Stiftungen und Stiften im Wandel der Zeiten. Winterschule 2015

Ort
Greifswald
Veranstaltungsort
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, Martin–Luther–Straße 14, D–17489 Greifswald
Veranstalter
Prof. Dr. Thomas Adam (University of Texas, Arlington, Tx); Prof. Dr. Oliver Auge (Christian-Albrechts-Universität, Kiel); Wissenschaftskolleg der Stiftung Alfried Krupp Kolleg Greifswald
Datum
09.02.2015 - 13.02.2015
Bewerbungsschluss
30.11.2014
Von
Göllnitz, Martin

Von der Antike bis in die Gegenwart haben sich Menschen mit umfangreichen finanziellen Ressourcen immer wieder als Stifter betätigt. Am Anfang stand Stiften und die Errichtung von Stiftungen im engen Zusammenhang mit kultischen und religiösen Akten. Im nachreformatorischen Europa zeichnete sich dann eine allmähliche Ablösung des Stiftens von der Religion ab. Waren Stiftungen bisher zumeist Religionsgemeinschaften anvertraut worden, kam es nun auch zur Errichtung von säkularen außerhalb der Kirche angesiedelten Stiftungen. Stiften war dabei nie ein Verhalten, das nur Männern vorbehalten war. Frauen spielten als Stifterinnen vor allem im Sozialbereich eine Rolle. Und Stiften war nicht nur ein der christlichen Religion innewohnendes Verhaltensmuster, sondern entwickelte sich auch innerhalb des jüdischen und islamischen Glaubens. Stiften war und ist demnach ein universales Phänomen. Die Motivation zum Stiften wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte, und religiöse auf das Seelenheil gerichtete Gründe wurden zum Teil auch durch statussichernde oder statuserringende Motivationen begleitet oder ersetzt. In den modernen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts, in denen soziale Gruppen und Klassen die alte Ordnung der Stände verdrängten, spielte Stiften eine wichtige Funktion in der Schaffung sozialer Distinktion und der Begründung von Macht vor allem in den Städten.

Seit den 1990er Jahren hat die Erforschung dieses Stiftungswesens einen großen Aufschwung genommen. Historiker aus verschiedenen Traditionen wie der Bürgertumsforschung, der Armutsforschung, der Mittelalter- und Frühneuzeitforschung, der Stadtgeschichtsforschung, der Bildungsforschung und der Erforschung der jüdischen Geschichte haben sich von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Ansätzen diesem bis dahin von der Geschichtswissenschaft, mit Ausnahme vielleicht der Rechtsgeschichte, vernachlässigten Phänomen angenähert.

Ziel der Winterschule ist es, Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen und künftigen Lehrern einen Überblick über die Entwicklung des Stiftungswesens von der Antike bis in die Gegenwart und die hierzu laufenden Forschungsbemühungen zu vermitteln. Denn obwohl wir umfangreiches Spezialwissen zur Geschichte des Stiftens angehäuft haben, werden diese Forschungen bisher kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Stiften und Stiftungen sind kein Bestandteil der Schullehrpläne, und auch in Lehrveranstaltungen zur Geschichte an Universitäten spielen sie nur eine marginale Rolle. Dies ist besonders misslich, da an sich jede Universitätsgeschichte mit Stiftungsgeschichte verbunden ist, sich die jeweilige Universitätsgeschichte mithin sehr gut über die betreffenden Stiftungen und Stifter beleuchten lässt. Der stets mögliche Lokalbezug wäre jeweils ein großer Vorteil bei der Wissensvermittlung. Forschungen zum Stiftungswesen haben bisher auch kaum die Gesamtinterpretation der deutschen Geschichte beeinflusst. Auch wenn sich Forscher, die über Stiften arbeiten, darüber einig sind, dass Stiften ein wesentliches bürgerliches Verhaltensmuster war und Bürgern die Möglichkeit gab, die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen unabhängig von staatlicher Beeinflussung oder auch im Konflikt mit dem Staat zu formen, so hat dieses Wissen bisher nicht allgemeine historische Darstellungen beeinflusst. Diese Winterschule ist nicht erstrangig für Studierende gedacht, die über dieses Thema wissenschaftlich arbeiten oder zu arbeiten gedenken. Es soll vielmehr der nächsten Generation von Historikern und Geschichtslehrenden ein Einblick in diese neue Interpretationsmöglichkeit der Geschichte vermittelt werden und die Teilnehmer auf die Behandlung dieses Themas in ihren Lehrveranstaltungen vorbereiten.

Die internationale Winterschule des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs in Greifswald wird gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach–Stiftung (Essen), dem Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (Potsdam).

Eine Teilnahme ist nur auf Bewerbung mit Lebenslauf und Einreichung eines
Motivationsschreibens von maximal 1 Seite möglich. Geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern können Reisekostenzuschüsse gewährt werden, die sich nach der Entfernung des Anreiseortes bemessen. Anmeldeschluss ist der 30. November 2014.

Programm

MONTAG, 09. Februar 2015
19:00 Uhr Öffentlicher Abendvortrag
Prof. Dr. Michael Borgolte (Humboldt-Universität, Berlin): Stiftungen in der Weltgeschichte

DIENSTAG, 10. Februar 2015
(Moderation: Prof. Dr. Thomas Adam)
09.00 - 09.45 Uhr: Impulsreferat
Prof. Dr. Sitta von Reden (Universität Freiburg): Stiften in der Antike
09.45 - 10.30 Uhr: Diskussion
10.30 - 11.00 Uhr: Kaffeepause
11.00 - 11.45 Uhr: Impulsreferat
Prof. Dr. Oliver Auge (Universität Kiel): Stiften in Greifswald
11.45 - 12.30 Uhr: Diskussion
12.30 - 14.00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im Kolleg
14.00 - 17.00 Uhr: Besuch im Universitätsarchiv
Dr. Dirk Alvermann (Direkt des Universitätsarchivs, Greifswald): Quellen zur Geschichte der Stiftungen an der Universität Greifswald
19.00 Uhr: Impulsreferat (Moderation: Prof. Dr. Oliver Auge)
Dr. Franz Kogelmann (Universität Bayreuth): Stiftungen im Islam

MITTWOCH, 11. Februar 2015
Exkursion zur Königin Luise Stiftung und Besuch am Maecenata Institut in Berlin (ganztägig).
Leitung: Marcel Piethe (Leiter der Königin-Luise-Stiftung, Berlin) und Dr. Rupert Graf von Strachwitz (Geschäftsführer des Maecenata Instituts, Berlin)

DONNERSTAG, 12. Februar 2015
(Moderation: Dr. Bernhard Ebneth)
09.00 - 09.45 Uhr: Impulsreferat
Dr. Michael Werner (Universität Gießen): Stiften im Nationalsozialismus
09.45 - 10.30 Uhr: Diskussion
10.30 - 11.00 Uhr: Kaffeepause
11.00 - 11.45 Uhr: Impulsreferat
Prof. Dr. Thomas Adam (University of Texas, Arlington, Tx): Jüdische Stiftungen
11.45 - 12.30 Uhr: Diskussion
12.30 - 14.00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im Kolleg
14.00 - 17.00 Uhr: Impulsreferat und anschließende Gruppenarbeit
Dr. Tanja Arendt (Kölner Gymnasial- und Studienfonds): Die Praxis der Bildungsförderung durch eine Stiftung heute: Das Beispiel des Kölner Gymnasial- und Studienfonds

FREITAG, 13. Februar 2015
(Moderation: Prof. Dr. Oliver Auge)
09.00 - 09.45 Uhr: Impulsreferat
Dr. Bernhard Ebneth (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften): Bürgerliches Stiften in der Frühen Neuzeit
09.45 - 10.30 Uhr: Diskussion
10.30 - 11.00 Uhr: Kaffeepause
11.00 - 11.45 Uhr: Impulsreferat
Prof. Dr. Thomas Adam (University of Texas, Arlington, TX): Stiften für Bildung: Die Studienförderung an deutschen und amerikanischen Universitäten von 1800 bis 1945 im Vergleich
11.45 - 12.30 Uhr: Diskussion
12.30 - 14.00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im Kolleg
14.00 - 17.00 Uhr: moderierte Gruppenarbeit
Stiften und Stiftungen im Geschichtsunterricht und Universitäten und Schulen
17.00 Uhr: Verabschiedung

Kontakt

Siri Hummel

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, D–17487 Greifswald

+49 (0) 3834 / 86–19029
+49 (0) 3834 / 86–19005
tagungsbuero@wiko–greifswald.de

Zitation
Stiftungen und Stiften im Wandel der Zeiten. Winterschule 2015, 09.02.2015 – 13.02.2015 Greifswald, in: H-Soz-Kult, 30.09.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-25956>.
Redaktion
Veröffentlicht am
30.09.2014