Die ostasiatische Dimension des Ersten Weltkriegs: Der ‚Deutsch-Japanische Krieg’ und China, 1914-1919

Ort
Bochum
Veranstaltungsort
Ruhr-Universität Bochum, Veranstaltungszentrum, Raum 2a
Veranstalter
Dr. des. Jan Schmidt (Ruhr-Universität Bochum), Prof. Dr. Katja Schmidtpott (Freie Universität Berlin)
Datum
05.09.2014 - 07.09.2014
Bewerbungsschluss
03.09.2014
Von
Dr. des. Jan Schmidt

Die Dimension Ostasien wurde und wird in der internationalen Forschung zum Ersten Weltkrieg über Dekaden hinweg weitgehend ignoriert. Der "Deutsch-Japanische Krieg" etwa, also der Teil des Ersten Weltkriegs, der mit der japanischen Kriegserklärung an Deutschland am 23. August 1914 begann und der - noch vor Beginn der Mobilisierung der Kolonien der europäischen Großmächte - den zunächst "europäischen" Krieg sehr schnell durch die Einbeziehung Ostasiens zum Weltkrieg werden ließ, ist in Europa fast vollständig vergessen und wird in Japan lediglich durch die Erinnerung an die ca. 5.000 deutschen und österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen wach gehalten. Die weitreichenden (welt)wirtschaftlichen Konsequenzen der Kriegsbeteiligung Japans, zu dessen Kolonialreich Taiwan seit 1895 und Korea seit 1910 gehörte, sowie Chinas Kriegseintritt 1917, aber auch die Folgen der aggressiven japanischen Außenpolitik gegenüber China ab 1915 wurden in der westlichen Weltkriegsforschung nur marginal wahrgenommen. Dies gilt zudem für die in der Zwischenkriegszeit und für die Zeit des "Asiatisch-Pazifischen Kriegs" (1937-1945) einflussreichen Lehren, die man in Ostasien aus der Beobachtung des "europäischen Kriegs" zog, sowie für die ausführliche Berichterstattung in den Medien, die auch tausende interpretierender Texte umfasste.

Die Konferenz soll einen Dialog zwischen VertreterInnen der aktuellen Forschung in Ostasien mit hiesigen WissenschaftlerInnen herstellen, wobei Deutschland, das in ganz Ostasien als Wissenschaftsstandort einen sehr guten Ruf hat, zudem als besonders geeigneter Ort dienen kann, um den in Ostasien - vielfach aus politischen Gründen - befangenen Dialog zwischen HistorikerInnen aus den ostasiatischen Ländern zu erleichtern. Ziel der Konferenz ist es, eine Neuinterpretation der ostasiatischen Dimension des Ersten Weltkries sowie des Verhältnisses von Ostasien und Europa im Ersten Weltkrieg zu erreichen. Konventionelle Geschichtsbilder sollen aufgebrochen werden, um zu einer differenzierteren Darstellung der globalen Bedeutung der Region Ostasien auch im Ersten Weltkrieg zu gelangen, die sich als Teil einer globalgeschichtlichen Betrachtung der Weltkriege im 20. Jahrhundert versteht.

Bisherige Forschungen haben das Deutsch-Japanische Verhältnis in den Mittelpunkt gestellt, während China als Schauplatz, aber auch als weltpolitscher Akteur kaum Beachtung fand, was der Bedeutung der Jahre 1914 bis 1918/1919, das bis heute auf die chinesisch-japanischen Beziehungen nachwirken, nicht gerecht wird. In diese Lücke wird die Konferenz stoßen und die ostasiatische Dimension des Ersten Weltkriegs mit 23 Vorträgen einschlägiger FachwissenschaftlerInnen aus China, Taiwan, Japan, Großbritannien, Österreich und Deutschland beleuchten. Dabei wird die (Geheim-)Diplomatie jener Zeit ebenso bedacht wie die für das ganze 20. Jahrhundert zentrale Rolle der Massenmedien im Krieg, die Umstände der Rekrutierung der über 145.000 chinesischen Arbeiter, die an der "Westfront" in Europa eingesetzt wurden, und das "Lernen" aus dem Krieg, der in Japan und China aufmerksam beobachtet und von der Ministerialbürokratie, vom Militär sowie von der Privatwirtschaft intensiv studiert wurde - um nur einige Beispiele zu nennen. Gleichzeitig soll die Ebene der Betrachtung ganzer Nationalstaaten dadurch durchbrochen werden, dass lokale Akteure genauer betrachtet werden. Innovativ an der Konferenz ist zudem, dass auch die Repräsentation des Ersten Weltkriegs in Museen und Sammlungen in China, Japan und Deutschland bis in die heutige Zeit vergleichend diskutiert werden.

Das Dank der großzügigen Förderung durch das Auswärtige Amt ermöglichte Simultandolmetschen in die drei Konferenzsprachen Deutsch, Chinesisch und Japanisch wird es zudem erlauben, mit HistorikerInnen aus der Volksrepublik China, aus Taiwan und aus Japan zu diskutieren, die sonst selten oder nie in westlichen Sprachen vortragen.

Wir würden uns, trotz der Kurzfristigkeit dieser Ankündigung, über Ihre Teilnahme sehr freuen!

Jan Schmidt (Ruhr-Universität Bochum) & Katja Schmidtpott (Freie Universität Berlin)

Programm

Partner: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland; The Japan Foundation; Rektorat der Ruhr-Universität Bochum; National Museum of History, Japan; Institute for Research in Humanities, Kyoto University (International Project “Trans-Disciplinary Studies on the First World War“); Japanese Society for the Promotion of Science Alumni Club Germany; JaDe-Stiftung, Köln; International Project “1914-1918 Online. International Encyclopedia of the First World War“.

Dolmetscher: Shinohe Yoko (Teamleitung), Hiromi Waldenberger, Yoshiko Döring, Dr. Xue Siliang, Julia Kahlich-Zhang, Hartmut Pilch.

Konferenzsprachen: Chinesisch, Deutsch, Japanisch (Simultandolmetschen während der gesamten Konferenz).

Anmeldung: Wir bitten bei Interesse an einer Teilnahme um eine kurze Anmeldung bei Frau Teelka Groeneveld, B.A.: Teelka.Groeneveld@ruhr-uni-bochum.de

Programm:

Freitag, 5. September 2014

14:00-14:30 Grußworte: Prof. Dr. Jörg PLASSEN, Dekan der Fakultät für Ostasienwissenschaften; Prof. Dr. Regine MATHIAS, Lehrstuhl für Geschichte Japans; KIYOTA Tokiko, Direktorin des Japanischen Kulturinstituts Köln (The Japan Foundation); N.N.

Sektion 1: Einführung

14:30-15:30 Dr. des. Jan SCHMIDT (Ruhr-Universität Bochum) & Prof. Dr. Katja SCHMIDTPOTT (Freie Universität Berlin): „Kernfragen der Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg in Ostasien“

15:30-16:00 Kaffeepause

Sektion 2: Keynote Lectures

Chair: Prof. Dr. Regine MATHIAS (Ruhr-Universität Bochum)

16:00-17:00 Keynote lecture I: Prof. Dr. Oliver JANZ (Freie Universität Berlin): „Der Erste Weltkrieg als globaler Krieg“

17:00-18:00 Keynote lecture II: Prof. i.R. Dr. Gerhard HIRSCHFELD (Universität Stuttgart): „Krieg und Kultur: Zur neuen Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs“

Samstag, 6. September 2014

Sektion 3: Menschen im Krieg

Chair: Prof. Dr. Katja SCHMIDTPOTT (Freie Universität Berlin)

9:30-10:00 Prof. Dr. NARAOKA Sōchi (Kyoto University): „Japaner, die die ‘Kanonen des August’ hörten. Japanische Internierte in Deutschland”

10:00-10:30 Mahon MURPHY, M.A. (London School of Economics): „Die Behandlung deutscher Kriegsgefangener in Japan im globalen Kontext des Ersten Weltkriegs“

10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-11:30 Prof. Dr. ŌTSURU Atsushi (Kobe University): „Das Kriegsgefangenenlager Aonogahara – Eine Miniatur der Habsburgermonarchie“

11:30-12:00 ZHANG Yan, M.A. (Chinese University of Hong Kong): „Individuelle Motive für den Eintritt in das Chinese Labor Corps. Das Beispiel der Arbeiter aus Shandong“

12:00-13:00 Mittagessen

Sektion 4: Ostasien als Ziel verdeckter deutscher Aktivitäten

Chair: Prof. i.R. Dr. Erich PAUER (Philipps-Universität Marburg/Centre Européen d’Études Japonaises d’Alsace)

13:00-13:30 Prof. Dr. TAJIMA Nobuo (Seijō University): „Der Erste Weltkrieg und 'Deutsche Spione zu Pferde' - Deutsche anti-russische Aktivitäten in Sibirien und in der Mandschurei“

13:30-14:00 PD Dr. Gerhard KREBS (Berlin): „Das Zimmermann-Telegramm – Skurrilität oder Glied einer Kontinuitätskette?“

14:00-14.30 Kaffeepause

Sektion 5: Der Krieg in den Massenmedien

Chair: Dr. YUKAWA Shirô (Universität Bonn)

14:30-15:00 MOROHASHI Eiichi, M.A. (Keio University): „Der japanische Kriegseintritt und die Massenmedien. Das Aufkommen der japanischen Selbstwahrnehmung als ‚Führungsmacht Asiens’“

15:00-15:30 Emer. o. Univ.-Prof. Sepp LINHART (Universität Wien): „Vom Tiger zum Affen: Der Wandel des deutschen Japan-Bildes nach Kriegsausbruch 1914, exemplifiziert an Ansichtskarten“

15:30-16:00 Mag. Dr. Susanne FORMANEK (Universität Wien): „Itō Chūtas Postkartenserie über den Ersten Weltkrieg. Eine karikatureske Chronik des Kriegs in Japan-zentrierter Ikonographie“

16:00-17:00 Umzug ins Stadtarchiv Bochum

Sonderveranstaltung im Stadtarchiv / Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte im Rahmen der Sonderausstellung „Zwischen Heimat und Front – Bochum im Ersten Weltkrieg“:

Japanisches Stummfilmkino während des Ersten Weltkriegs

17:00-17:30 Einführung: Dr. OGAWA Sawako, Ass. Prof. (Kyoto University): „Das Japanische Kino und ausländische Filme während des Ersten Weltkriegs“

17:30-18:30 Film event: „Japanisches Kino während des Ersten Weltkriegs in Auszügen“ mit Darbietung des benshi (Filmerzähler) KATAOKA Ichirō

Sonntag, 7. September 2014

Sektion 6: Transnationale Verbreitung von Wissen

Chair: Dr. des. Jan SCHMIDT (Ruhr-Universität Bochum)

9:30-10:00 Prof. i.R. KUDŌ Akira (Tokyo University): „Forschungen des japanischen Heeres zu Deutschland im Krieg. Nagata Tetsuzan und die 'Mobilisierung der Nation'“

10:00-10:30 Prof. Dr. SHIMIZU Yū'ichirō (Keiō University/ Harvard University): „Wie japanische Regierungsbeamte den Krieg studierten“

10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-11:30 Prof. Dr. SUZUKI Jun (Tokyo University): „Germanophile und frankophile Offiziere des Artillerie- und Ingenieurskorps des japanischen Heeres vor und nach dem ‚Deutsch-Japanischen-Krieg’“

11:30-12:00 Prof. Dr. Eugene W. CHIU (Tunghai Universität, Taiwan): „Der Erste Weltkrieg und Chinas Moderne“

12:00-13:00 Mittagessen

Sektion 7: Globale und regionale Dimensionen

Chair: PD Dr. Christine MOLL-MURATA (Ruhr-Universität Bochum)

13:00-13:30 Prof. Dr. WU Lin-Chun (National Dong Hwa University, Taiwan): „Unternehmer-netzwerke in China während des Ersten Weltkriegs: das Beispiel der American Asiatic Association und die Chinesisch-US-Amerikanischen Beziehungen“

13:30-14:00 Prof. Dr. Urs Matthias ZACHMANN (University of Edinburgh): „Kriegsarenen, Friedenstheater: Die Versailler Friedenskonferenz und völkerrechtliche Debatten in Ostasien“

14:00-14:30 Kaffeepause

Sektion 8: Die ostasiatische Dimension des Ersten Weltkriegs und Public History

Chair: Dr. Tino SCHÖLZ (Universität Halle-Wittenberg)

14:30-15:00 Prof. Dr. HARAYAMA Kōsuke (National Museum of History, Japan): „Erinnerung und Museen – Warum der Erste Weltkrieg im Japanischen Nationalmuseum für Geschichte (noch) nicht thematisiert wird“

15:00-15:30 Hans-Joachim SCHMIDT (Heusweiler-Kutzhof, Germany): „Suche nach verschütteten Quellen - 15 Jahre Recherche in Sachen 'Tsingtau' und viele offene Fragen“

15.30-15.45 Prof. Dr. ŌTSURU Atsushi/ Dr. ISHII Daisuke (Universität Kōbe): Kurzvorstellung I: „Ein anderes Lager – eine andere Erinnerung? Unsere Ausstellung zum Gefangenenlager Aonogahara im Jahr 2006 und danach“

15.45-16.00 ZHANG Yan, M.A. (Chinese University of Hong Kong): Kurzvorstellung II: „Die Ausstellung zu den Chinesischen Arbeitern an der Westfront im 2013 in Shandong“

16.00-16.30 Kaffeepause

Abschließende Diskussion

Chair: Prof. Dr. Katja SCHMIDTPOTT (Freie Universität Berlin) /
Dr. des. Jan SCHMIDT (Ruhr-Universität Bochum)

16:30-17:30 Abschließende Diskussion über die Ergebnisse der Konferenz

Kontakt

Jan Schmidt

Sektion Geschichte Japans Fakultät für Ostasienwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum
GB 1/41 Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
0234-32-26256
+49-(0)234-32-14693
Jan.P.Schmidt@rub.de

Zitation
Die ostasiatische Dimension des Ersten Weltkriegs: Der ‚Deutsch-Japanische Krieg’ und China, 1914-1919, 05.09.2014 – 07.09.2014 Bochum, in: H-Soz-Kult, 24.08.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-25653>.