Raum (1920–1960)

Natascha Adamowsky (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Br.)
Spooked, haunted or just paranormal – zum Verhältnis von Wissenschaft und Okkultismus im Film

13:00–14:30 Mittagspause

14:30–16:00
Podiumsdiskussion:
Das Okkulte im Gehäuse? Gegenwärtiger Stand der Entwicklung und Perspektiven der Institutionalisierung von Forschungen zum Paranormalen

16:00–16:30 Kaffeepause

16:30–17:00 Abschlussdiskussion

17:30
Führung durch das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP)

Kontakt

Prof. Dr. Sylvia Paletschek und Dr. Anna Lux

Historisches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Rempartstraße 15, 79085 Freiburg/Br.

0761 - 203-3453
0761 - 203-5489
anna.lux@geschichte.uni-freiburg.de

Zitation
Okkultismus im Gehäuse. Institutionalisierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Paranormalen im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich, 15.10.2014 – 17.10.2014 Freiburg/Br., in: H-Soz-Kult, 31.07.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-25533>.